Transfrau befehligt Bataillon

05. September 2019 04:47; Akt: 05.09.2019 04:47 Print

«Oberstleutnant Hug ist eine Vorreiterin»

von Ilona Himmelberger - 20 Minuten berichtete über Christine Hug, Transfrau und Oberstleutnant im Generalstab. Der Artikel hat bei Bekannten und Lesern ein positives Echo ausgelöst.

Beim Besuch von 20 Minuten weilte Christine Hug gerade am Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere, um einen Kurs zu absolvieren. (Video: S. Brazerol)
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Der Artikel zu Oberstleutnant Christine Hug bewegt die 20-Minuten-Leser. Viele gratulieren ihr in den Online-Kommentaren zu ihrem Mut, nun offiziell als Frau zu leben. «Hauptsache glücklich. Wenn sie glücklich damit ist und sich so wohlfühlt, wieso nicht? Alles Gute», lautete der meistgelikte Kommentar.

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Ein anderer Leser beleuchtet den Zusammenhang von Transgender und Militär: «Ich finde es gut, dass das in unserer Gesellschaft und unserer Armee so möglich ist.» Zwar gab es auch einige negative Kommentare, doch die positiven überwiegen. Dass nicht nur Hugs Arbeitsumfeld und ihre Familie, sondern auch viele andere Leser hinter der Transfrau stehen, fällt auf: «Schön, dass so viele positive Feedbacks geschrieben wurden. Spricht für die Mentalität hier. I like», schreibt ein Kommentator.

«Militär bildet Gesellschaft nun ganzheitlicher ab»

Für Janna Kraus vom Transgender Network Switzerland ist der Umstand, dass Transpersonen im Militär öffentlich zu ihrer Transidentität stehen können, ein gutes Zeichen: «Das bedeutet, dass solch konservative Bereiche nun ebenfalls ein ganzheitlicheres, realistischeres Bild von der Gesellschaft wiedergeben.»

«Es ist die breitere gesellschaftliche Akzeptanz sowie die Leistung vieler Vorreiter wie Christine Hug, dass sich Institutionen öffnen», so Kraus. Dies wiederum führe zu einem weiteren Abbau von Barrieren. Trotzdem hinke die Schweiz im Prozess der Normalisierung im Umgang mit Transpersonen im internationalen Vergleich noch hinterher. «Vor allem am Arbeitsplatz sind Coming-outs oft auch heute noch immer sehr heikel.»

Coming-out als Herausforderung in Partnerschaften

Laut Kraus ist das Coming-out immer ein sehr persönlicher und rechtlich sowie sozial hindernisreicher Prozess. «Als solidarische und offene Gesellschaft ist es unsere Aufgabe, solche Hürden für betroffene Personen und ihre Angehörigen aus dem Weg zu räumen.» In einer Partnerschaft stelle ein Coming-out natürlich eine besondere Herausforderung dar, die auf beiden Seiten viele komplizierte Emotionen hervorrufen könne.

Das Wichtigste sei, dass sich beide Partner in diesem Prozess nicht alleine fühlen. «Sicherlich müssen einige Dinge neu ausgehandelt werden, doch es ist auch eine Chance, offen miteinander reden zu können.»

«Es gab viel positives Feedback»

Christine Hug selbst kann ebenfalls von sehr vielen guten Reaktionen auf den Artikel aus ihrem privaten wie beruflichen Umfeld berichten. Viele hätten ihr zu ihrem Mut gratuliert und den Beitrag wirklich toll gefunden. «Da waren auch Bekanntschaften darunter, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr getroffen hatte. Es war schön, auf diese positive Weise wieder mit ihnen in Kontakt treten zu können.»

Der Artikel sei auch von ihrer Frau gut aufgenommen worden, so Hug. «Sie hat zudem ein grosses Interesse an den Kommentaren in der Online-Fassung gezeigt.» Und auch sie sei von ihrem Umfeld angesprochen worden. «Ich bin mir bewusst, dass mein Coming-out und der damit in Verbindung stehende Prozess für sie alles andere als einfach ist.»

«Wir wollen den Weg gemeinsam gehen»

Doch ihre Frau versuche, damit so offen und unterstützend wie ihr möglich umzugehen, sagt Hug. Das sei bis jetzt nicht einfach gewesen und werde es auch in Zukunft nicht sein. «Doch meine Frau und ich haben so vieles gemeinsam, kennen uns so lange und haben viel miteinander erlebt. Deshalb ist es das Wichtigste für uns, auch diesen Weg gemeinsam zu gehen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J.B am 05.09.2019 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach so...

    Ich bin als Mann geboren und werde als Mann sterben. Wo bleibt der Bericht über mein Leben, wo es doch heutzutage mutiger scheint zu bleiben wer man ist...

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  • Expat am 05.09.2019 05:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Müssen nicht alle wissen.

    Ich wünsche ihr alles Glück, aber für mich ist das trotzdem nicht der richtige Weg alles an die Öffentlichkeit zu zerren. Jede Minderheit muss heute ihr persönliches Problem vor allen ausbreiten. Ist das eine neue Therapieform.

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  • Rico am 05.09.2019 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wie geht das mit der Toleranz?

    Mein Vater, knapp 90, hat den Krieg noch erlebt. Er kann mit diesen Lebenseinseinstellungen "leider" nichts mehr anfangen. Somit steigt er in den Augen der ach so toleranten Menschen zu einem "ewig Gestrigen" auf. Man darf schon sagen, er ist Teil des neuen Feindbildes geworden. Er kann diesbezüglich nicht mehr auf die Toleranz der Toleranten hoffen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J.Barner am 05.09.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ideale

    Wer den Mut hat sich so ehrlich mit sich selbst zu beschäftigen, körperliche und emotionale Lasten auf sich zu nehmen um für die eigene Freiheit zu kämpfen ist bestimmt auch in der Armee in der Position des Oberstleutnants tapfer, überlegt und eine Bereicherung für die Armee

  • Jolanda am 05.09.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Omg

    Ich sehe das alles ganz anders, behalte hier meine Meinung aber für mich.

  • Heimlich werden alle lachen am 05.09.2019 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Echt bleibt echt

    Ich bin als echte Frau geboren und kann diese Menschen akzeptieren, aber nicht ernst nehmen. Würde mir meine Sache denken, wenn mir jemand der anders sein will als er ist, als Vorgesetzte vorgesetzt würde.

  • dorismaria am 05.09.2019 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz ehrlich

    frau hug ist im militär mittlerweile in einer position, wo es vermutlich echt kein problem mehr darstellt jedoch wie sieht es damit in der RS aus? sind da die jungen männer und frauen auch so tollerant oder wird gemobbt wie ja jetzt auch häufig? ich finde transgender gehören, trotz dem positiven gelingen von frau hug, nicht ins militär

  • Frager am 05.09.2019 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum diese Aufruhr ?

    um diesen Mensch, es ist nicht das erste mal und sicher nicht das letzte mal dass jemand einen solchen Schritt macht. Was ich möchten wisse, welche Sanitär Anlagen Oberstleutnant HUG benutzt?