Frauenstreiktag

07. Juni 2011 18:55; Akt: 07.06.2011 18:58 Print

Bäuerinnen kämpfen für bessere Stellung

von Annette Hirschberg - «Ein Ziel: Gleich viel!» heisst das Motto des diesjährigen Frauenstreiktages. Sogar die Schweizer Bäuerinnen unterstützen die Aktion.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Christine Bühler, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SLBV gibt sich kämpferisch: «Auf dem Land und vor allem auf den Höfen ist die Gleichberechtigung noch nicht richtig angekommen». Mit dem Argument «es ist immer so gewesen» würden die Frauen massiv benachteiligt, sagt die Bäuerin aus dem Berner Jura. Die Macht über Haus und Geld liege auf dem Lande immer noch beim Mann. «Ist der Bauer nicht bereit, Besitz und Einkommen mit der Frau zu teilen, hat sie keine Chance», betont Bühler.

Deshalb habe man sich 40 Jahre nach Annahme des Frauenstimmrechts und 20 Jahre nach dem nationalen Frauenstreik entschlossen, den Aktionstag am 14. Juni zu unterstützen. «Hinter dem Slogan ein Ziel: gleich viel' können wir wirklich stehen», so Bühler. Der Verband rufe die Bäuerinnen aber nicht zum Streik auf. «Wir machen auch am 14. Juni die Betten, kochen für unsere Männer und kümmern uns um den Haushalt und die Tiere». Der SLBV zeige sich aber solidarisch mit den Anliegen der Frauen und wolle denjenigen Respekt erweisen, die für die Rechte der Frauen gekämpft hätten.

Kritik von Bäuerinnen

Nicht überall kommt der Solidaritätsappell zum Frauenstreiktag gut an. «Streiken ist etwas, was die Linken tun und jetzt unterstützen wir das auch noch», heisst es aus konservativen Bäuerinnen-Kreisen. Offen kritisiert Theres Weber-Gachnang in der «Zürichsee-Zeitung» den Aufruf der Bäuerinnen-Präsidentin. Die SVP-Bezirkspräsidentin will sich nicht mit den Gewerkschaften solidarisieren. «Die Gewerkschaften können unsere Interessen nicht vertreten», findet sie.

Doch andere Bäuerinnen widersprechen ihr: «Die Bäuerinnen sind in der Landwirtschaft sozial deutlich schlechter gestellt als die Männer», sagt Therese Huber, Präsidentin der Landfrauen Thurgau. In der Regel werde das gemeinsam erwirtschaftete Einkommen dem Mann gutgeschrieben und nur für ihn werde AHV abgerechnet. Auch der gesamte Besitz gehöre dem Mann und werde von Bauer zu Bauer vererbt. Gesetzlich liesse sich alles so regeln, dass die Frau dem Mann nahezu gleichberechtigt wäre. «Doch oft wird es nicht getan», so Huber. Die Frauen müssten sich deshalb wehren.

Arbeitsbelastung ist riesig

Auch Maja Werner-Bachmann findet es gut, dass der SLBV den Frauenstreik unterstütz. «Mit Streiken haben wir nichts am Hut, aber die Bäuerinnen müssen sich zu Wort melden», sagt sie. Denn rechtlich stehe es meist schlecht für die Frauen. «Dabei hat die Arbeitsbelastung der Bäuerinnen in den letzten Jahren massiv zugenommen», so Werner. «Viele gehen tagsüber einer Anstellung nach, und erledigen daneben noch den gesamten Haushalt, die Hofarbeit und die Kinderbetreuung.» Viele Frauen erkrankten ob der hohen Belastung. «Ihre Arbeit auf dem Hof wird aber meist nirgends anerkannt»

Auch Verbandspräsidentin Bühler sieht in der Anerkennung das grosse Problem. In der Landwirtschaft gebe es viele konservative Strukturen und Verbände mit viel Macht. «Diese wollen wir aufrütteln und bewegen.» Ziel sei rechtlich zu verankern, dass alles erwirtschaftete Mann und Frau gemeinsam gehöre und beide dafür Anspruch auf Sozialleistungen haben.

Der Frauenstreik sei im Streben um Anerkennung nur ein kleines Puzzleteilchen. «Der einen oder anderen tut es vielleicht gut, dorthin zu gehen und Frauensolidarität zu spüren.» Die grosse Arbeit sei damit aber sicher nicht getan.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Christoffel am 08.06.2011 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Keine billige Magt

    Jede Frau, welche in einem Familienbetrieb mitarbeitet und nebenher auch noch Haushalt und Kinderbetreuung macht hat hohe Anerkennung verdient. Das gilt aber nicht nur für Bäuerinnen. Auch in vielen KMUs ist der Mann nicht bereit, Besitz und Einkommen mit der Frau zu teilen. Es liegt also nicht unbedingt am Gesetz, sondern am Charakter des Ehemannes. Gerade bei Geschäftsinhabern, zu welchen auch ein Bauer gehört, sollte darum ein Ehevertrag abgeschlossen werden.

