Radikale Forderung

08. März 2019 05:44; Akt: 08.03.2019 07:59 Print

Paare sollen für Umwelt auf Kinder verzichten

von J. Käser - Eine deutsche Autorin fordert dazu auf, aus Umweltschutzgründen aufs Kinderkriegen zu verzichten. Nicht alle finden diese Idee moralisch vertretbar.

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Sollen Frauen vermehrt aufs Kinderkriegen verzichten, um das Klima zu schützen? «Ein Kind ist mitunter das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann», sagt die Deutsche Autorin und Lehrerin Verena Brunschweiger. Am Mittwoch hat sie ihr Buch «Kinderfrei statt kinderlos - Ein Manifest» veröffentlicht und damit eine lebendige Debatte entfacht. «Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von rund 58.6 Tonnen im Jahr», so Brunschweiger. Zum Vergleich: Ein Jahr lang vegan zu essen führt laut kanadischen Forschern zu C02-Einsparungen von 3.76 Tonnen. «Mir wird immer wieder unterstellt, dass ich keine Kinder mag. Aber das ist falsch. Ich bin allgemein sehr umweltbewusst - fahre so gut wie nie Auto, fliege nicht und esse kein Fleisch - ich könnte es schlicht nicht mit mir vereinbaren, Kinder zu kriegen, wenn ich weiss, dass sie die grösste CO2-Schleuder sind», so Brunschweiger. «Ein endlicher Planet hat nicht Platz vor unendlich viele Menschen. Deshalb bin ich für eine Bevölkerungsreduktion auf 7 Milliarden Menschen», sagt Brunschweiger. Nur, wenn es nicht zu viele Menschen gebe, könnten Natur und Tierwelt nachhaltig erhalten bleiben. Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann findet den Ansatz, als private, umweltpolitische Massnahme auf Kinder zu verzichten abwegig: «Das Umweltproblem zu einem Bevölkerungsproblem umzudefinieren war immer schon die Lieblingsvorstellung der Konservativen.» «Kinder in die Welt zu setzen oder es zu lassen, ist ein Menschenrecht. Nun soll es zur moralischen Menschenpflicht werden, dies zu unterlassen», sagt Thielemann. Er hält es nicht für plausibel, dass sich die Idee von Brunschweiger ausbreitet. Denn die Vorstellung, den eigenen, innigst gewünschten Nachwuchs zum Umweltproblem zu erklären, widerspreche grundlegenden menschlichen Vorstellungen. Gefährlich werde es allerdings, wenn aus der moralischen Pflicht eine Rechtspflicht würde. Die von Brunschweiger genannte Entlöhnung für Kinderlosigkeit bis zum 50. Lebensalter ziele in diese Richtung. «Die Frage ist, woher die finanziellen Mittel für so etwas stammen sollten, da dadurch gleichzeitig doch das Wachstum gemindert würde», so Thielemann. Der einfachere und unmittelbarere Weg, um die Umwelt zu schonen, wäre, den globalen Wettbewerbsdruck zu reduzieren und den Entwicklungsländern eine eigenständige, möglichst ökologisch nachhaltige industrielle Entwicklung zu ermöglichen.

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«Ein Kind ist mitunter das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann», sagt die deutsche Autorin und Lehrerin Verena Brunschweiger. Am Mittwoch hat sie ihr Buch «Kinderfrei statt kinderlos – Ein Manifest» veröffentlicht und damit eine Debatte entfacht. Als sie vor einigen Jahren ihren Partner geheiratet habe, habe sie damit begonnen, sich intensiv mit dem Kinderkriegen zu beschäftigen. Durch ausführliche Recherchen sei sie zum Schluss gekommen, vor allem aus Umweltgründen, auf Kinder zu verzichten.

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Soll man aus Umweltschutzgründen aufs Kinderkriegen verzichten?

«Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind bedeutet eine CO2-Einsparung von rund 58,6 Tonnen im Jahr», sagt Brunschweiger zu 20 Minuten. Zum Vergleich: Ein Jahr lang vegan zu essen, führt laut kanadischen Forschern zu CO2-Einsparungen von 3,8 Tonnen. Der Verzicht aufs Kind sei damit ein besonders wirksamer Schritt, um das Klima zu schützen, schlussfolgert die Autorin.

Kinder als grösste CO2-Schleuder

«Mir wird immer wieder unterstellt, dass ich keine Kinder mag. Aber das ist falsch. Ich bin allgemein sehr umweltbewusst. Ich fahre so gut wie nie Auto, fliege nicht und esse kein Fleisch. Ich könnte es schlicht nicht mit mir vereinbaren, Kinder zu kriegen, wenn ich weiss, dass sie die grösste CO2-Schleuder sind», erklärt Brunschweiger.

Ein Experten-Zusammenschluss habe vor einiger Zeit die Idee erarbeitet, Frauen, die bis 50 Jahre kinderfrei sind, mit gut 50'000 Franken zu belohnen. Diesen Ansatz findet sie gut. Generell laste auf den Frauen noch immer ein grosser gesellschaftlicher Druck, wenn es ums Kinderkriegen gehe: «Nur weil ich eine Gebärmutter und zwei Eierstöcke habe, heisst das nicht, dass ich diese auch gebrauchen muss.»

