Flüchtlingsdrama

12. Juli 2014 23:38; Akt: 12.07.2014 23:44 Print

Baby war schon 10 Stunden vor Geburt tot

Bei der Rückführung nach Italien wird einer syrischen Migrantin die medizinische Hilfe verweigert. Ihr Baby kann nur noch tot geboren werden. Jetzt liegen erste Erkenntnisse aus dem Obduktionsbericht vor.

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Der Fall einer schwangeren syrischen Migrantin, die bei ihrer Rückführung nach Italien ihr Baby verloren hatte, sorgt in der Schweiz für Wirbel. Die Frau war mit einer Gruppe von Migranten am 4. Juli auf dem Weg von Mailand nach Paris als sie kurz nach der Schweizer Grenze aufgegriffen und den Schweizer Behörden für die Rückführung nach Italien übergeben wurde.

Die im siebten Monat schwangere Frau klagte über starke Schmerzen. Auch soll sie Blutungen gehabt haben. Dennoch hätten ihr die Schweizer Grenzwächter die Hilfe verweigert. Nach ihrer Ankunft im italienischen Domodossola sei sie zusammengebrochen und ins Spital eingeliefert worden. Dort habe das Kind nur noch tot geboren werden können.

In der Schweiz oder Frankreich gestorben

Jetzt liegen erste Erkenntnisse der Untersuchungen vor. Gemäss noch unbestätigten Berichten lokaler italienischer Medien, soll der Tod des Babys bereits 10 Stunden vor der Geburt im italienischen Grenzort Domodossola eingetreten sein, wie die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens berichtet. Konkret: Das Ungeborene ist noch in der Schweiz oder bereits vorher in Frankreich gestorben. Eine offizielle Bestätigung der italienischen Behörden liegt noch nicht vor.

Der italienische Anwalt der Familie fordert, dass die Verantwortlichen schnell zur Rechenschaft gezogen werden. «Ich gehe davon aus, dass in der Schweiz diese Vorwürfe ernst genommen werden. Wichtig ist, dass auch jenseits der Grenze jetzt ernsthaft ermittelt wird und diese schrecklichen Anschuldigungen überprüft werden. Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit», sagt er in der Sendung.

Die Eidgenössische Militärjustiz hat bereits am Freitag Ermittlungen aufgenommen. Das Grenzwachtkorps schliesst nach einer internen Untersuchung einen Fehler nicht aus und hat das Dossier zur Prüfung der Militärjustiz übergeben.