Grenzwerte

18. Februar 2020 11:33; Akt: 18.02.2020 11:33 Print

Bafu schickt Leuthards Pestizid-Pläne bachab

Die Pestizid-Grenzwerte im Wasser werden nicht gelockert. Damit nimmt Bundesrätin Sommaruga Abstand zu den Plänen ihrer Vorgängerin.

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«Tödliches Gift» oder «Pflanzenschutzmittel»? Über den Einsatz von Pestiziden in der Schweizer Landwirtschaft wird derzeit heftig gestritten. Während die Trinkwasser- und die Pestizid-Verbote im Nationalrat debattiert wurden, war klar: Die Volksbegehren aus den Bürgerkollektiven zeigen bereits Wirkung. Zum einen hat das Bundesamt für Landwirtschaft kürzlich die Pestizide Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl aus der Zulassungsliste gestrichen. Die Mittel gehören bis heute zu den am häufigsten eingesetzten Insektiziden, obwohl ihr Einsatz umstritten ist. Der Druck der beiden Pestizid-Initiativen zeige auch bei Bauern und in der Forschung grosse Wirkung, sagt Andreas Bossard, Geschäftsleiter der Stiftung Vision Landwirtschaft. Es gebe kaum eine Versammlung von Bauern mehr, bei der der Pestizid-Einsatz nicht leidenschaftlich diskutiert werde. «Viele überdenken, was für Gift sie ausbringen, verwenden Alternativen oder steigen gar auf bio um.» Auch die Forschung habe auf den Druck reagiert und den Fokus geändert, stellt Bosshard fest. «Während es früher darum ging, noch wirksamere Produkte zu entwickeln, steht jetzt endlich die Erforschung von Alternativprodukten im Fokus», sagt Bosshard. Auch die Produzenten können den Handlungsbedarf nicht mehr ignorieren. So haben sich verschiedene Produzenten und Händler im Januar 2019 zur «IG Zukunft Pflanzenschutz» zusammengeschlossen. Sie will bis 2030 Alternativen zu den umstrittensten Pflanzenschutzmitteln entwickeln und dafür die Investitionen verdoppeln – auch aus Angst vor Verboten. . «Es muss etwas passieren, aber nicht mit «weltfremden» Initiativen», findet Präsident Christian Schönbächler. Die Initiativen sind ihm zu radikal. «Die Bauern sprühen Pflanzenschutzmittel nicht, weil sie Spass daran haben.»

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In der Schweiz gilt ab 1. April weiterhin ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm Pestizid pro Liter in Gewässern, aus denen Trinkwasser entnommen wird. Damit nimmt das Departement von Bundesrätin Simonetta Sommaruga Abstand von Plänen zur Lockerung der Vorschriften.

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Doris Leuthard, ihre Vorgängerin an der Spitze des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), hatte die Grenzwerte noch erhöhen wollen. Das kam in der Vernehmlassung schlecht an, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Dienstag schreibt.

Mutmasslich krebserregend

Für zwölf Pestizide führt die ab 1. April geltende neue Verordnung strengere Grenzwerte ein. Sie gelten als besonders problematisch für Wasserlebewesen. Für die anderen Pestizide gilt wie bisher generell der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter in allen Bächen, Flüssen und Seen.
Das umfasst auch das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat.

Es gilt als mutmasslich krebserregend. In der EU läuft die Zulassung Ende 2022 aus. Die Verlängerung ist höchst umstritten. In der Schweiz ist der Verkauf des Herbizids rückläufig.

Unter den zwölf Pestiziden, für die strengere Grenzwerte gelten, findet sich das Insektizid Cypermethrin. Dieses findet etwa in der Viehhaltung Verwendung. Es ist für Wasserlebewesen sehr problematisch.

