Vorbild Holland

14. Februar 2020 04:57; Akt: 14.02.2020 06:39 Print

Auf der Autobahn soll Tempo 100 gelten

In Holland gilt ab Mitte März Tempo 100 auf der Autobahn – wegen des Klimaschutzes. Für den VCS könnte sich die Schweiz ein Beispiel daran nehmen.

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Zwischen 6 und 19 Uhr gehts in den Niederlanden ab dem 12. März gemächlicher voran: Die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen wird von 130 auf 100 Kilometer pro Stunde reduziert. PWs fahren damit wenig schneller als Wohnwagengespanne.

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Soll das Tempo auf den Autobahnen auf 100 km/h reduziert werden?

Das Ziel: bessere Luft. Durch das Tempolimit soll weniger CO2 in die Luft geblasen werden. Die Bewohner in den dicht besiedelten Gebieten rund um die Autobahnen sollen zudem weniger Stickoxide einatmen.

VCS ist Feuer und Flamme

Die Idee wird nun auch in der Schweiz zum Thema. Für den einflussreichen Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) hat das Projekt «Vorbildcharakter»: «Der Verbrauch steigt bei höheren Geschwindigkeiten an, weil sich der Luftwiderstand verstärkt. Tempo 100 ist eine der wenigen Klimamassnahmen, die sofort und direkt wirkt», sagt Martin Winder, Projektleiter Verkehrspolitik beim VCS.

Frühere Schätzungen des Bundes gingen davon aus, dass der CO2-Ausstoss um zwei bis drei Prozent sinken würde. Bei Tempo 80 wären es gar 5 bis 7 Prozent. «Das ist für eine einzelne Massnahme sehr viel», sagt Winder. «Auch die Stickoxid- und Feinstaubbelastung würde durch die tiefere Höchstgeschwindigkeit sinken.»

Eine tiefere Geschwindigkeit führt laut dem VCS-Experten aber auch dazu, dass der Verkehr flüssiger läuft – Staus würden vermieden. Das hätten Untersuchungen des Bundesamtes für Strassen (Astra) gezeigt. «Am Ende kommt man nicht später an, aber erholter und mit mehr Benzin im Tank.» Erkläre man das den Leuten, habe die Massnahme gute Chancen.

Tempo 80 bis 90 wäre ideal

Laut Astra-Sprecher Thomas Rohrbach ist die Festsetzung des Tempolimits Sache der Politik. Die Holländer seien aber schlau: «Wir sagen schon lange, dass auf einer durchschnittlichen vierspurigen Schweizer Autobahn ein Tempo zwischen 80 und 90 optimal ist, da der Verkehr dann am besten läuft.» Darum setze das Astra auf ein Verkehrsmanagement mit dynamischen, temporären Tempolimits.

Man tue dies nicht in erster Linie aus Gründen des Klimaschutzes. Aber: Je gleichmässiger der Verkehr läuft, desto tiefer sei der CO2-Ausstoss der Fahrzeuge. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt liessen sich CO2-Emissionen aus dem Strassenverkehr mit Tempo 100 auf der Autobahn um wenige Prozente vermindern. Man erachte jedoch das Potenzial solcher Temporeduktionen im Vergleich zu in der Schweiz bestehenden Massnahmen, wie der Lenkungsabgabe oder CO2-Vorschriften, als gering.

ACS winkt ab

Keine Option ist eine Senkung des Tempolimits auf allen Autobahnabschnitten für Thomas Hurter, Präsident des Automobil Clubs der Schweiz (ACS): «Die Umweltwirkung ist schwer zu prognostizieren, da es eine statische Rechnung ist.» Der ACS setze auf technologische Fortschritte oder Carpooling statt auf immer neue Vorschriften und Verbote. «Das Hauptproblem ist die Verkehrsüberlastung.» Infrage komme darum höchstens eine vorübergehende Temporeduktion, um Staus zu verhindern oder hinauszuzögern.

Gar für Tempo 130 auf der Autobahn plädiert derweil FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen: «Eigentlich müsste man wie unsere Nachbarländer das Tempolimit auf 130 setzen. Europa ist, was Geschwindigkeitsbegrenzungen angeht, ein riesiger Flickenteppich.» Tempo 100 sei völliger Unsinn. Die Umweltbelastung sei dann nur marginal kleiner. «Wenn es auf der Autobahn staut, setzt man die Geschwindigkeit jetzt schon mittels Wechselsignalisation herunter. Tempo 100 würde zu riesigen Zeitverlusten für Autofahrer führen.»

