Auf 100 Plakaten

20. August 2013 23:54; Akt: 20.08.2013 23:54 Print

Atomstrom-Befürworter klaut Tourismus-Logo

von Hannes von Wyl - Für seine Plakatkampagne gegen die Erhöhung der Einspeisevergütung verwendet ein Politaktivist das Logo von Schweiz Tourismus – ohne deren Einverständnis. Die Organisation hat einen Anwalt eingeschaltet.

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«Nur noch kurze Zeit. Aussicht ohne 1000 Windräder.» So wirbt der politische Einzelkämpfer Christian Riesen auf rund 100 Plakaten in den Kantonen Zürich, Bern und Solothurn für das Referendum gegen die Erhöhung der Einspeisevergütung für Solar- und Windstrom. Pikant: Die Gestaltung orientiert sich stark am Design von Schweiz Tourismus – inklusive Logo.

«Es handelt sich im vorliegenden Falle um eine missbräuchliche, widerrechtliche Nutzung unseres Markenauftrittes, der in keiner Art und Weise mit uns abgesprochen war», sagt Schweiz-Tourismus-Sprecherin Daniela Bär.

«Dreistes» Plagiat

In einem Schreiben einer Anwaltskanzlei wird Riesen nun aufgefordert, alle Plakate und die Bilddateien auf seiner Homepage und Facebook-Seite zu entfernen. Der Solothurner ist enttäuscht: «Ich habe mir gewünscht, dass Schweiz Tourismus auf meine Kampagne etwas sportlicher reagiert», sagt Riesen. Es sei offensichtlich, dass die Tourismus-Organisation nichts mit dem Referendum zu tun habe.

Politikberater und Kampagnenspezialist Mark Balsiger widerspricht: «Ein Plakat wird im Vorbeigehen nur für eine oder zwei Sekunden angeschaut. Durch die Verwendung des charakteristischen Designs mit dem offiziellen Logo von Schweiz Tourismus wird die Windrad-Aussage automatisch mit der Marketing-Organisation assoziiert.»

Damit wolle Riesen lediglich Aufmerksamkeit erregen. «Diese Art von Plagiat ist schlicht dreist», sagt Balsiger. Riesen habe den Markenauftritt mit Absicht verwendet. «Es ist mir bewusst, dass ich ein geschütztes Markenzeichen verwende», sagt dieser. Er habe aber gehofft, dass seine Plakate toleriert werden.

Verlust an Glaubwürdigkeit

«Es geht mir um den Schutz der Schweizer Landschaft vor einer Verschandelung durch Windräder», sagt der 43-jährige Wirtschaftsinformatiker, der beim Kernkraftwerk Gösgen arbeitet. «Das sollte eigentlich auch im Sinne der Schweizer Tourismusbranche sein.»

Das ist für Balsiger nur ein Vorwand, um das Plagiat zu rechtfertigen. «Es ist sehr gut möglich, dass Riesen von Anfang an darauf spekuliert hat, dass seine widerrechtliche Verwendung medial für Aufruhr sorgt.» Damit büsse der Atomkraft-Befürworter aber massiv an Glaubwürdigkeit ein.

Von der Todesstrafe zu Windrädern

Zudem hat Riesen für sein Referendum erst wenig politische Unterstützung gewinnen können. Einzig die Jungfreisinnigen stehen offen zu seinem Anliegen. Ob es Riesen mit seiner jüngsten PR-Aktion gelingt, die benötigten 50'000 Unterschriften zu sammeln, ist fraglich.

Der gebürtige Berner sorgte schon früher mit fragwürdigen Aktionen für Furore: 1997 wollte Riesen als Vizepräsident der Jungen SVP Bern eine Volksinitiative zur Wiedereinführung der Todesstrafe lancieren. Dies mit dem Ziel, die Verkürzung der Verjährungsfristen für sexuelle Handlungen an Kindern und für Mord zu verhindern. Unter grossem öffentlichen Druck brach Riesen die Lancierung ab und wurde aus der SVP ausgeschlossen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabio am 21.08.2013 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn!

    Es werden in der Schweiz NIEMALS 500 Windräder gebaut! Alleine mit all den Einsprachen wird das nicht möglich sein. Mit der KEV werden hauptsächlich Solarprojelte subventioniert, was sinnvoll ist. Alleine mit der Warteliste kann 2x (zweimal!) das AKW Mühleberg ersetzt werden. Ja, es kostet uns etwas, aber der AKW-Strom wurde und wird auch subventioniert!

