Kamera in Untersuchungszimmer

10. Mai 2016 20:21; Akt: 10.05.2016 20:21 Print

Auch andere Spitäler filmen ihre Patienten

Eine Patientin des Kantonsspitals St. Gallen wurde gefilmt, als sie sich in einem Behandlungszimmer auszog. Auch andere Schweizer Spitäler lassen in solchen Räumen Kameras laufen.

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Die Betroffene war empört: Als eine Patientin in einem Behandlungsraum in der Notaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen für eine Untersuchung ihre Kleider ablegen musste, bemerkte sie plötzlich, dass sie von einer Überwachungskamera gefilmt wurde. Der Patientenschutz kritisiert diese Überwachungspraxis, doch um einen Einzelfall handelt es sich nicht: Auch andere Schweizer Spitäler lassen in Räumen, in denen Patienten behandelt werden, Kameras laufen – oder haben entsprechende Pläne.

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Auch am Departement Kinder- und Jugendmedizin des Kantonsspitals Winterthur sind Kameras in den Behandlungsräumen der Notaufnahme installiert. Sprecher André Haas bestätigt eine entsprechende Beobachtung eines Leser-Reporters. «Die Kameras wurden beim Umbau der Notaufnahme vor zwei Jahren vorsorglich angebracht.» Sie seien jedoch noch nicht in Betrieb. «Derzeit wird ein Konzept erarbeitet, wie und wofür die Kameras genutzt werden sollen», so Haas. «Angedacht ist, dass die Aufnahmen beispielsweise Schulungszwecken dienen könnten.»

Aufnahmen sollen Abläufe rekonstruieren helfen

Natürlich werde man vor der Inbetriebnahme der Kameras abklären, welche Nutzung der Datenschutz überhaupt zulasse. «Zudem werden wir die Patienten über die Videoüberwachung informieren», so Haas.

Keinerlei Videoüberwachung in Behandlungsräumen hat das Kinderspital Basel. Anders das Kinderspital Zürich: Dort gibt es schon seit Jahren Videokameras in einzelnen Untersuchungszimmern wie dem Schockraum auf der Notfallstation oder in einzelnen Isolierungszimmern der Intensivstation, wie die Medienverantwortliche Manuela Frey auf Anfrage sagt. Die Aufnahmen würden gespeichert, aber nach 48 Stunden automatisch gelöscht.

Ansehen könnten sie nur die Ärzte auf Anfrage beim Zuständigen für die Sicherheit: «Etwa dann, wenn sie den Ablauf einer Behandlung rekonstruieren wollen.» Konkrete Fälle, in denen solche Aufnahmen tatsächlich konsultiert wurden, kenne sie jedoch nicht. Die Videoüberwachung werde gegenüber den Patienten transparent gemacht und sei auch mit dem Datenschützer abgesprochen worden.

Patientenschutz: Eltern müssen Nein sagen können

Patientenschützerin Margrit Kessler steht Videoüberwachung generell sehr kritisch gegenüber. Sie sagt aber, sie habe ein gewisses Verständnis dafür, wenn im Bereich der Kindermedizin Kameras eingesetzt würden: «Hier ist das Sicherheitsbedürfnis natürlich besonders gross.» Doch eine Bedingung müsse unbedingt erfüllt sein: «Die Eltern müssen um ihr Einverständnis gebeten werden, bevor ihr Kind gefilmt wird. Sie müssen die Möglichkeit haben, dies zu verweigern.»

Das Argument, Patienten würden durch die Kameras sicherer, ziehe zudem nicht, findet Kessler: «Das ist Pseudosicherheit. Wenn man auf Videoaufnahmen sieht, wie ein unruhiger Patient im Gipszimmer von der Liege fällt, ist es schon passiert.» Helfen könne hier nicht eine Person, die dies auf dem Bildschirm beobachte, sondern nur jemand, der neben dem Bett stehe.