  • Andrea am 09.06.2011 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Überemanzipiert!

    Mal ehrlich, mir tun die Männer auch Leid! Die heutige Gesellschaft ist einfach überemanzipirt! Schaut mal wie viele Frauen im Bundesrat sitzen, aber auch die können die Welt nicht verändern. Wenn die Gleichberechtigung also wirklich ein Problem wäre, hätten die lieben Bundesrätinnen schon lange etwas unternommen. Aber anscheinend sind ja alle zufrieden :) Und meine Meinung, eine Bäuerin, die keine Ahnung über das Einkommen ihres Mannes hat oder keine Rechte darauf hat es zu verwalten ist einfach selber schuld! Da stimmt wohl etwas in der Beziehung nicht!

  • Marco am 08.06.2011 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das gleiche Lied

    Obwohl Frauen gesetzlich gegenüber den Männern bevorteilt werden, geht das Gejammere weiter. Ich habe kein Mitleid mit diesen Rosinenpickerinnen, sollen sie auch die gleichen Nachteile wie die Männer tragen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea am 09.06.2011 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Überemanzipiert!

    Mal ehrlich, mir tun die Männer auch Leid! Die heutige Gesellschaft ist einfach überemanzipirt! Schaut mal wie viele Frauen im Bundesrat sitzen, aber auch die können die Welt nicht verändern. Wenn die Gleichberechtigung also wirklich ein Problem wäre, hätten die lieben Bundesrätinnen schon lange etwas unternommen. Aber anscheinend sind ja alle zufrieden :) Und meine Meinung, eine Bäuerin, die keine Ahnung über das Einkommen ihres Mannes hat oder keine Rechte darauf hat es zu verwalten ist einfach selber schuld! Da stimmt wohl etwas in der Beziehung nicht!

  • Hans Christoffel am 08.06.2011 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Keine billige Magt

    Jede Frau, welche in einem Familienbetrieb mitarbeitet und nebenher auch noch Haushalt und Kinderbetreuung macht hat hohe Anerkennung verdient. Das gilt aber nicht nur für Bäuerinnen. Auch in vielen KMUs ist der Mann nicht bereit, Besitz und Einkommen mit der Frau zu teilen. Es liegt also nicht unbedingt am Gesetz, sondern am Charakter des Ehemannes. Gerade bei Geschäftsinhabern, zu welchen auch ein Bauer gehört, sollte darum ein Ehevertrag abgeschlossen werden.

  • Marco am 08.06.2011 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das gleiche Lied

    Obwohl Frauen gesetzlich gegenüber den Männern bevorteilt werden, geht das Gejammere weiter. Ich habe kein Mitleid mit diesen Rosinenpickerinnen, sollen sie auch die gleichen Nachteile wie die Männer tragen.

  • lala am 08.06.2011 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    primitiv

    frage mich immer wieder, was das für männer sind, die solch fast schon frauenfeindliche kommentare schreiben. ich wüsste nicht, weshalb frauen für die gleiche arbeit 20% weniger verdienen sollten. das heisst also männer sind was besseres und es ist in ordnung wenn frauen unterdrückt werden? oder verstehe ich da was falsch? habt ihr etwa angst, dass euch etwas weggenommen wird? oh je

  • Maggie am 08.06.2011 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    Es ist nur fair, dass die männer später pensioniert werde, schliesslich, sind sie auch fast ein jahr wegen militär abwesend. Ausserdem können sie auch ruhig ersatzt zahlen, da sie ja auch mehr verdienen.

    • Rolf am 08.06.2011 10:02 Report Diesen Beitrag melden

      sicher nicht

      Das ist ja wohl der dümmste Kommentar hier! Die gesetzmässige Diskriminierung der Männer ist einfach eine Frechheit! Sie müssen sich ja nicht im Militär abmühen oder Ersatz zahlen. Bezüglich dem Lohn werfen die Gewerkschaften gerne alles in einen Topf, da werden Ärzte mit Krankenschwestern verglichen. In den Studiengängen wo man nachher viel Geld verdienen kann, sind die Frauen massiv unter vertreten z.B. in der Technik, Wirtschaft und allg. Naturwissenschaften.

    • Pius Kneubühler am 08.06.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      Militär zum Spass?

      Liebe Maggie, ich kann nur hoffen, dass dein Eintrag ironisch gemeint war. Falls nicht, wäre er nämlich eine Frechheit. Es darf doch nicht wahr sein, dass Militärdienst quasi mit Ferien gleichgestellt wird. Denkt ihr Frauen im Ernst, uns mache das Spass? Wir sind doppelt bestraft. Erstens müssen! wir in's Militär, und dann werden wir auch noch später pensioniert. Das ist eine merkwürdige Auffassung von Gleichberechtigung.

    einklappen einklappen