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30. Juni 2011 10:53; Akt: 30.06.2011 11:26 Print

Armee zieht bei 188 Ex-Soldaten die Waffen ein

Nach dem Tötungsdelikt an einem Polizisten in Schafhausen BE hat die Armee angekündigt, ausgemusterte Armeeangehörige konsequenter zu entwaffnen. 188 Männer müssen die Waffe sofort abgeben.

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Nachdem bei einem Einsatz in Schafhausen BE ein Polizist durch eine Armeewaffe getötet worden war, überprüfte die Armee 530 Dossiers, die sich seit 2006 im sogenannten «Abrüstungsverfahren» befinden.

Die Beurteilung dieser Fälle durch den militärärztlichen Dienst ergab, dass in 188 Fällen «die Rücknahme der Waffen dringend angezeigt» sei. Diese Dossiers wurden nun der Militärpolizei übergeben. Den Betroffenen soll bis Ende Jahr ihre Militärausrüstung weggenommen werden.

Ab Freitag zieht nun die Militärpolizei Waffen und Schutzmasken ein. Zur «Vermeidung von Risiken» rückt die Militärpolizei aber erst nach Rücksprache mit den kantonalen Polizeibehörden aus. Kommt die Militärpolizei nicht zum Ziel, wird beim Oberauditorat der Armee ein Verfahren gegen die Betroffenen eingeleitet.

Nicht-Entwaffnung bleibt unklar

Zudem prüft die Armee bei allen Untauglichkeitsentscheiden der letzten zehn Jahre, ob die Betroffenen tatsächlich entwaffnet wurden. Dies betrifft rund 5000 Dossiers pro Jahr.

In einer ersten Phase werden die Dossiers der Jahre 2006 bis 2011 bearbeitet und «wo nötig in den ordentlichen Abrüstungsprozess integriert». Anschliessend ist vorgesehen, sämtliche Dossiers bis zurück ins Jahr 2001 zu kontrollieren.

Aufgrund der «heute noch vorhandenen Dokumente» lasse sich nicht mehr nachvollziehen, weshalb der mutmassliche Täter von Schafhausen nicht entwaffnet wurde, schreibt die Armee. Der Mann wurde im Juni 2007 aus medizinischen Gründen untauglich erklärt und per Ende 2007 aus der Wehrpflicht entlassen.

Das Drama spielte sich am 24. Mai in Schafhausen im Emmental ab. Ein 39-jähriger Polizist wurde erschossen, als er für eine Zwangsräumung eine Wohnungstür öffnen wollte. Sein Kollege erlitt Verletzungen am Oberarm. Der 35-jährige Wohnungsmieter hatte mit einer Dienstwaffe auf die Polizisten geschossen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jeffrey am 01.07.2011 05:29 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach traurig und erbärmlich

    Wenn man jedem anstatt einer Dienstwaffe eine Wasserspritzpistole mitgeben würde, würden weniger Unfälle geschehen... ¬.¬

  • Martin am 30.06.2011 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Greift durch.

    Greift endlich hart durch. Unsere Gesetze genügen. Sie müssen nur endlich angwendet werden. Es kann nicht sein, dass jemand der nicht mehr angehöriger der Armee ist und auch nie einen Waffenerwerbsschein genebigt bekommen hat noch eine Waffe zu Hause hat. Ich bin selber verantwortungsvoller Waffenbesitzer und möchte das dies so bleibt.

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  • Ralf Unterflüeh am 30.06.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Enteignung in der Schweiz?

    Die Waffen gehören den ehemaligen Angehörigen der Armee. Nun alle unter Generalverdacht zu stellen zeigt einmal mehr die Hilflosigkeit der Politik. Gesunder Menschenverstand ade!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jeffrey am 01.07.2011 05:29 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach traurig und erbärmlich

    Wenn man jedem anstatt einer Dienstwaffe eine Wasserspritzpistole mitgeben würde, würden weniger Unfälle geschehen... ¬.¬

  • E. Wiger am 01.07.2011 04:15 Report Diesen Beitrag melden

    Jede(r) Tote

    die wir seit der Ablehnung der Waffeninitiative durch Armee-Waffen zu beklagen haben, geht mit auf das Konto der Gegner. Das nächste mal wird die Initiative angenommen.

  • Fred Bucher am 30.06.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kontrolle

    Mit aller Garantie weiss die Armee nicht, dass ich ein StGw erhalten habe.. das "neue" StGw 90 habe ich abgegeben und das wurde im Dienstbüchlein gestrichen. Beim Ausgang des Zeughauses durfte ich mir aus einer Pallette ein neuwertiges 57er aussuchen... fertig. Kein Vermerk. Natürlich habe ich das Gewehr genommen, warum sollte ich das der Armee schenken. Damals war die Armee froh, dass sie ihre alten Gewehre losgeworden ist.

  • Bernardo am 30.06.2011 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so ganz menschlich das ganze...

    Es sterben ständig Menschen in der CH durch ArmeeWaffen, aber der so clevere Staat wacht erst auf, nachdem ein Polizist erschossen wurde? Ich wüsste gerne den Unterschied zwischen einem Polizisten und einem sonst normalen Bürger(von der Uniform abgesehen).

  • Daniel am 30.06.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Blick auf Griechenland

    Mit Blick auf Griechenland werden auch hier Aktionen gegen Waffenbesitzer gemacht. Hat der Staat Angst, dass auch in der Schweiz Menschen auf die Strasse gehen? Das ist ein sachbezogener Beitrag, denn diese Waffenhysterie, die in der Schweiz geschürt wird, hat gnau mit solchen Ereignissen zu tun.