Schutz von Fischen und Krebsen

Im weiteren unterscheidet die neue Verordnung zwischen Grenzwerten für Gewässer und Grenzwerten für Gewässern mit Trinkwasserentnahme. In «normalen» Gewässern geht es um den Schutz von Fischen, Krebsen, Wasserflöhen und anderen Lebewesen.

Hier werden die Grenzwerte für 14 Stoffe erhöht. Nach Bafu-Angaben besteht bei ihnen aus wissenschaftlicher Sicht bis zu neuen Grenzwerten kein Risiko für de Gewässerfauna. Ein höherer Grenzwert gilt etwa für das Fungizid Cyprodinil.

Für Gewässer mit Trinkwasserentnahme gelten diese erhöhten Grenzwerte nicht. Dort sind generell weiterhin 0,1 Mikrogramm Pestizide pro Liter zugelassen. Die Pestizidbelastung dieser Gewässer darf damit nicht höher sein als jene des Trinkwassers.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eckzahn am 18.02.2020 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Licht

    Leuthards Absicht, die Grenzwerte dermassen idiotisch zu erhöhen, wirft ein ganz schlechtes Licht auf sie. Damit hat sie sich gar keinen Dienst erwiesen. Man wird sich daran erinnern. Gut schickt das Bafu diese Pläne nun bachab.

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  • ARA Meister am 18.02.2020 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzwerte

    Wie hoch sind eigendlich die Grenzwerte von Medikamente und Reinigungsmittel die in das Gewässer gelangen ? Von denen spricht nie jemand. währe noch intressant.......

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  • aseiiron am 18.02.2020 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ohne pestizide

    pestizide minimieren - auf ökologische alternativen zurückgreifen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Norbert am 18.02.2020 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gekauft !Aha sauberes Wasser,Wo?

    Und jetzt hat die Dünger und Chemie Lobby die Politik wirklich gekauft!Ich habe gedacht Leuthard wäre schlimm.Aber mit Sommaruga,schlimmer geht nimmer.6.8 Millionen chemische und petrochemische Verbindungen! 400 Herbizide,Pestizide und Fungizide! Über 80'000 Medikamente! Und das ALLES im Trinkwasser?Ja,das ist doch SUPER!Wer es nicht glaubt ,ich habe die Unterlagen, aber die Medien haben Angst zum Veröffentlichen!

  • Marcel. Bi am 18.02.2020 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pharma

    Pharma und Pestizide Hersteller/Erfinder sind die Menschen massen macher, daher leider auf dieser Erde nicht mehr wegzudenken. Leider.

  • Claudia am 18.02.2020 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    NULL GIFT

    mir ist alles so lange wie breit. Ich will meine Grosskindern trinkbares Wasser hinterlassen. Eine Luxus welcher wir in der CH immer hatten. Offenbar wartet Nestle schon darauf die Quellen zu kaufen und wir deren Wasser kaufen müssen. Die 7 Zwerge werden mit 90ig im VR sitzen und auf den künstlichen Stockzähnen lachen. Die Volkstretter müssen alles Gift verbieten NULL %

  • DG am 18.02.2020 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Frage am Rande

    Alle sagen die Bauern sollten wirtschaftlicher produzieren/ anbauen aber wiederum wollen dieselben Leute ihnen die Pflanzenschutzmittel verbieten darum dürften sie wiederum weniger Düngen das würde wiederum bedeuten das auf der gleichen Fläche weniger Ertrag ergibt. Dazu kommt alles sei zu teuer alles muss günstiger werden aber wann die Bauern keine Herbizide mehr ausbringen dürfen müssen sie alternativ mehr Aufwand betreiben um die Felder unkrautfrei zu halten das würde bedeuten es würden mehr zeit kosten und Zeit ist nun mal Geld so weit ich weiss Oder was denken sich die Leute?

  • WasserIstLeben am 18.02.2020 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihr wollt sauberes und gesundes Trinkwasser?

    Dann stimmt zwei mal JA für die Trinkwasserinitiativen und gegen synthetische Pflanzenschutzmittel.