Wegen No-Shows

15. Januar 2020 11:01; Akt: 15.01.2020 11:01 Print

Auch Edelweiss überbucht jetzt ihre Flüge

Das neue System von Edelweiss finden Konsumentenorganisationen «traurig». Doch die Airline wehrt sich.

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Lange hatte Edelweiss Air keine Flüge überbucht. Doch nun hat auch die Schweizer Airline das «aktive Überbuchen» eingeführt, wie es in einem Eintrag im Intranet des Unternehmens heisst. «Wir haben in den letzten Jahren das Streckennetz und die Anzahl Flugzeuge markant ausgebaut», sagt Sprecher Andreas Meier zu 20 Minuten. Damit sei auch die Anzahl der Gäste gestiegen, die die Reise nicht antreten würden, sogenannte No-Shows. Edelweiss überbuche Flüge, die in der Vergangenheit überdurchschnittlich hohe Raten an No-Shows gehabt hätten, so Meier weiter. «Die Auswahl der Strecken wird kontinuierlich überprüft und angepasst.» Babette Sigg, Präsidentin des Konsumentenforums, findet: «Dass Edelweiss nun auch Überbuchungen durchführt, geht gar nicht. Gerade bei Ferienflügen mit beschränktem Zeitbudget spielt es eine Rolle, ob man einen Tag früher oder später reist.» «Ich finde es traurig, dass Edelweiss nun auch systematisch überbucht», sagt auch Philippe Strässle, der Geschäftsführer von Airhelp Schweiz. Es wundere ihn aber nicht: «In den letzten Jahren wurden bei allen Fluggesellschaften die Schrauben angezogen, um das Maximum herauszuholen.» Edelweiss-Sprecher Meier sagt dagegen: «Von einer negativen Auswirkung einer Überbuchung sind unsere Gäste nur sehr selten betroffen.» Zudem sei es aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, die Auslastung der Flüge zu optimieren. Flüge zu überbuchen, ist in der Flugbranche normal. Swiss-Sprecher Stefan Vasic betont, dass das wichtig sei, um wettbewerbsfähige Preise und hohe Auslastung erreichen zu können: «Für jeden Flug werden historische Daten hinterlegt und ein eigenes Profil errechnet.» Weiterhin keine Überbuchungen gibt es bei Helvetic Airways. «Im Gegensatz zur Konkurrenz praktiziert Helvetic keine Überbuchungspolitik», sagt deren Sprecher Mehdi Guenin. Das, weil die Airline vor allem Ferien- und Nischendestinationen anfliege, und das höchstens zweimal pro Woche. «Für den Passagier gibt es also kaum Alternativen, und so wären überbuchte Flüge schlussendlich für uns kontraproduktiv», so Guenin weiter.

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Die Lufthansa-Tochter Edelweiss hat sich lange zurückgehalten mit dem Überbuchen von Flügen, wie es in der Branche sonst weit verbreitet ist. Doch nun hat auch die Schweizer Airline das «aktive Überbuchen» eingeführt, wie es in einem Eintrag im Intranet des Unternehmens heisst.

«Wir haben in den letzten Jahren das Streckennetz und die Anzahl Flugzeuge markant ausgebaut», sagt Sprecher Andreas Meier zu 20 Minuten. Damit sei auch die Anzahl der Gäste gestiegen, die die Reise nicht antreten würden, sogenannte No-Shows. Edelweiss überbuche Flüge, die in der Vergangenheit überdurchschnittlich hohe Raten an No-Shows gehabt hätten, so Meier weiter. «Die Auswahl der Strecken wird kontinuierlich überprüft und angepasst.»

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«Bei Ferienflügen gehen Überbuchungen gar nicht»

«Ich finde es traurig, dass Edelweiss nun auch systematisch überbucht», sagt Philippe Strässle, der Geschäftsführer von Airhelp Schweiz. Es wundere ihn aber nicht: «In den letzten Jahren wurden bei allen Fluggesellschaften die Schrauben angezogen, um das Maximum herauszuholen.»

Edelweiss bewirbt sich selbst als die «führende Schweizer Ferienfluggesellschaft». Doch gerade für Ferienpassagiere, die ohne Stress ihre freie Zeit verbringen möchten, seien Überbuchungen ärgerlich, so Strässle. «Das ist zum Beispiel für eine Familie mit Kindern, die ihre Ferien schon durchgeplant hat, katastrophal.»

Auch Babette Sigg, Präsidentin des Konsumentenforums, findet: «Dass Edelweiss nun auch Überbuchungen durchführt, geht gar nicht. Gerade bei Ferienflügen mit beschränktem Zeitbudget spielt es eine Rolle, ob man einen Tag früher oder später reist.»

