Einbürgerung

27. Juni 2013 10:18; Akt: 27.06.2013 12:06 Print

Ausländer haben keinen Bock auf Schweizer Pass

von D. Pomper - Nur 2 Prozent der Ausländer, die Anrecht auf den Schweizer Pass hätten, werden eingebürgert. Viel zu wenig, findet der grüne Nationalrat Antonio Hodgers. Er sieht die Demokratie in Gefahr.

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Zu aufwendig, zu teuer: Viele Ausländer haben gar keine Lust auf den Schweizer Pass.

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Der Bundesrat soll untersuchen, warum «eine überwältigende Mehrheit der Ausländer, die seit über 12 Jahren legal in der Schweiz leben, keine Lust hat, die Schweizer Nationalität zu erwerben». Das fordert der Präsident der Grünen-Fraktion, Antonio Hodgers, in einem Postulat.

Umfrage
Sollte die Einbürgerung für Ausländer, die in der Schweiz geboren wurden, erleichtert werden?
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46 %
4 %
Insgesamt 10809 Teilnehmer

Die jüngst publizierte Studie Einbürgerungslandschaft Schweiz zeigt, dass 2010 rund 900'000 Personen in der Schweiz ihre Einbürgerung hätten beantragen können. Pro Jahr erhalten aber nur 36'000 die Staatsbürgerschaft. Das entspricht 2 Prozent der in der Schweiz lebenden Ausländer. «Dauernd ist von massiven Einbürgerungen die Rede. Dabei ist genau das Gegenteil das Problem: Es wollen sich viel zu wenig Ausländer einbürgern lassen», sagt Hodgers.

Langwierige Einbürgerungsprozesse

Das führt laut Hodgers dazu, dass viele Leute die Schweiz zwar wirtschaftlich beeinflussen, sie aber politisch nicht prägen: Ausländer stellten 22 Prozent der Bevölkerung, sie trügen aber 27 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei: «Die Leute, die Politik machen, sind nicht die gleichen, die in der Wirtschaft mitmischen. Diese Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen und politischen Schweiz ist gefährlich für unsere Demokratie», so Hodgers. Denn «die Demokratie funktioniert nur dann gut, wenn der politische Entscheid auch von denjenigen getragen wird, die hier das Business machen.» Sonst sei die Politik nicht repräsentativ.

Doch warum haben so viele Ausländer keine Lust auf den Schweizer Pass? Vor allem viele Junge der zweiten oder dritten Generation schrecke der langwierige Einbürgerungsprozess ab, ist Hodgers überzeugt. Nur wer seit mindestens 12 Jahren in der Schweiz lebt, kann ein Einbürgerungsgesuch beantragen. Bei jungen Ausländern, die in der Schweiz geboren wurden, werden die Aufenthaltsjahre zwischen dem Alter von 10-20 zurzeit doppelt gezählt.

Nationalrat will noch höhere Hürden

Ekin Yilmaz, Co-Präsidentin von Secondos Plus Schweiz, fügt hinzu: «Für viele, die hier geboren wurden und integriert sind, ist es eine Erniedrigung, ihre sprachlichen Fähigkeiten und Kenntnisse unter Beweis stellen zu müssen – obwohl sie ja jeden Tag zeigen, dass sie Schweizer sind.» Andere würden sich auch vom finanziellen Aufwand, der mehrere tausend Franken betragen kann, abschrecken lassen. Wieder andere erhofften sich vom Schweizer Pass einfach keine Vorteile oder hätten schlicht keine Lust auf den Militärdienst. Sie kennt viele Italiener und Türken, die «gut ohne den roten Pass leben können».

Nationalrat Hodgers plädiert für eine erleichterte Einbürgerungen für Ausländer der zweiten oder dritten Generation: «Diese Menschen leben in unserer Gesellschaft. Die Einbürgerung sollte neu im Rahmen eines unkomplizierten administrativen Prozesses stattfinden.»

Die Zeichen der Zeit stehen aber anders. Erst im März hat der Nationalrat beschlossen, die Hürden für die Einbürgerung anzuheben. Unter anderem sollen auch die Erleichterungen für Jugendliche wegfallen. Die Änderungen müssen noch vom Ständerat bestätigt werden.

«Schweizer Bürgerrecht ist einzigartig»

SVP-Nationalrat Hans Fehr ist gegen erleichterte Einbürgerungen – schliesslich habe sich die Anzahl Einbürgerungen in den letzten 20 Jahren versechsfacht. «Das Schweizer Bürgerrecht ist mit seinen Volks- und Freiheitsrechten weltweit etwas Einzigartiges. Ein Schweizer kann innert einem Jahr öfter abstimmen als andere während ihres ganzen Lebens», so Fehr. Deshalb sollten nur diejenigen Schweizer werden, die «100 Prozent davon überzeugt sind und die Pflichten dieses Landes auf sich nehmen».

Ekin Yilmaz spricht vom «Paradox der bürgerlichen Politik»: «Bürgerliche verlangen von Ausländern stets, sich zu integrieren. Doch selbst wenn sie das machen, werden ihnen Steine in den Weg gelegt. Ausser man hat fussballerisches Talent.»