Eine umweltbewusste Frau, die einen starken Kinderwunsch hege, könne auch einfach eins statt mehrere Kinder bekommen. Und die Adoption sei ebenfalls eine gute Option. «Ein endlicher Planet hat nicht Platz für unendlich viele Menschen. Deshalb bin ich für eine Bevölkerungsreduktion auf 7 Milliarden Menschen», sagt Brunschweiger. Nur wenn es nicht zu viele Menschen gebe, könnten Natur und Tierwelt nachhaltig erhalten bleiben.

«Lieblingsvorstellung der Konservativen»

Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann findet den Ansatz, als private, umweltpolitische Massnahme auf Kinder zu verzichten, abwegig: «Das Umweltproblem zu einem Bevölkerungsproblem umzudefinieren, war immer schon die Lieblingsvorstellung der Konservativen.» Das sei nichts weiter als Ablenkung von den tatsächlichen Herausforderungen, vor denen wir stehen, nämlich den Wachstumszwang zu reduzieren, den uns der heute vor allem globale Wettbewerb aufzwinge.

«Kinder in die Welt zu setzen oder es zu lassen, ist ein Menschenrecht. Nun soll es zur moralischen Menschenpflicht werden, dies zu unterlassen», sagt Thielemann. Er hält es nicht für plausibel, dass sich die Idee von Brunschweiger ausbreitet. Denn die Vorstellung, den eigenen, innigst gewünschten Nachwuchs zum Umweltproblem zu erklären, widerspreche grundlegenden menschlichen Vorstellungen.

Problem vor allem in den armen Ländern

Gefährlich werde es allerdings, wenn aus der moralischen Pflicht eine Rechtspflicht würde. Zwar schlage Verena Brunschweiger dies nicht direkt vor, die von ihr genannte Entlöhnung für
Kinderlosigkeit bis zum 50. Lebensalter ziele aber in diese Richtung. «Die Frage ist, woher die finanziellen Mittel für so etwas stammen sollten, da dadurch gleichzeitig doch das Wachstum gemindert würde», sagt Thielemann.

In der westlichen Welt würden die Geburtenraten ohnehin seit Jahrzehnten auf einem tiefen Niveau liegen. Hoch seien die Raten dort, wo Armut und ökonomischer Druck auf menschliche Grundbedürfnisse herrschen. «Kinderreichtum dürfte in den ärmeren Gebieten weniger Ausdruck eines innigen Kinderwunsches sein, als vielmehr eine Überlebensversicherung», sagt Thielemann. Könnten diese Staaten oder Entwicklungsländer am mittleren globalen Wohlstandsniveau teilhaben, würden auch die Geburtenraten sinken. Gleichzeitig gäbe es dann aber auch mehr globales Wachstum und damit stärkeren Ressourcenverbrauch.

«Das ist das Dilemma. Hier zeigt sich der globale Umweltkonflikt in seiner ganzen Härte», erklärt der Wirtschaftsethiker. Der einfachere und unmittelbarere Weg, um die Umwelt zu schonen, wäre, den globalen Wettbewerbsdruck zu reduzieren und solchen Ländern eine eigenständige, möglichst ökologisch nachhaltige industrielle Entwicklung zu ermöglichen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Willi Joller am 08.03.2019 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Vorbehalt

    Nein aber vielleicht nicht mehr als zwei, und nur diese sollen Kinder haben, die sie auch ernähren und ihnen Schulbildung ermöglichen können.

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  • Mutter Erde am 08.03.2019 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Im Prinzip richtig. Gäbe es die Spezie Mensch nicht, hätte die Welt kein Umweltproblem.

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  • Céline Strahm am 08.03.2019 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig!

    Aber nicht nur wegen dem Klimaschutz, sondern weltweit primär wegen der Überbevölkerung! Wir sind zuviele... nur will der Grossteil das nicht kapieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tja am 08.03.2019 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Negatives Gedankengut

    Ich habe nichts dagegen wenn sich Menschen mit dermassen negativem Gedankengut nicht vermehren. Sollen diejenigen Leute Kinder haben, die lebensfroh sind und den Kindern eine liebevolle Umgebung bieten.

  • Tja am 08.03.2019 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überbevölkerung vs Überalterung

    Wir werden die Folgen der Überalterung noch zu spüren bekommen und uns wünschen wir hätten mehr Kinder gezeugt...

  • Gähn am 08.03.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer als nächstes?

    Zuerst waren es die Autos, dann die Kühe und jetzt die Kinder. Wer wird wohl als nächstes in die Kritik der Klima-Fanatiker geraten?

  • Gritte am 08.03.2019 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösungen finden

    Ich finde es ziemlich egoistisch der nächsten Generation eine Existenz auf diesem Planeten zu verwehren nur damit unsere Generation weiter machen kann wie bisher. Wir täten besser daran jetzt Lösungen für das Umweltproblem zu finden damit unsere Kinder -sofern es ihnen noch erlaubt ist auf die Welt zu kommen- eine bessere Welt vorfinden.

  • Gritte am 08.03.2019 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung

    Das einzige was es braucht um die Überbevölkerung zu stoppen ist Emanzipation und Wohlstand in der Dritten Welt. Wenn Frauen andere Perspektiven erhalten verzichten sie freiwillig auf viele Kinder. Keine Frau will eine Gebärmaschine sein. Aber Unterdrückung, Armut und mangelnden Zugang zu Verhütung zwingen sie in weiten Teilen dieser Erde dazu.