Dialekte verändern sich

14. Juli 2019 11:59; Akt: 14.07.2019 22:43 Print

Bald sprichst wohl auch du Züritüütsch

Der Einfluss von Dialekten aus grösseren Städten wird immer stärker. Insbesondere Wörter aus dem Zürcher Dialekt, aber auch aus dem Hochdeutschen breiten sich aus.

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Stadtdialekte breiten sich immer weiter aus und verdrängen Dialekte, die auf dem Land gesprochen werden, zusehends. Diese Voraussage haben die beiden Sprachwissenschaftler Adrian Leemann und Claudia Bucheli Berger gegenüber der «SonntagsZeitung» gemacht. Demnach soll die regionale Vielfalt des Schweizerdeutschen bis ins Jahr 2060 stark abnehmen.

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Die grossen Stadtdialekte haben bereits heute einige auf dem Land gebräuchliche Ausdrücke ersetzt. So nennen viele Berner eine Pfütze jetzt «Glungge», während diese auf dem Land früher eher als «Glunte» bezeichnet wurde.

«Hitzgi» und «Bütschgi»

Noch stärker durchgesetzt hat sich der Zürcher Dialekt. Der Einfluss der Grossregion Zürich habe dazu geführt, dass sich der Dialekt über die Kantonsgrenzen hinaus ausgebreitet hat. So hört man beispielsweise nun auch in der Ostschweiz das Wort «Hitzgi» anstelle von «Höschi» oder «Höscher» für Schluckauf.

Dieser Trend zeigt sich auch in anderen Teilen der Schweiz. So breitet sich beispielsweise das Zürcher Wort «Bütschgi» für Apfelkerngehäuse weiter aus und ersetzt «Güürbsi» in Aargau, «Bätzgi» in Luzern, «Butze» in Basel-Stadt und «Güegi» im Baselland. Ähnlich verhält es sich mit den Zürcher ü-Lauten. Wörter wie «Chnüü» (Knie) oder «tüüf» (tief) sind mittlerweile auch in Luzern, Zug, Schwyz und Glarus zu hören.

Hochdeutsch auf dem Vormarsch

Nicht nur der Zürcher Dialekt, sondern auch das Hochdeutsche gewinnt laut den Sprachwissenschaftlern immer mehr an Bedeutung. So könnte das Wort «Glungge» trotz der weiteren Verbreitung schon bald durch das hochdeutsche «Pfütze» ersetzt werden. Ausserdem sind Wörter wie «Kartoffle» statt «Härdöpfel», «Karotte» statt «Rüebli» und «Wohnzimmer» statt «Stube» auf dem Vormarsch.

Dies zeichnet sich auch bei der Begrüssung ab. So wird «Hallo» zu einem immer beliebteren Grusswort, egal, ob man die angesprochene Person duzt oder siezt. «Tschüss» wird ebenfalls immer häufiger für den Abschied benutzt, während «grüezi», «hoi», «sälü »oder «tschou» langsam, aber sicher abnehmen.

Wörter gehen vergessen

Dieser Wandel in der Sprache ist jedoch nichts Neues. Bereits heute sind zahlreiche Wörter verschwunden, die früher einmal zum alltäglichen Sprachgebrauch gezählt haben. Das Wort «Tschifere», was einen Rückentragkorb bezeichnet, ist laut den Sprachwissenschaftlern beispielsweise vollkommen veraltet. Auch «tängele »(eine Sense mit dem Hammer scharfklopfen) kennt heute kaum einer mehr. Dafür haben sich Wörter aus dem Englischen wie beispielsweise «google» oder «downloade» in unseren Sprachgebrauch eingemischt.

Wie viel Züritüütsch verstehst du? Der ehemalige Chefredaktor von 20 Minuten, Marco Boselli, hat 2016 bereits erklärt, was richtige Züri-Ausdrücke sind:

(doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hugentobler Dänu am 14.07.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Bei uns im Ämmital werden wir mit diesem Dialekt sicher nichts am Hut haben!!

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  • Max Lohner am 14.07.2019 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diakekte verändern sich!

    Da bin ich nicht gleicher Meinung! Ich habe Jahrgang 1945, bin im Aargau aufgewachsen! Meine Eltern sind aus den Thurgau! Denn Ausdruck Bütschgi haben meine Eltern schon so gesagt und ich sagte es nie anders! Dasckommt nicht von Zürich!

