Nach Fahrverbot in Deutschland

25. Januar 2020 13:15; Akt: 25.01.2020 13:15 Print

Autofahrer müssen Billett auch in Schweiz abgeben

von N. Knüsel - Zusätzlich zu einem Fahrverbot in Deutschland mussten 20-Minuten-Leser auch in der Schweiz den Führerausweis abgeben. Sie fühlen sich nun doppelt bestraft.

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Schweizer bekamen 2019 allein im deutschen Bundesland Baden-Württemberg 974 Fahrverbote, etwa wegen zu schnellen Fahrens. In diesem Fall müssen sie ihren Führerausweis der zuständigen deutschen Behörde schicken. Denn das Fahrverbot beginnt erst zu laufen, wenn es mit einem Kleber auf dem Schweizer Ausweis dokumentiert ist. Dass er seinen Ausweis einschicken musste, ärgert Leser Steve S. (Name bekannt): «Das ist eine Frechheit.» Mehrere Leser haben Ähnliches erlebt: Einige, wie S. P., haben Verständnis: «Strafe muss sein», sagt er. Er war auf der Autobahn 45 Stundenkilometer zu schnell unterwegs und bekam 4 Wochen Fahrverbot und 180 Euro Busse. Andere nahmen es weniger locker. Denn bei ihnen ging die Strafe noch weiter: Sie mussten neben dem Fahrverbot in Deutschland auch noch in der Schweiz das Billett abgeben. B. B. (Name bekannt) bekam einige Monate nach seinem Fahrverbot in Deutschland Post von einem Schweizer Strassenverkehrsamt: Sie hätten ihm den Führerausweis für weitere drei Monate entziehen wollen. «Das ging für mich gar nicht», sagt er. Mithilfe seiner Rechtsschutzversicherung habe er den Entzug auf einen Monat reduzieren können. B. fühlt sich doppelt bestraft: «Ich finde das absolut frech. Die Deutschen melden den Vorfall den Schweizern und dann gibt es auch hier einen Entzug.» Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra), versteht den Ärger nicht: «Die Verkehrsregeln gelten auch in Deutschland.» Wenn man im Ausland ein Verkehrsdelikt begehe, das dort ein Fahrverbot zur Folge habe, könne das laut dem Strassenverkehrsgesetz auch in der Schweiz zum Entzug des Führerausweises führen. Voraussetzung sei, dass die Schweizer Behörden davon Kenntnis hätten und das Vergehen auch in der Schweiz mit Führerausweisentzug bestraft werde, sagt er weiter. Doch warum erhielt Steve S. mit massiv übersetzter Geschwindigkeit nur ein Fahrverbot in Deutschland, andere Lenker aber für ein ähnliches Vergehen im Nachbarland auch ein Verbot in der Schweiz? Es ist eine Lotterie. Laut Rohrbach sind die deutschen Behörden nicht verpflichtet, Fahrverbote an die Schweiz zu melden. Es gebe dazu keine Verträge oder Abkommen, so der Sprecher. Doch: «Ich gehe davon aus, dass die meisten Fälle gemeldet werden.»

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Erhalten Schweizer in Deutschland ein Fahrverbot – etwa wegen zu schnellen Fahrens – müssen sie ihren Führerausweis der zuständigen deutschen Behörde schicken. Denn: Das Fahrverbot beginnt erst zu laufen, wenn es mit einem Kleber auf dem Schweizer Ausweis dokumentiert ist. Dass er seinen Ausweis einschicken musste, ärgert Leser Steve S.*: «Das ist eine Frechheit.»

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Darauf meldeten sich mehrere Leser, die Ähnliches erlebt haben. Einige, wie S. P., haben Verständnis: «Strafe muss sein», sagt er. Er war auf der Autobahn 45 Stundenkilometer zu schnell unterwegs und bekam 4 Wochen Fahrverbot und 180 Euro Busse. Es habe gewirkt. Seither versuche er, sich an die Regeln zu halten.

Andere nahmen es weniger locker. Denn bei ihnen ging die Strafe noch weiter: Sie mussten neben dem Fahrverbot in Deutschland auch noch in der Schweiz das Billett abgeben.

«Absolut unnötig»

B. B.* erhielt einige Monate nach seinem Fahrverbot in Deutschland Post von einem Schweizer Strassenverkehrsamt: Sie hätten ihm den Führerausweis für weitere drei Monate entziehen wollen. «Das ging für mich gar nicht», sagt er. Mithilfe seiner Rechtsschutzversicherung habe er den Entzug auf einen Monat reduzieren können.

Auch einem anderen Leser wurde erst nach Ablauf des Fahrverbots in Deutschland in der Schweiz der Führerausweis entzogen: «Ich konnte dann noch zusätzlich einen Monat lang überhaupt nicht Auto fahren.» Er sei beruflich oft in Deutschland unterwegs und habe so insgesamt zwei Monate dort nicht fahren können. Wenn die Behörden schon zusammenarbeiteten, sollten sie zumindest miteinander kommunizieren, findet er: «So kann man seinen Ausweis einmal komplett abgeben statt zweimal.»

