Strecke Bern–Zürich

25. Januar 2016 05:52; Akt: 26.01.2016 12:14 Print

Bahn-Experten streiten über neuen Mega-Tunnel

Der Bund prüft einen 28-km-Bahntunnel zwischen Zürich-Altstetten und Rupperswil. Experten sind sich uneinig, ob ein solcher Tunnel sinnvoll wäre.

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Diese beiden Varianten hat der Bund untersucht. (Bild: 20 Minuten)

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Die Schweiz bekommt möglicherweise bald einen Megatunnel zwischen Zürich-Altstetten und Rupperswil AG. Stand bis anhin im Hinblick auf den sogenannten Ausbauschritt 2030 der Bau der beiden Tunnel Chestenberg und Honeret im Vordergrund, prüft der Bund nun auch eine Variante mit einem einzigen Tunnel.

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Dieser habe ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und verkürze die Reisezeit sogar noch stärker als die Variante mit zwei Tunneln, bei der die Strecke Bern–Zürich in 45 statt 56 Minuten zu bewältigen wäre.

Weniger Einsprachen

Rolf Steinegger, Experte für Verkehrssysteme an der ZHAW, sieht Vorteile in einem langen Tunnel. «Der Tunnel wäre insgesamt günstiger zu realisieren, weil nur zwei statt vier Portale gebaut werden müssen und der Grundaufwand für Bauinstallationsplätze und Provisorien nur ein- statt zweimal zu bezahlen ist.»

Die Anschlussbauwerke an die bestehenden Strecken seien teuer, weil zusätzliche Brücken, Unterführungen, Stützmauern und Ausgleichsflächen für den Naturschutz notwendig wären. Auch könne man auf einer grosszügig trassierten Strecke schneller fahren. «Die Zeitersparnis dürfte aber nur Sekunden bis Minuten betragen.»

«Im Mittelland besteht Aufholbedarf»

Politisch hat das Projekt laut Steinegger gute Chancen. «Lange haben wir viel Geld in die Neat gesteckt. Im Mittelland besteht nun Aufholbedarf.» Dabei habe ein langer Tunnel bessere Chancen: Bei zwei Tunneln gäbe es mehr Einsprachen, weil an vier Orten Umwelt und Anwohner betroffen wären und Rekurse eingelegt werden können. «Ein einziger Tunnel kostet zwar mehr aufs Mal, bietet aber mehr Planungssicherheit.»

Nachteile sieht der Experte kaum. «Von der Landschaft bekommt man leider nichts mehr mit, aber dafür werden Umwelt und Anwohner geschont.»

«Lieber auf Swissmetro setzen»

Kurt Scheiber, Präsident von Pro Bahn, sieht beide Tunnelprojekte kritisch: «Wegen ein paar Minuten Zeitersparnis so viel Geld auszugeben, ist irrsinnig.» Stattdessen solle man auf einen Ausbau der bestehenden Zugkompositionen setzen. «Wir könnten pro Zug 14 Doppelstockwagen verwenden statt wie bisher maximal acht Doppelstock- und vier Einstockwagen.»

Auch dass die Streckenführung unterirdisch verlaufen soll, stört Schreiber: «Wir kommen früher oder später sowieso unter die Erde, da müssen wir das nicht schon beim Zugfahren haben.» Wenn schon Tunnel, dann solle das alte Projekt Swissmetro vorangetrieben werden, bei dem im Vakuumtunnel die Strecke zwischen Bern und Zürich in 15 Minuten zu bewältigen sei.

Auch politisch sieht Schreiber Probleme: «Beim momentanen Spardruck kann es gut sein, dass die Unterstützung im Parlament für solche Prestigeprojekte klein ist und man eher auf den Unterhalt der bestehenden Infrastruktur und Züge setzt.»

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jorge am 24.01.2016 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage mich

    Eine Reduktion der Fahrzeit zwischen Zürich und Bern um nur 11 Minuten. Lohnt sich da der ganze Aufwand tatsächlich?

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  • Krebskandidat am 24.01.2016 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billiger?

    Wenn dann das Billet noch günstiger ist als von Zürich nach London zu FLIEGEN, ja dann bin ich begeistert.

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  • Schwarz Peter am 24.01.2016 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Und wozu

    immer nur die Reisezeit verkürzt werden, was bringt denn das wirklich? Flexibilität ist gefragt, zB Luzern - Bern nicht nur Stundentakt etc

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul am 28.01.2016 00:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swissmetro

    Man sollte lieber das Projekt "Swissmetro" wieder aufgreifen. Jetzige Trassen könnten dann vermehrt für Regionalverkehr und Güterverkehr genutzt werden, während der Fernverkehr via unterirdischer Magnetschwebebahn geführt wird. Die Fahrzeit von 60min auf 45min zu bringen istvwahrlich nicht ein riiesen Sprung hingegen von 60min auf knapp 12min (Swissmetro).

