Tamedia-Nachbefragung

11. Februar 2019 23:58; Akt: 11.02.2019 23:58 Print

Auch viele SP-Wähler stimmten Nein

Die Zersiedelungsinitiative stürzte am Wochenende ab. Die Tamedia-Nachbefragung zeigt nun, dass die Skepsis gegenüber der Vorlage bis ins linke Lager reichte.

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63,7 Prozent stimmten Nein: Die Jungen Grünen ertränkten nach der Abstimmung vom Sonntag den Frust mit Gin. Wie es zur Klatsche kam, macht nun die Tamedia-Nachbefragung deutlich. Laut dieser gelang es den Befürwortern kaum, bürgerliche Wähler von der Notwendigkeit eines Bauzonenstopps zu überzeugen. So lehnten die Anhänger von FDP (82 Prozent Nein), CVP (74 Prozent Nein) und SVP (71 Prozent Nein) die Zersiedelungsnitiative der Jungen Grünen sehr deutlich ab.

Klar für das Anliegen sprachen sich die Wähler der Grünen aus (74 Prozent Ja). Die Skepsis gegenüber der Vorlage reichte laut der Umfrage aber bis ins linke Lager hinein: Trotz der Ja-Parole der SP schrieben von deren Wählern immerhin 47 Prozent ein Nein auf den Stimmzettel.

Die Umfrage legt nahe, dass beim Stimmentscheid der SP-Wählerschaft das Engagement von Bundesrätin Simonetta Sommaruga gegen die Initiative eine Rolle gespielt hat: Sie wurde bei der eigenen Anhängerschaft als überzeugende Akteurin im Abstimmungskampf wahrgenommen.

Revidiertes Raumplanungsgesetz als wichtiges Argument für das Nein

Die Umfrage zeigt überdies, welche Argumente die Stimmbürger überzeugten. Das wichtigste Argument für ein Nein war demnach, dass die Zersiedelung mit dem revidierten Raumplanungsgesetz bereits wirksam gebremst werde. Ebenfalls wichtig war das Argument, ein starrer Bauzonenstopp lasse die Bedürfnisse der Wirtschaft ausser Acht.

Wer der Vorlage zustimmte, tat dies häufig aus Sorge um das Grünland. So wurde das Argument, dass jede Sekunde fast ein Quadratmeter wertvolle Grünfläche überbaut werde und dass es so nicht weitergehen könne, am häufigsten genannt.

63 Prozent für Offenlegung des Budgets

Zu reden gab im Vorfeld der Abstimmung das Geld. Die Jungen Grünen forderten die Gegner auf, Höhe und Einnahmequellen ihres Budgets offenzulegen. Dieses Ansinnen kommt bei den Stimmberechtigten gut an: Gemäss der Umfrage spricht sich eine deutliche Mehrheit von 63 Prozent dafür aus, dass Abstimmungskomitees ihre Finanzierung künftig offenlegen müssen.

Zur Umfrage

10'162 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 8. und 10. Februar online an der Tamedia-Nachbefragung zur eidgenössischen Abstimmung vom Wochenende teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,2 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen gibts hier.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • logische Konsequenzen am 12.02.2019 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Realitätsverweigerung bitte

    Das starke Argument der ungebremsten Zuwanderung wird wieder konstant ignoriert, nicht einmal erwähnt. Wer A sagt muss auch B Sagen. Gilt auch bei Strassen, ÖV, Energie, Umweltbelastung, usw.

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  • Loco Pinoy am 12.02.2019 00:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    werdet erwachsen

    Offene Grenzen und Bauzonenstopp ist ja schon fast ein wiederspruch in sich selbst. In die Höhe bauen wollen Sie nicht,Windkraftwerke wollen Sie nicht, Stauseen auch nicht. Alles nur Sollar geht sowiso nicht. Aber alles auf Elektisch wollen..ja klar.....

  • Konsequenz am 12.02.2019 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Argument fehlt

    Bei den Argumenten fehlt ein wesentlicher und sehr oft genannter Grund. Wer weiss denn noch, was im Raumplanungsgesetz genau stand? Kaum einer. Wir wissen aber genau, dass wir 1 Mio mehr Einwohner haben, und es pro Jahr leider weiter um eine Kleinstadt zunimmt. Wären wir nicht betrogen worden, sollten es pro Jahr nur etwa 8000 gewesen sein. Nun sehen wir die Konsequenzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SPler am 12.02.2019 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Klartext

    Selbst mir als SPler geht es je länger je mehr immer nur an meine Geldbörse hinten rechts. Das Blatt wendet sich nun. Mehr Gebühren, Steuern und Abgaben werden auch von mir zukünftig abgelehnt. Und mit persönlicher Komfortzone hat das null und nichts zu tun. Es geht langsam aber sicher auch bei uns ans Eingemachte.

  • Fritz am 12.02.2019 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Früher oder später gibts ein Ja

    Dann stimmt halt der Schweizer Bürger erst mit ja, wenn von Genf bis Zürich alles überbaut worden ist.

  • Fönzi am 12.02.2019 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Bravo! bin SP Wähler werde auch gegen eine überrissene C02 Abgabe stimmen wenns denn mal soweit kommt!

    • Samira am 12.02.2019 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fönzi

      Wie kann man SP wählen und dann deren glorreiche Ideen nicht unterstützen? Macht ja null Sinn!

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  • TXXX am 12.02.2019 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Wohnungen stehen leer

    Eine Initiative, die den" Wohnungsleerstand" bekämpfen würde, hätte bessere Chancen beim Stimmvolk!

    • Van am 12.02.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @TXXX

      Ist so ... denn Wohnungen gibt es zu genüge ... aber niemand kann sich das nicht mehr leisten. Mieten runter ... dann kommen auch die Wohnungen weg ... statt noch mehr unbezahlbaren Wohnraum zu bauen.

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  • Peti am 12.02.2019 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sachpolitik

    Bei Abstimmungen handelt es sich um Sach- und nicht um Parteipolitik. Das Letztere ist bei Wahlen von Bedeutung.