Sind Sie Ausländer und haben Sie keine Lust auf den Schweizer Pass? Dann schreiben Sie uns. feedback@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • cadre am 28.06.2013 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    4Tage zu lange im Kt.AG? trotz 24jahreCH!

    Vereinfachte Einbürgerung? da habe ich ganz Was anderes erlebt.Ich bin in IT geboren und lebe seit 25 Jahren in der CH. 24Jahren davon in der selben Gemeinde. Ich habe alle Schulen, Aus- und Weiterbildungen gemacht. Da ich die Gebühren nicht tragen konnte, musste ich für die Anmeldung einige Jahren abwarten.im 2012 schlug es mich in den Kt. AG. 1Jahr später kam ich zurück. Genau gesagt, war ich369Tage weg, für das Schweizer Recht genau 4 Tage zuviel um den CH Pass beantragen zu dürfen. Der Antrag wurde abgelehnt und ich die Gebühren von CHF1'500.- wurden behalten. Werden die24J nicht beachtet?

  • Giovanni Pesce am 27.06.2013 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Das sollte mein Recht sein.........

    Ich bin hier geboren,habe hier die Schule besucht,habe hier meine Lehre gemacht,habe hier mein Leben aufgebaut.Und was ist jetzt der unterschied zu einem Bürger der den Roten Pass hat?(Kultur?Sprache,?Kann ich alles)Ich habe alles wie ein Schweizer gemacht meine Freunde sind Schweizer meine Freundin auch ich lebe ein Schweizer leben da ich in meinem Herkunftsland als Ausländer betitelt werde.Also,Steuern zahlen muss ich auch!Aber wählen darf ich nicht!Ist es in anderen ländern anders?Zum teil ja,zB.wer in Amerika geboren wird bekommt automatisch einen Ami Pass.Ita.war es auch so.

  • Beat am 27.06.2013 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    @Papa Moll am 27.06.2013 10:22

    ähm bitte entschuldigen sie, die allermeisten schweizer haben ihren pass mit der geburt "geschenkt" bekommen. ohne irgendwelche kriterien zu erfüllen oder lobreiche taten zu vollbringen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • cadre am 28.06.2013 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    4Tage zu lange im Kt.AG? trotz 24jahreCH!

    Vereinfachte Einbürgerung? da habe ich ganz Was anderes erlebt.Ich bin in IT geboren und lebe seit 25 Jahren in der CH. 24Jahren davon in der selben Gemeinde. Ich habe alle Schulen, Aus- und Weiterbildungen gemacht. Da ich die Gebühren nicht tragen konnte, musste ich für die Anmeldung einige Jahren abwarten.im 2012 schlug es mich in den Kt. AG. 1Jahr später kam ich zurück. Genau gesagt, war ich369Tage weg, für das Schweizer Recht genau 4 Tage zuviel um den CH Pass beantragen zu dürfen. Der Antrag wurde abgelehnt und ich die Gebühren von CHF1'500.- wurden behalten. Werden die24J nicht beachtet?

  • peter widmer am 28.06.2013 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Reale Zahlen

    migration 1954 -2008: 2 millionen eingebürgerte, 1.5 millionen mit aufenthaltsrecht, ca 250000 sanspapiers = ca. 3.75 millionen migranten in 60 Jahren.(Ohne Asylsuchende). Dazu kommt das Migranten durchschnittlich mehr Kinder als alteingesessenen Familien haben.

  • Berner Bär am 28.06.2013 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Schon mehrmals bachab geschickt!

    Herr Hodgers hat wohl noch nicht bemerkt, dass sich der Souverän mehrmals in den letzten Jahren gegen eine erleichterte Einbürgerung ausgesprochen hat. Aber von einem Grünen kann man ja auch nicht mehr demokratisches Verständnis erwarten: Wenn der Entscheid zu seinen Gunsten ausfällt, ist er demokratisch gefällt und sakrosankt, ist der Entscheid zu seinen Ungunsten, "muss die unterlegene Minderheit berücksichtigt werden" und ein Anliegen wird so lange vorgebracht, bis der Entscheid im eigenen Willen ist. Herr Hodgers erhofft sich wohl viele neue links-grüne Wähler...

  • walter am 28.06.2013 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    dankbarkeit?respekt?

    tja statt dankbar zu sein dass wir hier 3.5 millionen menschen in 50 jahren aufnehmen(bundesamt für statistik) wird weiter gefordert und gedisst was das zeug hält.krass und eine bestätigung meiner ansichten dass überall auf der welt die indigenen(ja die gibt es hier, über die definition können wir gerne reden) skrupelos verdrängt werden.zwischen meinem bewusstsein, meiner bildung und vieler der hier schreibenden und immigrierten liegen spirituelle, intelektuelle welten.

  • Clemens Eigenmann am 28.06.2013 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelbürger

    Das ist richtig so, der Status mit dem Doppelpass gehört ohne wenn und aber abgeschafft. Er erachte es sehr wichtig das man sich entscheiden muss für die einte oder andere Staatsbürgerschaft. Ich als Schweizer fühle mich verarscht, je nach Situation holen Doppelbürger ihren jeweiligen Pass aus der Tasche der gerade Vorteile bringt!