Tag der Arbeit

02. Mai 2017 15:43; Akt: 02.05.2017 20:49 Print

Auch Stalin und Mao an der Demo dabei

An der 1.-Mai-Demonstration in Zürich hat ein Banner mit den Bildern Maos und Stalins Aufsehen erregt. Die Diktatoren sind verantwortlich für den Tod von Millionen.

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An der 1.-Mai-Demonstration in Zürich trug eine Gruppe ein Plakat mit Bildern von Lenin, Stalin und Mao vor sich her. Alle drei Diktatoren versuchten, den Kommunismus durchzusetzen. Stalin und Mao sind für Millionen verlorene Menschenleben verantwortlich.

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Millionen von Toten

Die genaue Zahl der Toten unter den verschiedenen Diktatoren sind schwer zu schätzen. Die Zahl der Opfer der stalinistischen Säuberungen liegt zwischen 3 Millionen und 22 Millionen. Ein grosser Teil davon starb im «Gulag», in Arbeitslagern in der Sowjetunion.

Unter Mao Zedong, dem langjährige Führer Chinas, starben je nach Schätzungen 40 Millionen bis 76 Millionen Menschen. Allein wegen Maos «grossem Sprung vorwärts», dem verheerenden Versuch, das Land in wenigen Jahren zu industrialisieren, starben bis zu 45 Millionen Menschen. Der grösste Teil verhungerte wegen Misswirtschaft.

Unter Lenin starben während des «Roten Terrors» bis zu 1,5 Millionen Menschen. Der rote Terror war gegen die politischen Gegner und das Bürgertum gerichtet.

Im Vergleich: Durch den Holocaust starben während des Zweiten Weltkriegs zwischen 6 Millionen und 11 Millionen Menschen.

«Es ist erbärmlich, wenn man sich nicht von Stalinisten und Maoisten distanziert»

«Es ist erbärmlich, wenn man sich nicht von Stalinisten und Maoisten distanziert, wenn man die Massenmörder-Groupies an einem Anlass mitmarschieren lässt, der für eine menschlichere, solidarischere Welt steht», schrieb nach der Plakataktion der Zürcher Journalist Reda El Arbi. Er zieht dabei auch den Vergleich zur SVP. Wenn bei Anlässen der Partei Rassisten und Neonazis auftauchten, werde von linken Politiker stets gefordert, sich klar zu distanzieren. Das 1.-Mai-Komitee mache genau das nicht. Tatsächlich wollte der Sprecher des Komitees auf Anfrage von 20 Minuten zur Plakataktion nicht Stellung nehmen.

Welche Gruppe hinter dem Transparent mit den Bildern Maos, Stalins und Lenins steckt, ist zurzeit nicht bekannt. Unter den Bildern steht «Partizan». Partisanen sind bewaffnete Gruppen, die gegen eine besetzende Macht im eigenen Land kämpfen. Laut «Tages-Anzeiger» ist das Banner schon seit mehreren Jahren an der 1.-Mai-Demonstration in Zürich zu sehen.

Luca Dahinden, Co-Präsident der Juso des Kanton Zürichs, hält die Transparente für verwerflich. Die Juso halte nichts von der Glorifizierung von Mao und Stalin. Er finde es allerdings schade, wenn man wegen eines Plakats all die wichtigen Botschaften der Demo vergesse, wie etwa der Protest gegen die Privatisierung des Gesundheitssystems.

(asc)

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