Fussverkehr

23. November 2017 22:17; Akt: 24.11.2017 08:34 Print

Auf den Trottoirs wird es eng

von T. Mathis - Das Trottoir ist längst nicht mehr nur den Fussgängern vorbehalten. Immer öfter wird es auch mit rollenden Geräten benutzt. Das sorgt für Konflikte.

Wie gefährlich ist es auf dem Trottoir? Ein Augenschein am Bellevue in Zürich. (Video: Thomas Mathis)
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Fussgänger begegnen Joggern, Hündeler treffen auf Trottinettler, und Velofahrer kommen Müttern mit Kinderwagen in die Quere: Auf den Trottoirs wird es eng. Seit kurzem kommen nun noch elektrifizierte Geräte wie E-Trottinetts und Lieferroboter dazu. Wer nicht aufpasst und frühzeitig ausweicht, dem droht ein Zusammenprall. Das zeigt eine kurze Stippvisite beim Zürcher Bellevue, dem wohl gefährlichsten Trottoir der Stadt.

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Die Regelung auf dem Trottoir ist klar, wie der Verband Fussverkehr Schweiz betont: «Konflikte lassen sich vermeiden, wenn das Trottoir den Fussgängern vorbehalten ist», sagt Dominik Bucheli, Leiter Verkehrssicherheit beim Verband. Erlaubt sind auf dem Trottoir neben Fussgängern auch fahrzeugähnliche Geräte. Das sind Fortbewegungsmittel, die die Fussgänger mit Muskelkraft antreiben, also Rollschuhe oder Trottinette. Nicht dazu gehören elektrische Geräte.

«E-Bikes haben Situation verschärft»

An bestimmten Orten wie etwa beim Bellevue dürfen auch Velofahrer das Trottoir benutzen. «Gemeinsame Flächen sind aber grundsätzlich zu vermeiden, weil die Zahl der Konflikte meist zu gross ist», so Bucheli. Mit der Zulassung der schnellen E-Bikes habe sich die Situation verschärft.

Der Verband Pro Velo Schweiz appelliert an die gegenseitige Rücksichtnahme. Der Verkehrsclub Schweiz (VCS) hebt den Vortritt der Fussgänger hervor und setzt sich für mehr Radwege ein. «Es ist für Sicherheit und Komfort wichtig, dass Fuss- und Velowege getrennt sind», so VCS-Sprecher Matthias Müller.

Blinde haben Schwierigkeiten

Für Blinde wird das Chaos zunehmend zu einer Herausforderung. «Das Trottoir ist in der Regel jene Zone, wo sich Blinde sicher fühlen», sagt Alfred Rikli, Sprecher des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands. Die Schwierigkeit bei den elektrischen Geräten sei etwa, dass sie sich geräuschlos nähern. «Sie künden sich nicht an, sie sind einfach da.»

Eine andere Schwierigkeit betreffe die auf dem Trottoir abgestellten Fahrzeuge. Sie versperren die Leitlinie, der Blinde folgen. «Das kommt täglich vor», so Rikli. Ein Blick in die Zahlen der Kantonspolizei St. Gallen bestätigt diesen Eindruck. In den vergangenen Jahren wurden jährlich mehr als 800 Fahrzeuglenker gebüsst, weil sie auf dem Trottoir parkiert hatten.

Auf Zürcher Trottoirs ist es sicher

Zu schweren Unfällen kommt es auf dem Trottoir aber selten. «Negativ fällt auf, dass doch einige Unfälle verzeichnet sind, bei denen Radfahrende unerlaubterweise und zudem in falscher Richtung auf dem Trottoir unterwegs waren», so Hanspeter Krüsi, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei.

Die Kantonspolizei Zürich verzeichnet jährlich rund 50 Unfälle mit Fussgängern oder Velofahrern auf dem Trottoir. Das sei im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sehr wenig, so Kapo-Sprecher Beat Jost. «Man kann also sagen, dass es auf den Trottoirs im Kanton Zürich extrem sicher ist.» Viele der Unfälle seien Selbstunfälle von Velofahrern.

11-jährige Velofahrer auf dem Trottoir?

