Baby in Mülltonne

09. Februar 2019 11:12; Akt: 09.02.2019 11:28 Print

«Ich wusste nicht, dass ich der Vater bin»

Die Polizei hat den leiblichen Vater des toten Babys aus Reconvilier ermittelt. Es handelt sich um einen 20-Jährigen. Jetzt spricht er über seine Gefühle.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Baby wurde Mitte Januar in einer Mülltonne bei der Festhalle von Reconvilier entdeckt. Inzwischen hat die Berner Kantonspolizei dessen biologischen Vater ermittelt. Dabei handelt es sich aber nicht um den Mann, der nach dem Fund des toten Säuglings vorübergehend festgenommen wurde. Der Freund der jungen Frau, die das Baby im Versteckten gebar, ist nicht der Vater des Babys, wie «Le Matin» berichtet.

Der leibliche Vater des Kindes ist ein 20-jähriger Detailhandelsfachmann aus Neuenburg, der im Kanton politisch sehr aktiv ist. «Ich will und werde sie anerkennen. Das ist meine kleine Tochter und das gehört zu meiner Rolle als Vater», sagt er zur Zeitung. Er habe sich immer gesagt, dass er die Vaterschaft anerkenne, sollte er einst in eine solche Situation kommen. «Es ist das Einzige, was ich tun kann. Ich werde mich nie um sie kümmern können.» Er habe ihr einen Namen gegeben. «Ich nenne sie Leïla. Ihre Mutter hat einen anderen gewählt.»

«Sie war nicht meine Freundin»

Er sei aus allen Wolken gefallen, als ihn die Polizei kontaktiert habe, sagt der Vater des toten Mädchens. Die Beziehung zur Mutter sei nichts Festes gewesen. «Ich traf sie regelmässig, sie war aber nicht meine Freundin.» Im April/Mai 2018 hätten sie den Kontakt abgebrochen. «Danach habe ich sie nicht mehr gesehen. Ich lief ihr manchmal nur per Zufall noch über den Weg. Ich wusste nie etwas davon. Es passierte ohne mein Mitwissen.»

Mit 20 Jahren in dieser Situation zu sein, sei ziemlich schockierend, so der Erzeuger. «Für mich und meine Angehörigen ist dies sehr schwierig. Ich habe keinen Kontakt zur anderen Familie. Über die Abschiedszeremonie konnten wir uns noch keine Gedanken machen.»

Untersuchungen laufen

Die Mutter wurde in eine Institution zwangseingewiesen und wird dort medizinisch behandelt. Sie war nach dem makaberen Fund von der Polizei befragt worden, wie auch der vorübergehend festgenommene Mann. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern führt weiter Untersuchungen zur Todesursache des Babys durch. Die ersten Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass das Kind bei der Geburt gelebt hat.

Die Polizei hatte am 23. Januar mitgeteilt, es gelte zu klären, ob und inwiefern eine Straftat vorliege und welche Rollen die beiden angehaltenen Personen bei den Ereignissen gespielt hätten. Für beide gelte die Unschuldsvermutung.

(bz/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau53 am 09.02.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    einfach nur tragisch

    Was ist da wohl schief gelaufen? Wie kann eine junge Mutter ihren Säugling nach der Geburt wegwerfen wie ein Stück Müll. Tragisch auch für den jungen Vater, der erst jetzt von der Schwangerschaft erfahren hat. Es fällt einem jeden schwer so etwas nachzuvollziehen. Ein Neugeborenes, das null Chancen hatte auf ein normales Leben in liebevoller Umgebung. Einfach nur tragisch. Möge das kleine Geschöpf in Frieden ruhen.

    einklappen einklappen
  • Maja am 09.02.2019 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum...

    Mir tut das im Herzen weh... Das arme kleine Mädchen... wohl nur ein paar Stunden gelebt, herzlos in den Abfall geworfen, evtl. sogar noch lebend... Ehrlich, mir kommen die Tränen. Warum nur? Es gäbe doch Möglichkeiten wie anonyme Geburt oder Babyfenster...

    einklappen einklappen
  • Marianne am 09.02.2019 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Loggsli

    Tut mir leid für das Kind! Wie so oft....für Sex ist man alt genug, aber nicht für Konsequenzen daraus.... es hätte verschiedene andere Lösungen gegeben für das arme Kind.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • snickers am 09.02.2019 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Verhütung ist das eine Thema. Wir wissen nicht was bei der Frau allesvorgefallen ist, dass sie zu dieser schrecklichen tat verleitet hat. Nicht jede Schwangerschaft und Geburt ist "schön". Viele sind sich auch nicht bewusst, was für eine verantwortung ein Kind mit sich bringt. Traurig aber es ist vieleicht besser für das Kind, dass es nicht mehr hier ist. So traurig es auch tönen mag.... alles hat einen Sinn auch wenn wirihn nicht verstehen können oder wollen

  • Frau Meier am 09.02.2019 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ruhe in Frieden, kleine Leila! Es tut mir so furchtbar leid, dass die Kleine wohl so sterben musste und dann einfach im Müll entsorgt wurde. Es hätte doch sicher eine Möglichkeit gegeben, das Baby lebend irgendwo abzugeben und sei es in einem Körbchen im Spitalnotfall hinlegen und gehen?! Ich will selber keine Kinder, aber so ein kleines Baby... wie kann man so etwas Liebenswertes nur umbringen? Das kann ich einfach nicht nachvollziehen. Mein Beileid dem Vater des Kindes, er zeigt Grösse.

  • Ernesto Bueli am 09.02.2019 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gaga

    Ich frage mich wieso man fuer alles Moegliche Pruefungen und Bewilligungen braucht und schikkaniert wird. Kinder machen darf Jede und Jeder.

  • Lara am 09.02.2019 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu vergeben

    Jeder weiss, dass es Babyklappen gibt; das ist das letzte.

    • snickers am 09.02.2019 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lara

      Richtig! Nur für mich das unverständliche ist daran, dasstrotzdem nach der Mutter gesucht wird. Ich verstehe nicht warum man eine Frau nicht einfach in ruhe lässt. Es gab ja einen Grund warum sie das Kind abgibt.

    einklappen einklappen
  • Ducati am 09.02.2019 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe holen

    ... und niemand war da, der helfen konnte. Wie verzweifelt und einsam muss jemand sein, dass keine Hilfe und Unterstützung geholt wurde. Auch der biologische Vater und seine Angehörigen werden Zeit ihres Lebens an diesem tragischen Fall zu tragen haben. Wenigstens geht es dem kleinen, unschuldigen Engel gut.