Geldspielgesetz

26. Juli 2018 19:34; Akt: 26.07.2018 19:34 Print

Auch die Jungen stimmten deutlich für Netzsperren

Die Jungparteien konnten bei dem Geldspielgesetz die Jungen nicht von ihren Argumenten überzeugen. Die 18- bis 29-jährigen legten zu 74 Prozent ein Ja in die Urne.

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Bei der Abstimmung über das Geldspielgesetz hat es keinen Generationengraben gegeben: Ältere wie Jüngere stimmten dem Gesetz zu. Das Argument der Zensur vermochte nicht zu überzeugen. Bei der Vollgeld-Initiative erachteten viele einen Systemwechsel als zu riskant.

Der wichtigste Streitpunkt beim Geldspielgesetz waren die Netzsperren für ausländische Anbieter, wie die Voto-Studie zur Abstimmung vom 10. Juni ergab, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Diese waren auch der Grund, warum einzelne Komitees das Referendum ergriffen hatten.

Die meisten Jungparteien hatten das Gesetz bekämpft. Gemäss der Studie ist es deshalb erstaunlich, dass das Alter beim Stimmentscheid kaum eine Rolle spielte: Die 18- bis 29-jährigen legten zu 74 Prozent ein Ja in die Urne, bei den über 60-Jährigen waren es 77 Prozent und auch bei den 30 bis 39-Jährigen stimmten noch 61 Prozent für das neue Gesetz.

Jungparteien fanden kein Gehör

Auch parteipolitische Haltungen beeinflussten das Abstimmungsverhalten anscheinend kaum: So stimmte 72 Prozent der FDP Anhängerschaft für das neue Gesetz, obwohl die Empfehlung sowohl der Mutterpartei als auch der Jungpartei ein Nein gewesen war.

Für die Jungsozialisten fiel das Verdikt noch deutlicher aus: Acht von zehn SP-Sympathisanten stimmten gegen die Juso und folgten stattdessen der Ja-Parole der Mutterpartei. Die Studie kommt zum Schluss, dass es den Jungparteien weder gelang, die Jungen zur Teilnahme zu mobilisieren noch das Votum der älteren Parteisympathisanten entscheidend zu prägen.

Erträge sollen in der Schweiz bleiben

Das wichtigste Argument für das Geldspielgesetz war die Forderung, dass die Erträge aus den Geldspielen in der Schweiz bleiben sollten. Für 30 Prozent der Ja-Stimmenden war dieses Motiv ausschlaggebend.

12 Prozent der Befürworter wollten die Förderung der AHV, der Kultur, des Sport und gemeinnützigen Organisationen beibehalten. 19 Prozent erhofften sich ausserdem eine stärkere Regulierung des Geldspielmarktes und für 11 Prozent stand der Schutz vor Spielsucht im Vordergrund.

Mit dem Argument, dass Geldspiele wegen der Gefahr der Spielsucht stärker reguliert werden müsse, zeigten sich auch 68 Prozent derjenigen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger einverstanden, die ein Nein in die Urne gelegt hatten. 11 Prozent der Nein-Stimmenden lehnten das Gesetz aber gerade deshalb ab, weil sie fanden, dass es nur ungenügend vor Spielsucht schütze.

Präzedenzfall-Argument zog nicht

Bei den Gegnern fand das Argument, dass die im Gesetz vorgesehenen Netzsperren ein erster Schritt in Richtung Internetzensur sein könnten, zwar am meisten Anklang. 29 Prozent legten deswegen ein Nein in die Urne.

Doch gleichzeitig war der insgesamt geringe Anklang dieses Hauptarguments auch für den deutlichen Abstimmungsausgang entscheidend: Denn nur gerade 38 Prozent aller Abstimmenden teilten die Angst eines gefährlichen Präzedenzfalls.