  • Andre A. am 25.01.2016 23:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur so eine Idee

    Warum baut man nicht eine Magnetschwebebahn auf einer Trasse? Das wäre doch auch bedenkenswert oder nicht? Man könnte den Personenverkehr über "dem normalen Alltagsleben" Schweben lassen und "Relativ einfach" (Schnelle Geschwindigkeit) in ein paar Jahrzehnten die Größten Städte miteinander verbinden. Zudem würde Kapazität auf dem Jetztigen Netz frei, dass u.a. für Güterverkehr genutzt werden könnte. Wahrscheinlich etwas sehr optimistische Vorstellung ;)

    • magnetler am 26.01.2016 10:23 Report Diesen Beitrag melden

      transrapid

      Ideen und Berechnungen hierzu gab es schon. Das Problem sind die Kosten, v.a. auch durch die Verbindungen. Transrapid & Co. können fast nur "isoliert" betrieben werden. "Gleisfelder" mit Weichen etc. wie man es heute kennt, wären unbezahlbar teuer. Nur 1 so ein System und das herkömmliche parallel dazu, ist nonsense und die Strecken bei uns zu kurz. Hohe Tempi kann man bei tieferen Kosten auch mit normalen Systemen erreichen. Dass sich die Vmax heute int. bei ca. 300 einpendeln, liegt am Stromverbrauch - techn. machbar wäre weitaus mehr...

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  • Peter am 25.01.2016 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ich nicht lache

    Für die bahn hunderte von milliarden investieren, für immer schnellere pendler strecken. Für die strasse wird nichts gemacht. Die zahl der verkehrsteilnehmer hat sich in den letzten 20 jahren extrem vergrössert. Der tourismus wird es verdanken.

    • Bruno Bärtschi am 26.01.2016 08:16 Report Diesen Beitrag melden

      Neue Strassen...

      @Peter. Blick zurück auf die letzten 10 Jahre und ein paar Beispiele: Autobahnspange Rheinfelden A3, Tunnels Giswil und Lungern A8, neue Autobahn A4 im Knonaueramt samt Westumfahrung Zürich und Tunnel Uetliberg, Kirchenwaldtunnel A2, 3. Gubriströhre im Bau, Umfahrungstunnel Flüelen, Autobahn A22 Pratteln - Liestal samt Umfahrungstunnel Sissach usw. usw. Und denken Sie daran: Der Bau des Autobahnnetzes ging in den 1960ern bis 1980er vollumfänglich zulasten der Schiene. Sonst wären diese Strassen bis heute nicht bezahlt.

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  • Susi am 25.01.2016 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig immer am gleichen Ort investieren... Typis

    Endlich den Brüttener Tunnel bauen ist angesagt! Die ganze Ostschweiz wartet schon lange auf das im Jahre 1980 versprochene! Der Flaschenhals in die Ostschweiz muss endlich weg! Am Lötschberg, Gotthard, etc. wurde genug Geld verlocht! Die Auslastung zwischen Zürich und Winterthur ist viel höher! Übrigens der Löwenbahnhof wurde vom Kanton Zürich bezahlt. Bern bekommt alles von anderen bezahlt, Zürich muss alles selber bezahlen!

    • Andre A. am 25.01.2016 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susi

      Jop sogar beim Größten Schweizer Flughafen haben/hatten die Zürcher den Hauptteil der Finanzierung, des Fluglärms, des Verkehrs usw. zu Tragen. Unter anderem deshalb ist es auch im Sinne der Schweiz, wenn Zürich (und natürlich unsere Hauptstadt;) eine Gute Infrastruktur und Verbindung bieten können. (Noch besser gerade durch bis Genf, dann hätte man irgendwann eine achse von N-S und mehr oder weniger auch W-O. Das ganze wenmöglich, Möglichst vorausschauend/groszügig auf Schienen aber auch auf Straßen. Halt soweit bezahlbar, muss ja nicht alles so Prestige sein wie der Gotthardbasistunnel.)

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  • Nationless am 25.01.2016 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Wichtig wäre der Ausbau der NEAT mit Zimmerbergtunnel und Anbindung ans HGV Netz über Basel. Der Heitersbergtunnel II wäre schon einen Ansatz hierfür, aber trotzdem wozu braucht man eine NBS um Bern schneller anzubinden? Um Beamte, Politiker schneller nach Bern und Studis schneller an die ETH zu bringen? Schafft eine ETH in Bern oder zügelt das Bundeshaus nach Zürich. Dies käme günstiger anstatt Verkehrswege im Mittelland auszubauen was noch mehr Verstädterung bringt. Besser wäre eine U-Bahn für Zürich zu bauen was zu einer Verdichtung zwingt.