Nicht förderlich für Vertrauensverhältnis

Im Übrigen tangiere die zunehmende Videoüberwachung auch das Spitalpersonal: «Ich kenne Ärzte, denen es sehr unangenehm ist, sozusagen auf Schritt und Tritt kontrolliert zu werden. Das ist auch kaum förderlich, um eine Vertrauensbasis zwischen Patient und Arzt aufzubauen.»

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ich am 10.05.2016 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    denkt nochmals nach bitte

    Ich kenne Leute die am Wochenende nachts im Sicherheitsdienst in der Notaufnahme arbeiten. Ich würde mich da nicht trauen zu Arbeiten gäbe es keine Kamera. Leute rasten aus, Besoffene werfen alles über den Haufen, und am Ende gibts keine Beweise gegen die Unruhestifter? Ausserdem sind auch sexuelle Übergriffe viel unwahrscheinlicher, und wenn nichts aussergewöhnliches vorfällt sieht sich die Aufnahmen sowieso niemand an. Lasst doch die Panikmache.

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  • Rony Maywater am 10.05.2016 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halb so schlimm

    Ist ja nichts dabei macht doch nicht immer eine solche geschichte daraus. Echt jetzt sollte die betroffene frau plötzlich bewusstlos werden und keiner bekommts mit wäre es auch nicht recht. Denkt die Dame das Pflegepersonal hat noch nie eine munu gesehen

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  • louis am 10.05.2016 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    gibt schlimmeres

    oh nein, ein arzt sieht mein schnäbi. ich habe wahrlich andere probleme im leben als mir darüber gedanken zu machen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger B. am 11.05.2016 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umdenken nötig!

    Als Pilot kenne ich das schon lange. Jede Sekunde wird überwacht. Wieso in Spitälern nicht? Wenn ich wählen könnte, ich würde mich nur von Ärzten operieren lassen, die sauber arbeiten. Wie will man sich als Patient zur Wehr setzen? sauberer Datenschutz und dann bitte in jedes Spital und jeden OP Kameras und Mikrofone. Dies Zur Sicherheit und Qualitätssicherung.

  • Oberarzt J. H. am 11.05.2016 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Täterschutz

    Besoffene, Drögeler und half-Brains-Menschen im Notfall: bitte nicht filmen. Direkt unter die kalte Dusche für 10 min. Keine Diskussionen - Schutz für Pflegepersonal

  • Eltern am 11.05.2016 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Pro und Contra

    Genau sowas wurde uns zum Missverständnis. Wir (Eltern)wurden im Spital ohne zu informieren gefilmt. Patient (unsere Tochter) war nicht anwesend. Wir waren alleine im Zimmer mussten eine Schocknachricht bewältigen. Meine Frau und Ich waren nicht gleicher Meinung und brauchten ein wenig Zeit. War auch nichts akutes. Da wir nicht gleicher Meinung waren, wurde uns die KESB auf den Hals gehetzt. Hat sich dann aber geklärt (profesinelles Verhalten der KESB). Warum nimmt sich das Spital das Recht andere unwissend zu Filmen und dann über deren Köpfe zu entscheiden. Ist doch wie bei der ehem. DDR

  • Herr Bünzli am 11.05.2016 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    so oder so

    Filmen sie nicht, ist es falsch - Filmen sie, ist es halt auch falsch

  • Krankenschwester am 11.05.2016 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon recht

    Das dient eher zur "Patientenberwachung"im pflegerischen Sinne ,denn nicht jeder Patient kann die Klingel betätigen und auch der Sicherheit des Pflegepersonals. Eine Fachpersonal sieht genug(auch nackte Haut)den lieben langen Tag und muss sich nicht am Bildschirm daran Vergnügen.Ich war selber in dem Bereich tätig und es ist krass was für Gefahren man als Pflegeperson zum Teil ausgesetzt sein kann.Nicht jeder potentiell aggressive (Einfluss von Drogen oder Alkohol) wird von der Polizei auf dem Notfall begleitet. Vor allem in Grossstädten ist das Risiko grösser.