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  • Landei am 14.07.2019 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur nicht Züritütsch

    Bin ich froh berner Landei zu sein. Da heissts noch Glungge, Gröibschi und Himugüegeli.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brigitte Nest am 15.07.2019 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pommes Frites

    mich nervt dass bald niemand mehr Pommes Frites sagt sondern wie die Deutschen Pommes. Französisch spricht das 'es' spricht man nicht aus weil es französisch ist. Und schliesslich sind wir nicht in Deutschland!

  • marco ruzzo am 15.07.2019 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    nie nie

    ich höre nur noch hochdeutsch überall in der gemeinde beim einkaufen Wass soll das wir leben in der Schweiz

    • beate b am 15.07.2019 21:14 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt....

      glauben Sie mir, Sie wollen nicht wirklich, da ich Schweizerdeutsch lerne...;-) Dazu bin ich zu alt. Aber ich höre es gern, egal woher. Und ich verstehe es, zumindest meistens. Das liegt sicher daran, das ich im Ländle aufgewachsen bin. Da bekommt man ein Gehör für Dialekt. Und ich finde es wichtig und richtig, das Schweizerdeutsch gelernt und gelebt wird. Es gehört zu diesem Land dazu. So wie Sardisch zu Sardinienn gehört...

    • Art. am 15.07.2019 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @marco ruzzo

      Hochdeutsch, ist die Schriftssprache der Deutschschweiz. Sie ist da, um Missverständnise zu vermeiden. Ein Dialekt kann grammatikalisch falsch ausgesprochen werden, deswegen ist es sinnvoll, wenn zuerst Hochdeutsch gelernt wird, damit es mit irgend einem Dialekt richtig klappt.

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  • Fiona Ammherd am 15.07.2019 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Unerstänliche Fremdsprache

    Seit wann ist das am CH-Radio obligatorische, von Radio Rottu importierte Gequatsche ein schweizerdeutscher Dialekt? Fort mit dieser Fremdsprache!

  • Josef Gmür am 15.07.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lüge,lose

    Mein Mann ist Zürcher und bin 50 J mit ihm verheiratet,aber seine Zürcher schnorre nervt mich jeden Tag,der schönste Dialekt ist der Berner,Graubünden,Glarner,Appenzell Ausserrhoden und AI,der Basler und der St,Galler sind gar nicht schön.

    • bla bla, sag ich am 15.07.2019 22:26 Report Diesen Beitrag melden

      vor 50 Jahren

      In der rückständigen Schweiz kann man nicht mal heute gleichgeschlechtlich heiraten. Es ist seit ein paar Jahren möglich, eine eingetragene Partnerschaft zu schliessen, Josef. Du schreibst "Mein Mann ist Zürcher". Da stimmt was nicht. Und theoretisch sprechend: wenn Dich der Dialekt nervt, dann musst Du an Deiner Toleranz arbeiten oder einen Schlussstrich ziehen, um Dich nicht noch mehr zu nerven. Wir wollen doch keinen Herzinfarkt.

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  • Küde Zhou am 15.07.2019 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Vielfalt

    Ich weiss nicht, warum hier so viel Leute über Dialekte streiten. Ist doch schön, wenn es diese (noch) gibt. Damit wir uns dann alle verstehen, haben wir ja das Hochdeutsch, was wir in der Schule lernen. Auch darum, weil eben Schwyzer Dütsch keine Sprache ist. BTW: ich mage es aber schon auch, wenn die Leute gegeneinander ein wenig witzeln bez. des Dialektes.

    • Larry Amberg am 15.07.2019 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Küde Zhou

      hochdeutsch ?... ist gelinde gesagt etwas - (nur ganz wenig und fast nicht bemerkbar) - übertrieben. aber an sonsten bin ich absolut Deiner meinung .

    • Küde Zhou am 15.07.2019 18:12 Report Diesen Beitrag melden

      @ Larry Amberg

      Ja, ist etwas schwierig, ob es nun Hochdeutsch, Schriftdeutsch (so haben wir es damals genannt) oder weiss ich wie es heisst. Auch die Deutschen, müssen dies ja lernen, da sie auch ihre Dialekte sprechen.

    • L.Amberg am 15.07.2019 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Küde Zhou

      hab mich nur hinreissen lassen, von wegen dem "hänseln." Sprachen - und derer verbundenen Dialekte gehören auf der ganze Welt zur jeweiligen Kultur . Dummheit daraus zu schliessen gibt's nicht NUR in der Schweiz. Da aber anscheinend speziell.

    • Typhoeus am 15.07.2019 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Küde Zhou

      z.B. die Sprache des kleinen gefrässigen Berkvolks am Rande der Alpen = bayrisch

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