«Frauenverachtung»

07. Juli 2019 10:42; Akt: 07.07.2019 15:23 Print

Bademeisterinnen werden beschimpft und bespuckt

Laut dem Badmeister-Präsident werden Bademeisterinnen immer wieder von Männer angefeindet. Oftmals seien es Jugendliche und Männer mit Migrationshintergrund.

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Beschimpft, bespuckt oder ignoriert: Bademeisterinnen in der Schweiz werden immer wieder von Badegästen angepöbelt oder angegangen. «Ich habe schon einiges erlebt, aber was sich derzeit in Schweizer Schwimmbädern tut, ist nicht mehr tragbar», sagt Michel Kunz, Präsident des Badmeister-Verbands, zur «SonntagsZeitung». «Die Frauenverachtung hat zum Teil eine Stufe erreicht, die völlig inakzeptabel ist. Eine Berufskollegin musste sich Schlampe beschimpfen lassen – das geht nicht!»

Auch Sibylle Rykart, Vizepräsidentin des Schweizer Badmeister-Verbands, wurde schon heftig angegriffen: «Als Frau muss man sich immer wieder Bemerkungen anhören, die unter der Gürtellinie sind, ich wurde auch schon angespuckt.» Rykart, die seit 1995 als Badmeisterin tätig ist, erklärt: «Früher gab es das nicht. Diese Respektlosigkeit ist eine Zeiterscheinung.»

Haben Sie schon mitbekommen, wie eine Badmeisterin angepöbelt worden ist? Oder sind Sie selbst eine Badmeisterin, die ähnliches erlebt hat? Dann schreiben Sie uns.

Auch Badmeisterin Alexandra Bürgi, heute Leiterin Betrieb der Wiler Sportanlagen, wurde schon beschimpft. Oder auch bedroht: Trotz ihrer Anweisung die Badi zu verlassen, seien vier Männer mit Migrationshintergrund bis zum Schluss geblieben. Daraufhin hätten sie Bürgi beim Technikraum abgefangen. Bürgi floh aus dem Raum und rief die Polizei.

«Nicht gewohnt, dass Frauen Weisungen erteilen»

Bürgi erklärt der Zeitung: «Bei 90 Prozent der Gäste funktioniert es reibungslos, aber dann gibt es jene, die sich von einer Frau nichts sagen lassen. Unser Problem als Badmeisterinnen sind vor allem Männer mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Die meisten sind zwischen 18 und 22 alt. Aber es geht schon bei 10-Jährigen los.»

Ähnlich sieht es der Badmeister-Präsident: In der Badi, sagt Kunz, «prallen kulturelle Unterschiede aufeinander. Das hängt damit zusammen, dass einige glauben, Frauen hätten nichts zu sagen, und aggressiv werden gegenüber unseren Mitarbeiterinnen.» Zwar würden sich auch Schweizer daneben benehmen. «Aber wir stellen leider fest, dass es sich bei den Badegästen, die gegenüber Frauen ausfällig werden, oft um Jugendliche und Männer mit Migrationshintergrund handelt. Sie sind es nicht gewohnt, dass Frauen Weisungen erteilen.»

Laut der Zeitung traut sich keiner offen zu sagen, welche Herkunftsländer problematisch sind. Es seien aber Länder, in denen ein patriarchalischer Umgang mit Frauen herrsche, so etwa Balkanländer und der arabische Raum.

(qll)