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jim Panse am 14.02.2020 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lache mich kaputt

    Und die Schweiz retet mit dieser Massnahme die Welt.?!?

  • mädel am 14.02.2020 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super idee

    was für ein schwachsinn...

    einklappen einklappen
  • Pesche am 14.02.2020 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schleicher...

    Der Umwelt zuliebe fände ich auch eine Überlegung wert, für die linke Spur und PKWs ein Mindesttempo zu definieren. Wen nämlich alle links mindestens 115km/h schnell wären, müsste man nicht andauern auf 100 abbremsen und wieder beschleunigen, was viel Treibstoff verbraucht. Also: Schleicher, Sonntags- und Hybridfahrer auf die rechte Spur. So könnte links "richtig" gefahren werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritz am 14.02.2020 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wo wart ihr bei den Wahlen

    Die Grünen konnten die Wahl nur gewinnen, weil viele ZU FAUL ZUM WÄHLEN waren. Jetzt jammert nicht, sondern tragt die Konsequenzen...

  • Normalo am 14.02.2020 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Höööört endlich auf !

    Höööööööööööört endlich endlich endlich auf allen alles vorzuschreiben ! in der CH ist die Durchschnittsgeschwindgkeit wegen allen Baustellen und Stau's sowieso knapp 80. Aber 100 KM/h soll das Welt - Klima retten ? So ein Schwachsinn - aber sicher interessant für alle Radarkassen...... gehen wir doch wieder zurück in die Welt der Maulesel und Pferde..... ah sorry, dies geht natürlich nicht wegen allen Tierschützern... und die Lieferungen in alle Läden kommt natürlich auch nicht mehr an..... denn LKW die fliegen...... ich freue mich auf den Kollaps auf der Strasse mit solchen Ideen.

  • Pesche am 14.02.2020 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schleicher...

    Der Umwelt zuliebe fände ich auch eine Überlegung wert, für die linke Spur und PKWs ein Mindesttempo zu definieren. Wen nämlich alle links mindestens 115km/h schnell wären, müsste man nicht andauern auf 100 abbremsen und wieder beschleunigen, was viel Treibstoff verbraucht. Also: Schleicher, Sonntags- und Hybridfahrer auf die rechte Spur. So könnte links "richtig" gefahren werden.

  • V8er am 14.02.2020 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KI vs KV

    Das Problem ist in meinen Augen nicht welche Höchstgeschwindigkeit signalisiert wird. Das Problem liegt in den Köpfen der Autobesitzer. Kaum hat man so ein Blechkistli bestiegen verändert sich die Wahrnehmung und Denkfähigkeit der Menschen hinter dem Lenkrad. Statt logisch zu überlegen springt das Raubtier aus der Seele. Zwar haben die Autos von Heute das Potential sich schnell von A nach B zu bewegen, nur haben die Strassen nicht die Kapazität die dafür nötig wäre. Auch in CH kann selten das Tempo so gefahren werden wie es theoretisch erlaubt ist. Es braucht im Verkehr keine künstliche Intelligenz, es braucht Autos mit Künstlicher Vernunft, Denn die ist bei vielen Lenkern ausgeschaltet kaum ist der Zündschlüssel gedreht.

  • Alexander65 am 14.02.2020 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Noch einen Schritt weiter als der VCS...

    Noch besser wäre, die Autobahnen ausnahmslos für Fussgänger, Radfahrer, E-Trottinetts, Skateboards und Kinderwagen zu öffnen bzw. nur diesen zur Verfügung zu stellen (teilweise haben diese Verkehrsteilnehmer die Autobahnen eh [auch] schon in Beschlag genommen): die rechte Spur für die Fussgänger und die Kinderwagen, die Überholspur für alle anderen. Die restlichen Strassen wären dann den Autofahrern vorbehalten - und man könnte wieder zum Einkaufen fahren und die hiesige Wirtschaft unterstützen als auch gemütliche Ausfahrten ins Grüne sowie schöne Passfahrten etc. unternehmen...