Erst kürzlich wurde bekannt, dass das Bundesamt für Strassen vorschlägt, dass Kinder bis 12 Jahre das Trottoir benutzen dürfen, wenn die Strasse nicht über einen Radstreifen verfügt. Beim Verband Pro Velo Schweiz wird diese Änderung begrüsst. Der Verband Fussverkehr Schweiz ist dagegen: «Das ist der falsche Weg», sagt Sprecher Bucheli. Es bestehe die Gefahr, dass der Druck abnimmt, Sicherheitsdefizite auf der Fahrbahn zu beseitigen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Johnny am 23.11.2017 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Standard

    Velofahrer sind sowieso mit Abstand die egoistischsten Verkehrsteilnehmer. Keine Ahnung wieso, aber Velos scheinen solche Leute anzuziehen. Neuerdings scheint es auch trendig zu sein, keine Hand am Lenker zu haben und mit dem Smartphone in beiden Händen Velo zu fahren. Die Klingel scheint auch bei den wenigsten zu funktionieren. Immerhin sind solche Leute nicht mit dem Auto unterwegs.

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  • Alexander Hirzel am 23.11.2017 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blinde Velofahrer

    Velofahrer sind eben vielfach mehr Blind als die wirklichen Blinden. Sie kennen weder eine Farbe sei es Grün oder Rot noch eine Einbahnrichtung. Dafür wechseln sie plötzlich die Fahrtrichtung per Fussgängerstreifen.

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  • Dachverband Poller am 23.11.2017 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Vorweihnächtliches Zürich

    Bagatellunfälle die nicht aktenkundig sind, runden den Dichtestress ab. Von schweren Unfällen, die beinahe passiert wären, sprechen wir bei anderer Gelegenheit;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rollipilot am 24.11.2017 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handy und Fussgänger...

    Liebe Fussgänger, Ich bin im Handrollstuhl das heisst ohne Elektroantrieb. Mir laufen jeden Tag Fussgänger in Rolli da das Handy vor der Nase wichtiger ist als zu schauen wohin man läuft. Auf dem Trottoir ist man ein Verkehrsteilnehmer! Das heisst: Augen auf die Strasse (Trottoirs) und nicht ablenken lassen mit Handy und Kopfhörer. Entweder: Laufen und Augen auf oder Handy und zur Seite stehen. Vielen Dank.

    • Karl Karli am 24.11.2017 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rollipilot

      Leider sind viele einfach nur Egoisten und kümmern sich kaum. Handy am Steuer, kriminelle Velofahrer, Fussgänger die nur aufs Handy schauen. Das alles ist einfach nur noch schlimm und rücksichtslos.. bin kein Freund der Polizei, aber ich wünsche mir, dass die Polizei in dieser Hinsicht mehr Bussen verteilen. Die Polizei sollte sich nicht nur dem Autofahrer widmen, sondern sollten mehr Präsenz markieren, einfach überall verteilt.

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  • Donna M. am 24.11.2017 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine persönliche Meinung

    Sorry, aber wenn Radfahrer sogar die Orientierung, (Leitlinie) für die Blinden versperren, dann frage ich mich, wo sie ihr Hirn gelassen haben. Ich finde das...., nein das sage ich mal besser nicht.

  • mawa am 24.11.2017 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung! Fussgänger!

    Ich als Fussgänger ärgere mich manchmal auch, wenn die Leute auf einem Radweg laufen wie die Kühe auf der Weide. Da wundert es mich nicht das es manchmal zum Zusammenstoss kommt.

  • Rocho am 24.11.2017 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wird bestimmt noch enger als jetzt

    Ich als Skater versuche den Fussgänger platz zu lassen und weiche wenn nötig auf die Strasse aus, sofern es machbar ist. Heute wurde mir aber der Fussgänger streifen zu eng, weil statt ein Fussgänger ein Auto nicht den gerechten Vortritt gewähren wollte und ich touchierte-.- Und das beste, er stieg nicht aus sondern fragte nur aus dem Auto ob alles OK sei... Aber ich verstehe das der Verkehr, egal welcher, immer mehr und mehr beengt wird und alle nacher probleme haben

    • Karl Karli am 24.11.2017 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rocho

      Darum sollte unsere rot/grüne Regierung endlich aufhören die Autofahrer zu schikanieren. Durch Schikanen ist der Verkehr nicht flüssig, verursacht unnötigen Stau. Parkplätze wieder zurückbauen damit kein unnötiger suchverkehr stattfindet. Es verursacht nur noch mehr schlechte Luft. Und dazu soll aufgehört werden die Leute mit horrenden Parkgebühren auszunehmen...!!!

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  • Fredericko der Dickliche am 24.11.2017 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Null Problemo

    Bei mir mit ganz kleinem Übergewicht ist es immer lustig wenn ein Fahrradfahrer zu nahe kommt. Die schauen dann immer so erstaunt vom Boden auf. (Kicher)