Hohe Preise

22. August 2019 07:05; Akt: 22.08.2019 11:21 Print

Der ÖV verliert Anteile, das Auto gewinnt

von Stefan Ehrbar - Der Aufwärtstrend beim ÖV ist vorbei. Seine Anteile an der Mobilität sinken. Auch Milliarden-Investitionen helfen nur bedingt.

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Die Schweiz gilt als Musterland des öffentlichen Verkehrs, nirgends in Europa wird so viel Bahn gefahren wie hierzulande. Doch der ÖV-Anteil am gesamten Verkehr sinkt stetig. Wie neue Zahlen des Informationsdienstes Litra zeigen, steigt zwar die Zahl der Kilometer, die im ÖV zurückgelegt werden, doch die Autofahrer legen noch stärker zu.

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Insgesamt wurden im Jahr 2017 knapp 135'000 Millionen Kilometer mit dem ÖV, zu Fuss, auf dem Velo oder im Privatauto zurückgelegt. Der Anteil des ÖV betrug 19,2 Prozent. So tief war er seit 2010 nicht mehr. Mit den Jahren zuvor ist kein direkter Vergleich möglich, weil die Methode 2010 angepasst wurde. Innerhalb von nur sieben Jahren hat der Anteil des ÖV um 3,1 Prozentpunkte abgenommen.

Preis wird kritisiert

Zugelegt hat der Anteil des Autos – von 71,6 auf 74,8 Prozent der Kilometer. Dieser Wert ist so hoch wie seit 2010 nicht mehr. Dass sich dieser Trend bald wieder umkehrt, glaubt Rolf Steinegger, Professor für Verkehrssysteme an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), nicht. «In der Verkehrspolitik ist keine Priorisierung des ÖV sichtbar», sagt er. «Die Entwicklung verläuft ungesteuert. Zudem haben die ÖV-Preise, die in den letzten Jahren erhöht wurden, eine dämpfende Wirkung.»

Tatsächlich wird der Preis des ÖV von der Bevölkerung kritisiert. In einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Wirtschafts- und Sozialforschung Lausanne gaben letztes Jahr 30 Prozent der Befragten an, der ÖV in der Schweiz habe ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Weitere 33 Prozent waren der Meinung, es sei «gerade ausreichend». Nur 37 Prozent bezeichneten es als «gut» oder «ausgezeichnet». Noch schlechter schnitt die SBB als einzelnes Unternehmen ab: Je 37 Prozent bezeichneten ihr Preis-Leistungs-Verhältnis als «schlecht» respektive «gerade ausreichend». Am meisten Verbesserungsbedarf sehen die Befragten bei der Kapazität der Sitzplätze, der Pünktlichkeit und schnelleren Verbindungen.

«Sehr gutes Angebot»

Die ÖV-Branche hält mit einer eigenen Studie dagegen. Kaufkraftbereinigt liege die Schweiz preislich im Mittelfeld von sieben untersuchten Ländern, darunter Deutschland, Österreich und Italien, heisst es in einer Studie des Beratungsunternehmens Infras. Tägliche Reisen innerhalb einer Stadt oder gelegentliche Reisen von der Stadt aufs Land seien hierzulande eher günstig, Reisen innerhalb eines Metropolitanraums eher teuer. Dank der hohen Pünktlichkeit und der hohen Angebotsdichte sei das Preis-Leistungs-Verhältnis in der Schweiz «sehr gut».

Die Schere zwischen den Preisen für das Autofahren und jenen für den ÖV geht immer weiter auseinander. Ein GA der 2. Klasse kostet derzeit knapp 17 Prozent mehr pro Jahr als noch 2010. Die Kilometerkosten, die der TCS für ein Musterauto angibt, sind seither im Gegenteil sogar um knapp acht Prozent gesunken.

Milliarden werden investiert

Andreas Keller, Sprecher des Verbands öffentlicher Verkehr, weist darauf hin, dass sich die Nachfrage beim Eisenbahnverkehr seit 2000 fast verdoppelt hat. «Die gesamte Mobilität hat zugenommen. Richtig ist, dass der Anteil des ÖV seit einiger Zeit eher stagniert», sagt er. «Wir wollen ihn wieder steigern.»

Und hierfür seien die Weichen gestellt: Mit dem neuen Infrastrukturfonds (Fabi) und dem Ausbauschritt 2035, mit dem das Parlament knapp 13 Milliarden Franken in die Bahninfrastruktur investieren will, werde eine weitere Kapazitätssteigerung möglich. «Dank Ausbauten und neuer Technologie kann der Fahrplan verdichtet und das bestehende Netz besser ausgelastet werden. Auch werden längere Perrons gebaut, die längere Züge ermöglichen.»

Die Perspektiven für den ÖV seien gut. «Er ist in der Schweiz verankert, das zeigen auch die Abstimmungen, bei denen ÖV-Themen immer einen guten Stand haben.» Der Preis sei ein Faktor. Die Branche habe das Problem aber erkannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna am 22.08.2019 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Ja der Kunde möchte halt auch etwas für sein Geld...