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  • luksa am 21.08.2013 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    AKW ADE

    windpärke sind auch attraktiv!! z.b. der mont soleil im jura!

  • Guido am 21.08.2013 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Halbwissen

    Das Problem ist nicht die Energiegewinnung an sich, sondern die stetige Gewinnmaximierung der Energieversorger und das Halbwissen der Konsumenten. Vermeindlicher Ökostrom aus unseren Dosen. Ja ja... Solaranlagen in Wüsten, neue, praktisch sehr verlustarme offshore Stromleitungen und neue topmoderne Atomanlagen wären die Lösung. Und darum, gut gemacht Herr Riesen. Nebenbei - alleine die Verlustleistung von Wechselstrom ist lachhaft...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • P.Rhodan am 21.08.2013 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Dezentralisieren

    wurde hier schon vorgeschlagen. Die einzige Möglichkeit "Global Effect" zu einem halbwegs vernünftigen Ende zu bringen. Leider ist dieses Game nicht zu gewinnen, man kann bloss einen Teilerfolg erzielen. Ich weiss es war damals schon ein Flop, wahrscheinlich eben weil man nicht gewinnen kann. Trotzdem hielt ich es immer für empfehlenswert es mal zu versuchen, nur um zu sehen welche kleinen Chancen wir haben. Jedoch mit vielen verschiedenen Nationen und Interessen, kann man nicht nur nicht gewinnen, das ended Katastrophal. Um so etwas durchzusetzen bräuchten wir einen Globalen Administrator.

  • Nicolas/Reichelt am 21.08.2013 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    noch 50 akws

    die energiewende ist ja an sich eine ganz gute idee, doch wenn irgendjemand glaubt in unseren nachbarstaaten habe das gleiche umdenken stattgefunden, dann muss ich ihn leider entteuschen. ganz im ernst ich hätte lieber noch 50 akws mehr in der schweiz, nach schweizer sicherheitsvorschriften, und dafür 50 weniger in frankreich, denn wen dort was passiert haben wir den fallout(wegen dem westwind). es ist eben schon unglaublich sinnvoll als so riesiges land auf wasser sonne und wind zu setzen, denn die abgase der italienischen und deutschen kohlekraftwerke bleiben schön dort und kommen nicht zu uns. ich finde es richtig toll das unser staat milliarden für erneuerbare energien augeben will, obwohl man in schätzungsweise 50 jahren kerfusionsreaktoren haben wird, mit welchen man auch einen reale möglichkeit hat alle menschen mit genügend strom zu versorgen.

  • Was uns die Lobbys nicht sagen wollen am 21.08.2013 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Akws Keine Grossen Windturbinen

    aber jedem HAushalt seine Solarzellen und ein oder mehrere WINDHAMSTER (einfach mal Googeln) das sind kleine Windgetriebene Rotoren in einem diskreten Kasten welche bereits ab geringer Geschwindigkeit egal aus welcher Richtung sehr effizient Strom Erzeugen.

  • Helen Fischer am 21.08.2013 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Atomstrom-Gegner

    Wäre es ein Atomstrom-Gegner gewesen hätte kein Schwein was gesagt! Nur die rot-grüne Presse macht jetzt wieder ein riesen Stunk.

    • Leser am 21.08.2013 10:24 Report Diesen Beitrag melden

      Ja klar.

      Woran erkennt man einen Rechtspopulisten? Es sind immer die anderen Schuld ....

    • Cmdr. Jameson am 21.08.2013 23:10 Report Diesen Beitrag melden

      Komischer vergleich

      Was hätte der dann Abbilden sollen bitteschön? Wie schön die Aussicht auf den Südschwarzwald ist ohne (Dampf) "Fahne" des KKL? Auch hoffe ich das jene weniger gedanklos sind und ein fremdes Logo benützen. Die haben ein eigenes. Natürlich fällt es schwieriger ein geeignetes "pro-atom" zu finden, was wäre da wohl drauf... Obwohl, ich gebe zu, ich bin ein moderater gegner des Atomstroms und der offene Strommarkt scheint mir eher die Tore für Hochstapler zu öffnen (grins, grins, wir verkaufen euch ein gutes Gewissen. Anbieten? Nein, können wir noch nichts).

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  • P.s. am 21.08.2013 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach peinlich

    Einfach peinlich was sich da wieder mal ein Mensch erlaubt. Denkt nicht über sein Gärtchen hinaus. Soll sich bald nach einem neuen Job umsehen, denn das KKW löscht bald seine Lichter....Die Energiewende kommt!