Secondo-Soldaten

28. August 2013 08:34; Akt: 28.08.2013 11:02 Print

Aufregung um stolze Kosovaren in der Armee

von L. Hanselmann - Neun Schweizer Soldaten posieren für ein Foto als stolze Kosovaren und lösen auf Facebook einen Shitstorm aus. Die Armee sieht in der Adler-Geste kein Problem.

storybild

Respektlos oder ein Ausdruck von doppeltem Stolz? Mit diesem Bild sorgten die Soldaten für hitzige Diskussionen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Brust rausgestreckt, das Béret wie ein Instruktor auf dem Kopf, den Reissverschluss korrekt bis oben zugezogen: So haben acht Schweizer Soldaten und eine Soldatin für ein Bild posiert. Es sorgte in den letzten Tagen für einen regelrechten Shitstorm auf Facebook. Grund: Ihre Hände halten die Soldaten nicht etwa zum Gruss an die Schläfe, sondern formen damit auf der Brust einen Adler, das Wappentier Albaniens – eine Geste, die die Schweizer Fussballer Pajtim Kasami und Adrian Nikci beim Jubeln auch schon benutzt haben.

Zu dem Bild wurden hunderte Kommentare gepostet. Nur wenige davon sind zitierfähig. So schreibt ein User: «Einfach respektlos gegenüber unserer Schweizer Heimat.» Die Soldaten gehörten sofort ausgemustert. Eine andere Userin meint: «Wenn du en Uniform ahesch wo zeigt, dass du für das Land Ehre und Stolz söttisch zeige, machsch doch ken Adler.»

Bashkim Iseni, Politologe und Direktor von «albinfo.ch», sieht hingegen kein Problem: «Die Kosovaren der zweiten Generation sind sehr stolz, Schweizer zu sein, aber auch sehr stolz auf ihre Wurzeln. Das drücken sie mit dem Adler aus.» Im Kosovo zeigten sie gerne ihren Schweizer Pass. Er kenne albanischstämmige Schweizer, die die Schweizer Uniform mit grosser Ehrfurcht tragen. «Sie ist quasi der Beweis, dass sie in der Schweiz akzeptiert sind.»

Jeder vierte Soldat hat ausländische Wurzeln

Die Armee will zu dem Bild keine Stellung nehmen. Armee-Sprecher Christoph Brunner teilt kurz angebunden mit: «In der Schweizer Armee gibt es nur Schweizer.» Das sehen auch die Offiziersgesellschaft und der Bundesrat so: Am 17. Juni 2013 lehnte er es ab, die Zahl der Soldaten mit Migrationshintergrund zu erheben. Fakt ist aber, dass deren Anteil steigt, wie die Studie Sicherheit 2013 der ETH Zürich festhält.

Ältere Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 25 Prozent der Rekruten ausländische Eltern haben. Nicht alle finden das gut: «Bei mir in der RS hatten alle 5 Wachtmeister Balkan-Wurzeln», erzählt ein Ostschweizer Soldat anonym. Im WK hätten die vielen Soldaten mit kosovarischer Herkunft im Zimmer eine albanische Flagge aufgehängt. «Wir mussten alle ruhig sein, während sie auf ihren Gebetsteppichen sassen und beteten. Ich hatte das Gefühl, ich sei in der albanischen und nicht in der Schweizer Armee.»

Traditionalisten in der Armee

Er ist nicht der Einzige, den die Veränderungen in der Armee befremden: Die Zahl der Muslime und Secondos in der Armee hat in den letzten Jahren viele Schlagzeilen gemacht. Der grüne Ex-Nationalrat Jo Lang provozierte 2010 mit der Aussage, in der Armee leisteten nur noch «Unterprivilegierte und Secondos» Dienst. Er bezog sich darauf, dass Kinder bessergestellter Eltern statistisch deutlich öfter untauglich sind. «Secondos sind in der Unterschicht übervertreten», sagte der prominente Militärkritiker von der Gsoa.

Er habe persönlich beobachtet, dass gerade bei den Durchdienern viele Soldaten einen Migrationshintergrund haben. «Und mir fällt auf, dass Secondos weniger armeekritisch sind als Kinder von Schweizer Eltern.» Heute rückten vor allem noch traditionell eingestellte Junge ein – «das gilt aber auch für die gebürtigen Schweizer», so Lang.

Integration statt Risiko

Genau hier kommt es allerdings zu Konflikten: Es sind die schlechtergestellten Schweizer, die laut ETH-Sicherheitsstudie am wenigsten dafür sind, dass Eingebürgerte Militärdienst leisten sollen. Der Grossteil der Schweizer hat damit keine Probleme: 85 Prozent sind dafür. 71 Prozent glauben zudem, dass Schweizer mit ausländischen Wurzeln im Militär integriert werden. Nur 13 Prozent glauben, die eingebürgten Soldaten seien ein Sicherheitsrisiko.

Für die Soldaten auf dem Bild wird das Foto kein Nachspiel haben. Sie sind laut unbestätigten Quellen ohnehin Durchdiener, die ihren Dienst inzwischen beendet haben.