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  • Geschäftsreisender am 22.08.2019 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    Klartext

    Ich bin gerade wieder in D. Hier kostet eine Verbunds Tageskarte keine EUR 7 pro Tag in einer Stadt. Und man kommt weit in die Agglos raus damit. Bei uns so gar nicht machbar, trotz Milliardensubventionen. Einzelfahrten kosten übrigens auch weniger. Qualitativ hebt sich kein Unternehmen in der CH von einem anderen wie z.Bsp. in D ab. In der Schweiz ist nur der Preis Premium.

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  • Fred am 22.08.2019 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War ja klar

    Wer hätte das gedacht.?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ist am 23.08.2019 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das

    Das Schöne..jeder kann machen wie er will. Warum denken eigentlich so viele für die anderen..und..was kann die SBB dafür wenn einige hier Wohnen und weit entfernt arbeiten?

  • Tackle am 23.08.2019 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fass ohne Boden

    Der Öv ist ein fass ohne Boden, Hunderte Mia werden verlocht. Die Politik sollte sich der Realität und den Wünschen der Bevölkerung anpassen.

  • Realist am 23.08.2019 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Abwechsungs-Abzocker-Preise

    Dauernd kommt die Teuerungs-Regulierung zum Zug - Hauptsache es wird abgezockt ohne nachweisliche Nachhaltigkeit. Das Bundeshaus will einfach Geld eintreiben um die Löcher zu stopfen. Der Politische-Geld-Regulierungs-Geld-Kreislauf von A-Z schadet mehr als er nützt.

  • Café Racer am 23.08.2019 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    SBB Katastrophe

    Das ärmliche Benehmen von Kreti und Pleti, selbst in der ersten Klassse, hat mich wieder dazu bewogen ein noch besser schallisoliertes mit Geruchsfiltern versehenes , hoch motorisiertes Luxusfahrzeug zu kaufen. Die Gründe dafür sollten jedem denkendem Menschen welcher in gammligem SBB Rollmaterial seine Zeit verbringt, klar sein.

  • Darkside am 23.08.2019 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Geschieht euch Recht

    Und das wundert euch bei diesen Preisen oder was?Sorry ich kaufe ein Monatsbillet und brauche dieses Billet 8-10 Tage im Monat nicht,aber ich bin gezwungen diese Tage zu bezahlen. Sorry wo ist da die Logik dahinter? Ich werfe mein Geld aus dem Fenster, natürlich steige ich auf das Auto um bis ende Jahr. Ich bin nicht mehr bereit mich weiter in eine Sardinendose zu quetschen und das jeden morgen und jeden Abend.Sitzen kann ich ja nie.Ganz ehrlich,es ist eine Qual geworden mit dem Zug zu fahren. Ein drittel vom Billetpreis geht jeden MOnat verloren in einem Jahr ist das ganz schön viel Kohle

    • Darkside am 23.08.2019 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      SBB beklaut Kunden

      Ich bin nicht mehr einverstanden 12 mal 40.- jeden Monat zu verlieren. Das sind immerhin 480.- im Jahr. Nein sorry. Wen ich aufs Klo gehe da kommt kein Kohle heraus. Auch am Schalter kommt Ihr den Kunden nicht entgegen. Ein falsch gekauftes Ticket sollte man zurückerstatten und nicht dem Kunden vorgaukeln das bekommt man zurück nur bei einem Jahresabo, in der SBB Altsteten danke dem Herr dort. Kein bock mehr auf SBB und auf die Sardinendosen noch weniger.

    • Darkside am 23.08.2019 12:24 Report Diesen Beitrag melden

      SBB beklaut Kunden

      480 .- im Jahr wären 4 ganze Monatsabo's wo ihr mir abzwickt jedes Jahr und das mache ich nicht mehr mit.

    • Darkside am 23.08.2019 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      Zwangszahlungen stoppen

      Das gleiche ist bei Billag jetzt Serafe. Wir werden gezwungen Radio zu bezahlen auch wen man zu Hause nie Radio hört. Diese Zwangszahlungen, sorry das ist in der Schweiz nicht normal. Man muss es bezahlen auch wen man kein gebrauch davon macht. Ich finde so Sachen müssen einfach aufhören. Da werden Schweizweit Millionen oder Milliarden einfach in den Sand gesetzt oder besser gesagt verschenkt.

    • Und am 23.08.2019 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Darkside

      Mein Auto..kein Ankauf..keine Versicherung..keine Garage..kein Benzin..keine Pneus.. nie Waschen u.s.w..WARUM fahren Sie SBB??

    • Ludtig am 23.08.2019 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Darkside

      Eine mit Pendlerin..redet wie sie..vor dem einsteigen mindesten 3 Zigis..beim umsteigen 1-3 Zigis?

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