Fall Gammy

05. August 2014 07:53; Akt: 05.08.2014 09:14 Print

Auch Schweizer suchen Leihmütter im Ausland

von J. Büchi - In der Schweiz leben Dutzende Kinder, die von einer Leihmutter geboren wurden – obwohl dies eigentlich illegal ist. Fliegen die verantwortlichen Paare auf, werden sie nicht als Eltern anerkannt.

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Ein australisches Ehepaar lässt von einer jungen Frau in Thailand Zwillinge austragen. Da eines der Babys mit Down-Syndrom zur Welt kommt, lassen sie es einfach in Asien zurück: Der Fall Gammy hat eine weltweite Debatte über Leihmutterschaft entfacht.

Obwohl die Praxis hierzulande verboten ist, reisen auch Schweizer Paare ins Ausland, um dort die Dienste einer Leihmutter in Anspruch zu nehmen (siehe Infografik). Anwältin Karin Hochl ist auf das Thema spezialisiert. Sie sagt: «Wir erhalten mehrere Anfragen pro Woche von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, die sich zum Thema Leihmutterschaft rechtlich beraten lassen möchten – Tendenz steigend.» Über ein Dutzend Eltern, die ein Kind von einer Leihmutter austragen liessen, betreut sie derzeit. «Dazu kommen Paare, die ein solches Kind planen und sich im Voraus rechtlich beraten lassen wollen.»

Elternschaft wird nicht anerkannt

Grund für die vielen Anfragen: Stellt sich heraus, dass ein Kind im Ausland von einer Leihmutter geboren wurde, verweigern die Schweizer Behörden den Paaren in der Regel die Einreise in die Schweiz sowie die rechtliche Anerkennung der Elternschaft. Diese haben dann den Status von Pflegeeltern – das Kind bekommt einen Beistand. Karin Hochl unterstützt ihre Klienten in diesen Fällen, damit die Elternschaft dennoch anerkannt wird.

Neben heterosexuellen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch nehmen auch Homosexuelle die Dienste von Leihmüttern in Anspruch. Sie haben bei der Anerkennung der Kinder besonders häufig mit rechtlichen Problemen zu kämpfen: Im Gegensatz zu heterosexuellen Eltern können sie ihr Baby – naturgemäss – schlecht als ihr leibliches ausgeben, wenn sie mit ihm aus dem Ausland zurückkehren.

«Oft der letzte Ausweg»

Dass immer wieder Schweizer Paare im Ausland Leihmütter suchen, ist auch dem Bundesrat bekannt. In einem Bericht vom letzten November stellt er fest, die Situation sei «unbefriedigend»: Der grösste Teil der Leihmutterschaften werde von den Behörden nicht entdeckt – in der Schweiz seien offiziell nur rund zehn Fälle aktenkundig. «Die Dunkelziffer dürfte allerdings hoch sein.»

Christian De Geyter, Chefarzt der Reproduktionsmedizin am Universitätsspital Basel, schätzt, dass sich in der Schweiz jährlich bis zu 20 Paare ihren Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutter erfüllen. Im Vergleich zur Zahl der Paare, die mittels einer Eizellspende Kinder bekommen, seien das wenige. «Denn eine Leihmutterschaft ist oft der allerletzte Ausweg.»

Nur, wenn eine Frau keine Gebärmutter habe, sei eine Leihmutterschaft eine Option: Eine ihrer Eizellen wird dann im Labor mit dem Sperma des Partners befruchtet, die Leihmutter trägt das Kind aus. «Das ist sehr teuer», so De Geyter. Im Schnitt koste eine Leihmutterschaft zwischen 50'000 und 100'000 Franken – allfällige Anwaltskosten für die Anerkennung des Kindes noch nicht eingerechnet.

Haben Sie die Dienste einer Leihmutter in Anspruch genommen und würden uns von Ihren Erfahrungen berichten? Melden Sie sich unter feedback@20minuten.ch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • liatia am 05.08.2014 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Vereinfacht Adoption

    das überrascht doch nicht, wenn man sieht, wie unglaublich hoch die Hürden für eine Adoption in der Schweiz sind. Dabei gibt es so viele Kinder, die keiner will und die sich freuen würden, Eltern zu haben, die sie lieben.

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  • Seraina Gubler am 05.08.2014 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nennt mich altmodisch...

    ...aber ich finde diese Entwicklung krank! Das ist doch echt der Beweis, dass es uns einfach zuuuuu gut geht.

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  • Pia G. am 05.08.2014 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Ist der Mensch so egoistisch? Das Leihmutterschaft ein Geschäft ist, finde ich sehr schlimm! Denkt niemand an die Leihmutter? Oftmals sind es Frauen in Geldnot! Ich kann mir nicht vorstellen, dass in den neun Monaten keine Bindung zum Kind wachsen. Aber leider ist der Egoismus zu gross, um an diese zu denken. Es gibt auch ein Leben ohne Kinder!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Motozer am 05.08.2014 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Aller Anfang...

    Das alles ist erst der Anfang, abwarten....es kommt noch viel besser.

  • Hai max am 05.08.2014 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstandsverwarlosung !!

    Man meint mit Geld alles machen zu können ! Ich bin wahrscheinlich noch einer der wenigen, die es auf altmodischer Art machen und habe so 2 tolle Söhne produziert. Probierts aus, es macht Freude !!

  • F. Mondo am 05.08.2014 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sepermarkt

    Geht doch in die Supermärkte, da gibt es evtl. ein Regal mit Wunschkinder aus aller Welt.

  • liatia am 05.08.2014 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Vereinfacht Adoption

    das überrascht doch nicht, wenn man sieht, wie unglaublich hoch die Hürden für eine Adoption in der Schweiz sind. Dabei gibt es so viele Kinder, die keiner will und die sich freuen würden, Eltern zu haben, die sie lieben.

    • Milena am 05.08.2014 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      Da stimme ich zu.

    • manuela am 05.08.2014 10:08 Report Diesen Beitrag melden

      eigenes Kind

      Diese Leute wollen nicht ein Kind mit unbekanntem Charakter adoptieren, diese Leute wollen ein EIGENES Kind

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  • Klaus F. am 05.08.2014 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wünsche?

    Wunschkinder für die einen, andere möchten nichts lieber als weniger Menschen auf diesem Planeten sehen. Auch die ethische Ausbeutung scheint vor dem unersättlichen Egoismus zur Selbstverwirklichung keinen Halt zu machen. Menschen müssen endlich lernen wunschlos glücklich mit sich selbst zu sein/werden, alles andere ist pure Illusion und lediglich eine Verschiebung der eigenen Unzufriedenheit auf andere(s), dies gilt eben nicht nur für materielles.