Pilotversuch

03. Juni 2019 14:41; Akt: 03.06.2019 17:33 Print

Kinder sollen das ganze Jahr zur Schule

Ab Herbst bleiben in Basel-Stadt drei Schulen auch während der Ferien geöffnet. Damit werden berufstätige Eltern entlastet.

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Als Kind möchte man in den Ferien vor allem eines: weit weg von der Schule sein. Doch nun bietet Basel-Stadt an drei Schulhäusern auch während den Ferien ein tagesfüllendes Programm an. Der Pilotversuch, der im Herbst am drei Schulen anläuft, bietet Kindergärtlern und Schülern vom ersten bis zum sechsten Primarjahr auch während den Ferienwochen eine Tagesstruktur, wie die «bz Basel» berichtet.

Claudia Magos, Leiterin Fachstelle Tagesstrukturen des Erziehungsdepartements Basel-Stadt, betont, dass es sich nicht um Unterricht handle: «Ferienerlebnisse stehen im Vordergrund.» Für die Entwicklung von Kindern seien freie Zeiten äusserst wichtig – «umso mehr, da es ja Ferien sind.» Jeweils von 8 bis 18 Uhr soll ein vielfältiges Programm geboten werden: Mit «geführten Aktivitäten» wie Basteln, Bewegungsspielen sowie Museums- und Zoobesuchen aber auch «freien Aktivitäten» wie Bauklötze stapeln, Eisenbahnen bauen oder Kasperlitheater spielen. Das Angebot werde von den Betreuern – mehrheitlich Sozialpädagoginnen und Fachpersonen Betreuung Kinder – unter Berücksichtigung der Wünsche der Kinder geplant.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Mit dem Angebot, das fürs erste im Schuljahr 2019/20 stattfindet, werden berufstätige Eltern entlastet. Der Basler SP-Grossrat Kaspar Sutter, der dieses Betreuungsangebot in einer Motion vor zwei Jahren gefordert hat, sagt: «Kinder haben 14 Wochen Ferien, die meisten Eltern jedoch nur 4 bis 6.» Mit seinem Vorstoss wolle er die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigern. Mit knapp 60 Franken pro Tag ist die Ferienbetreuung an den Schulen in etwa halb so teuer wie Kitas. Zudem besteht die Möglichkeit, sich nur tageweise anzumelden.

Doch sieht Sutter auch Vorteile für die Kinder: «Sie bleiben auch während den Ferien in den bekannten Strukturen, gehen in das gleiche Gebäude und haben im Optimalfall Betreuungspersonen, die sie schon kennen.» Deshalb sei es auch sein Langzeitziel, dass sämtliche Basler Schulen ihr Angebot zumindest in reduzierter Form das ganze Jahr hindurch anbieten. Das Platzangebot ist beschränkt, gemäss Regierungsbericht geht der Kanton von Kosten zwischen 417'000 und 495'000 Franken aus. Sutter betont, dass es hier dynamische Effekte gebe: «Zum einen werden Kosten für Kitas teilweise entfallen, zum anderen dürfte der Kanton wegen des positiven Einflusses auf die Arbeitswelt mehr Steuereinnahmen bekommen.»

Private Angebote

Kritischer sieht SVP-Grossrat Joël Thüring den Pilotversuch: «Unsere Partei war schon damals gegen diese Motion und wir betrachten die Entwicklung weiterhin kritisch.» Für ihn ist nicht der Staat in der Pflicht, eine lückenlose Betreuung für Kinder zu gewährleisten: «Wer sich für eine Familie entscheidet, der soll sich in den Ferien selber organisieren.» Mit Grosseltern, Freundeskreis oder einem anderen Erziehungsberechtigten im Umkreis müsse das gut möglich sein, sagt er. «Zudem gibt es bereits zahlreiche private Angebote wie Sportlager, Pfadi oder kirchliche Aktionen, die in den Ferien stattfinden», so Thüring. Schliesslich sei es auch für das Kind besser, wenn es neben dem schulischen Umfeld auch andere Eindrücke sammeln könne.

Schweizweit steht Basel mit seinem Pilotprojekt nicht alleine da. Auch in anderen Kantonen kennt man die Ferienbetreuung durch Schulen, wobei die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK auf Anfrage keine umfassende Übersicht liefern konnte, weil die einzelnen Gemeinden dies unterschiedlich handhaben. Zumindest in den Kantonen Bern und Zürich gibt es neben den üblichen Angeboten wie Ferienpässen, Sportlagern und Kitas mancherorts auch eine Ferienbetreuung an den Schulen. Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern bezeichnet dieses Angebot auf ihrer Homepage als «wichtigen Standortvorteil».

(mat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gaa am 03.06.2019 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser keine Kinder

    Traurig das Arbeit wichter ist als Kinder. Tolle geselschaft haben wir.