Neun Prozent der Nein-Stimmenden bezeichneten das Gesetz als «protektionistische Massnahme der Kasino-Lobby» und stimmten deshalb dagegen. Gemäss der Studie bemerkenswert ist, dass dieser Lobby-Verdacht auch von 54 Prozent der Befürworter geteilt wurde.

Über die Hälfte verstanden Initiative nicht

Bei der Vollgeldinitiative fiel es 58 Prozent der Befragten schwer, zu verstehen, worum es bei der Vorlage überhaupt ging. Dieser Wert sei in den letzten zwei Jahren nur von der Unternehmenssteuerreform mit 74 Prozent übertroffen worden, schreiben die Autoren.

Ein Indiz, dass die Vorlage die Bevölkerung überforderte, ist gemäss den Autoren auch, dass fast die Hälfte der Ja-Stimmenden ein Motiv angab, das nichts mit dem Inhalt der Initiative zu tun hatte.

17 Prozent der Befürworter stimmten aus Misstrauen gegenüber den Geschäfts- oder Grossbanken für die Initiative. Das wichtigste Motiv für ein Nein war die Ungewissheit vor den Folgen. Für 36 Prozent der Nein-Stimmenden hatte das Begehren einen zu riskanten Experimentcharakter.

Geringes Interesse

Die Vollgeldinitiative war am 10. Juni mit 76,7 Prozent abgelehnt, das Geldspielgesetz mit 72,9 Prozent angenommen worden. Grundsätzlich war das Interesse an den beiden Vorlagen sehr klein. Die Stimmbeteiligung fiel mit 34,5 Prozent so tief aus, wie nie in den vergangenen zwölf Jahren.

Für die Voto-Studie wurden vom 12 bis am 29. Juni 1509 Stimmberechtigte während rund 20 Minuten zu ihrem Abstimmungsverhalten befragt. Finanziert wird sie von der Bundeskanzlei.

(fur/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • smithy am 26.07.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wissen vorhanden

    ja schade ... das mit der Netzsperre..da die Jungen wie die Alte generation keine Ahnung vom Internet haben, habe ich echt bedenken mit unserer Jugend. Macht euch mal schlau das wir unser "freies" Internet schützen müssen! Kein Staat darf darüber verfügen können. Unsere Casinos könnten ja auch Online Casinos eröffenen und im Ausland werben.. nein Stattdesen betreiben wir Protektionismus in einer Branche wo keine Wirtschaftliche Leistung entsteht. Schade

  • skeptiker am 26.07.2018 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts...

    Das ist ja kein Wunder wurde die Zensur angenommen. Die Befürworter dieser Initiative haben mit Plakaten geworben wo sowas zu lesen war wie: Kein Geld für Tiere, Theater und alles mögliche sonst! Es geht hier um die Regelung vom Geldspiel (Casinos, privat)!

  • Melifera am 26.07.2018 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    casinolobby

    hauptsache bei den Schweizer Casinos wird das geld dann verspielt ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 26.07.2018 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So,so

    So,so y wie wurde hier bei den Kommentaren gegen die ältere Bevölkerung gewettert weil Sie von der Sache nichts verstünden,darum ein Ja in die Urne legten.

  • Ruedi am 26.07.2018 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ein Ja für Netzsperren

    Niemand stimmte deutlich für Netz-Sperren. Die Leute stimmten für das Gesetz, TROTZ Netzsperren.

  • Undertaker am 26.07.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich Sage

    Nur das VPN Florieren wird! Denn ein Spielsüchtiger findet immer einen Weg eben diese zu umgehen. Noch dazu werden bald viele Befürworter Merken das sie Erneut angelogen wurden!

  • Bitu am 26.07.2018 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaube wer will

    Ich glaube schon lange nichts mehr von Quoten und Zahlen wer was abgestummen haben soll....nur schön rederei...Zalando Suchtfaktor nummer eins..sperrt doch diese Plattform auch

  • Cilitan am 26.07.2018 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abwarten

    abwarten bis es netzsperren hagelt. alles fängt mal klein an plötzlich. zum glück aber leicht zu umgehen.