Edelweiss-Sprecher Meier sagt dagegen: «Von einer negativen Auswirkung einer Überbuchung sind unsere Gäste nur sehr selten betroffen.» Von 2,7 Millionen Passagieren im Jahr 2019 hätten wenige Dutzend wegen der Überbuchung nicht befördert werden können. Die Entschädigung dafür war im gesetzlichen Rahmen (siehe Box). Zudem sei es aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, die Auslastung der Flüge zu optimieren, so Meier.

Swiss: «Leere Plätze wären nicht sinnvoll»

Flüge zu überbuchen, ist in der Branche normal. Swiss-Sprecher Stefan Vasic betont, dass das wichtig sei, um wettbewerbsfähige Preise und hohe Auslastung erreichen zu können. Für jeden Flug würden historische Daten hinterlegt und ein eigenes Profil errechnet, so Vasic weiter. «Das dient dazu, die Unannehmlichkeit für die Passagiere so weit wie möglich zu reduzieren.» Die Anzahl der zurückgewiesenen Fluggäste liege im tiefen Promillebereich.

Weiterhin keine Überbuchungen gibt es bei Helvetic Airways. «Im Gegensatz zur Konkurrenz praktizieren wir keine Überbuchungspolitik», sagt Sprecher Mehdi Guenin. Das, weil die Airline vor allem Ferien- und Nischendestinationen anfliege, und das höchstens zweimal pro Woche. «Für den Passagier gibt es also kaum Alternativen, und so wären überbuchte Flüge schlussendlich für uns kontraproduktiv», so Guenin weiter.

(nk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • chris am 15.01.2020 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrüger

    Ich finde dies eine Frechheit, Sitzplatz ist ja bezahlt und dann diesen nochmals verkaufen, also bitte

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  • Othmar Klopfstein am 15.01.2020 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ueberbuchte Flüge

    Warum machen die Airlines nicht dasselbe wie die Hotels? Zu spät abgesagte Flüge, werden nicht zurück erstattet, so ist der Flug bezahlt ohne Gast. Für die weiterreise ist dann jeder selber verantwortlich.

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  • El Volador am 15.01.2020 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Tipp

    Mit Online Check-in am Vortag oder zumindest frühzeitigem Erscheinen am Flughafen lässt sich fast immer verhindern, dass man von der Überbuchung betroffen ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peer Bucher am 16.01.2020 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsumentenschutz gesucht

    Absoluter Betrug und eine Frechheit sondergleichen! Die Plätze sind ja Bezahlt. Wenn sich der Flug betriebswirtschaftlich trotzdem nicht rechnet, sind wohl andere Schuld und nicht die Passagiere, welche regulär gebucht haben.

  • C.Weber am 16.01.2020 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Swissness

    Die Edelweiss ist sowIeso nicht mehr empfehlenswert. Total katastrophaler Kundendienst. Enge Sitzplätze.. einzig das Kabinenpersonal sind positiv hervorzuwähnen. Wenn möglich gehe ich Edelweiss aus dem Weg. Flüge welche nicht voll ausgelastet sind, werden 3 tage vor Abflug storniert.. alles selbst erlebt.

  • Papa Schlumpf am 16.01.2020 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach machen.

    Dass das gesetzlich überhaupt erlaubt ist, ist das traurigste daran.

    • euler1 am 16.01.2020 16:51 Report Diesen Beitrag melden

      Alle Fluggesellschaften überbuchen

      Alle Fluggesellschaften überbuchen 5-30 %. Machen Sie sich mal kundig, bevor Sie scheinbar sichere Statements abgeben. Und beachten Sie den Unterschied Pauschal-Privatreise. Aber dieser Reiser musste diese Woche rein, um den Lesern die Möglichkeit zu geben über Swiss/Lufthansa zu lästern. Ich habe noch nie einen ---Artikel gelesen, United-SIA-Quantas usw. überbuchen. Aber wenn Lufthansa dahinter steht, dann wird nun mal gern gelästert.

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  • Benä am 16.01.2020 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eh auso...

    ... und alle sind mal wieder empört. Schön entspannt bleiben. Heute ist ein schöner Tag.

  • A.W. am 16.01.2020 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Finde ich schade. Kann für einzelne Passagiere Problme geben. Die leeren Sitze sind ja schon bezahlt.

    • Ruedi am 16.01.2020 17:11 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Es geht doch nicht ums bezahlt, zudem gibt es Tarife, die erstattet werden müssen.

    • Chris S. am 16.01.2020 22:06 Report Diesen Beitrag melden

      "A.W.

      Ruedi hat recht, je nach Tarif kann der volle Betrag rückerstattet werden. Und die noshow Passagiere haben eben meistens Tickets mit diesen Tarifen.

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