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  • anotherUser am 03.06.2019 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    find ich nicht gut

    Für was zeugt man Kinder, wenn man nicht mal während den Ferien sich für sie Zeit nehmen kann. Für mich wäre es einen Graus gewesen auch in den Ferien ins Schulhaus zu müssen - Freizeitaktivität hin oder her... Wir wollen in unseren Ferien ja auch den Arbeitskollegen nicht sehen... und die Kinder? Nie Abstand zum Altag und der Wecker muss auch in den Ferien klingeln... egoistisch mehr nicht!

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  • Martin Schweizer am 03.06.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ego first

    Kinder sollten eigentlich nicht der Grund sein, sein eigenes Ego aufzupolieren und sie möglichst oft in Fremdbetreuung zu geben. Ansonsten lässt man es besser bleiben. Echt jetzt..... in den Ferien zur Schule weil die Eltern Kohle verdienen wollen? Üble Sache!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • anders mami am 06.06.2019 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    andere Sicht?

    Vielleicht, sind die Sozialpädagoginnen und Fachpersonen Betreuung Kinder einfach froh, dass sie einen Job haben während den Ferien?...

  • Mami am 04.06.2019 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindeswohl?

    Liebe Eltern, es geht doch nicht darum, ob Ihr Betreuung für Eure Kinder in den Ferien braucht! Das ist ja logisch, wenn Ihr arbeiten geht! Aber es stelle sich doch nun jeder mal vor, was es für die Kinder heissen würde, auch in den Ferien ins Schulhaus zu müssen! Kann man da abschalten? Für Kinder ist das genauso wichtig wie für Erwachsene! Wie meistens bei solchen Diskussionen geht es vorwiegend darum, was für die Eltern gut ist und nicht, was die Kinder in den Ferien brauchen. Bitte versetzt Euch in die Lage der Kinder!

  • gemeinsam ist's einfacher am 04.06.2019 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Das Modell Kleinfamilie

    funktioniert einfach nicht. Es braucht ein ganzes Dorf. Und: Nimmt mich wunder, wie oft und wie viele Kinder Joël Thüring aus seinem Freundeskreis hütet :)

  • Nellwolf am 04.06.2019 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht für alle

    Dann werden die betreffenden Eltern ihrerseits wenigstens die Hälfte ihrer Ferien ebenfalls in der Firma verbringen, in der sie arbeiten. Natürlich bei entsprechendem Ferienprogramm. Liegestuhl und gekühlte Getränke sind selbstverständlich vorhanden und der Chef wird ihnen höchst persönlich jeden Tag eine neue Auswahl an Zeitschriften, Filmen und Drinks offerieren! Mal schauen, wie diese Idee ankommt!

  • Mama am 04.06.2019 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langeweile

    Meine Kids, 12 und 14, langweilen sich bei so vielen Ferien. Somit geben wir jährlich über CHF 6000 zusätzlich aus für Sprach- und Sportcamps. Sie würden gerne Sackgeld verdienen und arbeiten, wie wir das damals durften, leider heute verboten :( und ich kann auch nicht jedes Jahr ohne mein Mann über 14 Wochen alleine mit den Kindern in den Urlaub fahren, dann vermissen sie den Papa wieder...

    • Emil B. am 04.06.2019 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mama

      Es gibt doch auch die Pfad! Die Pfadilager waren jeweils toll. Da war da noch Ferien bei Verwandten. Zu meiner Zeit hatte man noch Fantasie zum spielen. Hütten bauen und vieles andere mehr. Es war nie langweilig.

    • pmeyerc am 04.06.2019 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mama

      Sie können ja selber etwas unternehmen und den Kindern was bieten - für die Kinder ist es doch am Schönsten innerhalb der Familie - ziehe da Parallelen zu allem anderen - wo leben wir da eigentlich ...

    • auch Mama am 05.06.2019 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mama

      Oh jeee, arme Kids... wie haben wir bloss früher überlebt? Scherz beiseite: Mein Sohn hat nie Langeweile. Abmachen mit Freunden, Fussball spielen, lachen und quatschen, eine Velotour unternehmen, in die Badi gehen, mit Haustier beschäftigen, Monopoly spielen, etwas lesen, ins Kino gehen, ein Instrument üben, Ferienpassangebote benutzen, einfach mal faulenzen und nix tun bis man selber wieder eine Idee hat.... waaaas? Die Ferien sind schon rum obwohl wir Zuhause geblieben sind?

    • Luna am 05.06.2019 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mama

      6000 Franken in einem Jahr für 2 Kinder? Wahnsinn! Wir waren mehr Kinder war immer lustig haben was unternommen. Ferienkinder aus Behinderteheime immer wieder! Wir waren noch mit kleinen Erlebnisse zufrieden! Und haben andere glücklich gemacht

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