Auch B. fühlt sich doppelt bestraft: «Ich finde das absolut frech. Die Deutschen melden den Vorfall dem Schweizer Strassenverkehrsamt und dann gibt es auch hier einen Entzug.» Das habe ihn viel Zeit und Geld gekostet. Er findet das «absolut unnötig».

Entzug soll präventiv wirken

Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra), versteht den Ärger nicht: «Die Verkehrsregeln gelten auch in Deutschland.» Wenn man im Ausland ein Verkehrsdelikt begehe, das dort ein Fahrverbot zur Folge habe, könne das laut dem Strassenverkehrsgesetz auch in der Schweiz zum Entzug des Führerausweises führen. Voraussetzung sei, dass die Schweizer Behörden davon Kenntnis hätten und das Vergehen auch in der Schweiz mit Führerausweisentzug bestraft werde, sagt er weiter.

Dieser solle auch eine präventive Wirkung haben, so Rohrbach: «Es geht darum, zu sagen: ‹Wir akzeptieren dein Verhalten nicht – egal wo auf der Welt.›» Zudem brauche es relativ viel, bis man ein Fahrverbot bekomme. Und: «Die Wahrscheinlichkeit, dass man nur einmal massiv zu schnell gefahren ist und genau dann kontrolliert wurde, ist doch sehr klein.»

Doch warum erhielt Steve S. mit massiv übersetzter Geschwindigkeit nur ein Fahrverbot in Deutschland, andere Lenker aber für ein ähnliches Vergehen im Nachbarland auch ein Verbot in der Schweiz? Tatsächlich ist es eine Lotterie. Laut Rohrbach sind die deutschen Behörden nicht verpflichtet, Fahrverbote an die Schweiz zu melden. Es gebe dazu keine Verträge oder Abkommen, so der Sprecher. Doch: «Ich gehe davon aus, dass die meisten Fälle gemeldet werden.»

*Name bekannt

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Plankton am 25.01.2020 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    als ob Sie das erste mal....

    sich nicht an die Geschwindigkeit gehalten hätten.... heult nicht rum, ihr seid ja auch die Helden wenn ihr aufs Gaspedal drücken könnt.

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  • Joe am 25.01.2020 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strafe gerechtfertigt

    Richtig so, Deutschland ist doch keine Rennstrecke für Schweizer, nur weil dort das Billett günstig ist. Illegales Rasen gefährdet überall auf der Welt das Leben der anderen Verkehrsteilnehmer.

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  • G.Force am 25.01.2020 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja auch richtig so!

    ja also bitte...Meinen die Schweizer dass sie im Ausland machen dürfen was sie wollen und dann für ihr Fehlverhalten nicht zur Rechenschaft gezogen werden dürfen weil sie in der Schweiz leben? Diplomatische Immunität oder wie ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ich bin Schweizer am 29.01.2020 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    von wegen Schweizer

    Ich denke hierbei handelt es sich wieder um eine Falschmeldung. Ich gehe schwer davon aus, es handelt sich dabei um ausländische Mitbürger, welche lediglich einen Schweizer Pass besitzen. Meinetwegen Schweizer in den Augen unserer linken Mitbürger. In meinen Augen kann man nicht Schweizer werden!

  • Tuvok am 29.01.2020 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Abkassieren!

    Massgebend sollte das Land sein, in welchem die Straftat erfolgte, also hier Deutschland. Die Schweizer Behörden geht das überhaupt nichts an, sondern sie wollen nur unter dem Deckmantel von erzieherischen Massnahmen zusätzlich abkassieren!

  • Nicht Jurisst am 28.01.2020 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Komplizierte Frage

    Was für eine Strafe bekomme ich in der Schweiz wenn ich mit dem Rennrad ohne Motor in Deutschland eine rote Ampel mit Kamera überfahre und erkannt werde? Muss ich dann in der Schweiz den Fahrausweis fürs Auto abgeben oder eine Busse bezahlen? Weiss das jemand?

    • Gesunder Menschenverstand am 29.01.2020 01:03 Report Diesen Beitrag melden

      Einfache Antwort

      95% aller Lenker haben überhaupt kein Problem damit, sich an Verkehrsregeln zu halten. Die anderen 5% schreiben hier fleissig seltsame Kommentare

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  • PS Fan am 28.01.2020 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    In der CH geht es immer ums Geschäft?

    Vermutlich geht es ums Geschäft? Ich gönne den Radarpolizisten keinen Rappen. Wenn ich Rennvelo fahre, dann lösen die Fallen aber oft aus.

    • BWM, geleast am 29.01.2020 01:04 Report Diesen Beitrag melden

      Wer keine Bussen zahlen will

      Hält sich einfach an die Verkehrsregeln. So einfach ist das.

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  • W. Telli am 28.01.2020 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Mich würde mal interessieren

    Wieviele Schweizer, die ihr Billet abgeben müssen, Schweizer sind.