Atommüll

07. März 2011 16:37; Akt: 07.03.2011 16:50 Print

Atom-Transporte sollen geheim bleiben

von Lukas Mäder, Bern - Letzte Woche fuhr beinahe unbemerkt ein Castor-Transport mit mittelradioaktiven Abfällen in die Schweiz. Der Bundesrat will diese Transporte weiterhin geheim halten.

storybild

Wann der Atommüll durch die Schweiz fährt, bleibt geheim: Transport mit drei Castor-Behältern am 3. März in Pratteln. (Bild: Greenpeace/Schmutz)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Letzten Donnerstag fuhr ein Zug mit mittelradioaktivem Abfall durch die Schweiz. Die Castor-Behälter kamen aus der Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Frankreich und trafen vor dem Mittag in Basel ein. In Würelingen (AG) mussten die Transportbehälter auf Lastwagen umgeladen werden, da die letzten Kilometer nur auf der Strasse zurückgelegt werden können. Publik machte den Transport die «Basler Zeitung». Die Behörden informierten nicht. Dieses Vorgehen stiess bei mehreren Politikern der SP und der Grünen auf Kritik. Sie forderten am Montag in der Fragestunde eine Erklärung des Bundesrats.

Der Bundesrat will daran festhalten, geplante Atommüll-Transporte und deren Route nicht im Voraus anzukündigen, sagte Energieministerin Doris Leuthard im Nationalrat. «Die jetzige Praxis muss nicht überdacht werden.» Sie stehe im Einklang mit internationalen Abkommen, Empfehlungen der internationalen Atombehörde in Wien sowie den schweizerischen Gesetzen. Dass Deutschland über die Castor-Transporte im Voraus informiere, habe keinen Einfluss auf die Schweiz, sagte Leuthard. Sie begründete die Geheimhaltung damit, dass so nicht zuletzt der Schutz vor Terrorakten grösser sei. «Die heutige Praxis gewährt eine höhere Sicherheit.» Auf die Frage, ob die Sicherheit im Falle eines Terroraktes denn nicht gewährleistet wäre, ging die Bundesrätin nicht ein.

Grenzwerte eingehalten

Der Castor-Transport vom Donnerstag umfasste drei Behälter mit insgesamt 20 Abfallgebinden. Darin hätten sich keine Brennelemente befunden, sondern metallische Strukturelemente von Brennstäben. Zuvor seien bereits drei vergleichbare Transporte mit insgesamt acht Behältern und 156 Gebinden durchgeführte worden. Für dieses Jahr ist zudem ein weiterer geplant. Daneben haben laut Leuthard bisher sieben Transporte mit hochradioaktivem Abfall stattgefunden. Dabei würden die Grenzwerte für radioaktive Strahlung eingehalten.

Für die SBB-Angestellten und die Anwohner der Route sieht die Energieministerin keine Gefährdung. Der Strahlenschutz sei gewährleistet, sagte sie. Zudem würden die Behörden regelmässig die Strahlung messen. «Dass radioaktive Substanzen austreten, ist höchst unwahrscheinlich», sagte Leuthard. Und selbst für diesen unwahrscheinlichen Fall gebe es Notfallpläne.

Warten auf Endlager

In Würenlingen werden die radioaktiven Abfälle aus den Kernkraftwerken sowie aus Medizin, Forschung und Industrie zwischengelagert. Die letzte Woche angelieferten Abfälle aus La Hague stammen aus der Wiederaufbereitung und müssen gemäss Verursacherprinzip von den Schweizer Kernkraftwerkbetreibern zurückgenommen werden. Solange in der Schweiz keine Endlager für schwach- und mittelaktive beziehungsweise hochaktive Abfälle bereitsstehen, findet die Zwischenlagerung in Würenlingen statt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jean-jac am 07.03.2011 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Castor-Behälter

    «Dass radioaktive Substanzen austreten ist höchst unwahrscheinlich», sagte Leuthard. Die soll doch mal ein paar jahre so einen Castor-Behälter in ihrem Keller aufbewahren, möchte wissen ob wen es sie persöhnlich betrifft immer noch unbeschwert sag:t "dass etwas passiert ist höchst unwahrscheindlich"

    einklappen einklappen
  • Tinner am 07.03.2011 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wenns um Atom geht

    scheint unser Bundesrat ja einges zu verheimlichen. Vertrauen wird so eher ab als aufgebaut.

  • Silver am 08.03.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so...

    Erstens: wir müssen den Abfall bei uns in ein Endlager einbringen. Bin sicher, dass es genügend sichere Möglichkeiten dafür gibt. Zudem lieber in der sicheren Schweiz lagern als in irgend einer Bananenrepublik. Zweitens: Transporte geheim halten, sonst gibt es noch Unfälle auf dem Transport und endlose Kosten wegen ein paar Chaoten. Sogar der WWF? hat bestätigt dass die Behälter keine messbare Strahlung abgaben (20 Min Bericht).

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bürger am 08.03.2011 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Entscheid

    Absolut richtig diese Transporte weiterhin Geheim zu halten. Es hat leider viel zuviele (linke) "grüne" Chaoten. Diese verursachen nur unnötige Kosten bei ihren unbewilligten Demos. Leider geht die Polizei allgemein viel zu large mit diesen Chaoten um.

  • Silver am 08.03.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so...

    Erstens: wir müssen den Abfall bei uns in ein Endlager einbringen. Bin sicher, dass es genügend sichere Möglichkeiten dafür gibt. Zudem lieber in der sicheren Schweiz lagern als in irgend einer Bananenrepublik. Zweitens: Transporte geheim halten, sonst gibt es noch Unfälle auf dem Transport und endlose Kosten wegen ein paar Chaoten. Sogar der WWF? hat bestätigt dass die Behälter keine messbare Strahlung abgaben (20 Min Bericht).

  • Guschti am 08.03.2011 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Transporte sind nicht fürs Publikum

    Richtig! a) den Strom brauchen wir, valable Alternativen gibt es noch nicht, b) die Schlamassel bei den Transporten wie in D brauchen wir nicht weil die Aktivisten des eh nicht bezahlen (Verursacherprinzip?) Sicher nötig: reale Altrantiven suchen. Nur: mit unseren Vorschriften und Auflagen und Einsprachemöglichkeiten werden wir bis diese Produktiv sind keinen Strom mehr brauchen.. Menschheit schon ausgestorben!

  • megge am 07.03.2011 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Atom-Abfall/Energie7Transporte ...

    Den Transport nicht publik machen ist sicherer, aber noch sicherer ist der Ausstieg aus der Atomstromproduktion!

  • Alexander am 07.03.2011 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man die Wahl hat: teuer oder billig

    In Deutschland gibt es bei Castor-Transporten immer ein grosses Theater. Den einen gefällts, den andern weniger. Jedenfalls ist es nicht unbedingt billig. Aus diesem Grund gefällt mir der Transport ohne Theater besser.