Streit um Reform

28. Juni 2011 11:12; Akt: 28.06.2011 11:44 Print

Bauern wollen neues System abschiessen

Der Bauernverband lässt seine Kräfte spielen und setzt den Bundesrat unter Druck. Ohne «massive Korrekturen» droht der SBV mit einer Rückweisung der neuen Agrarpolitik 2014 - 2017.

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Der Bauernverband und Economiesuisse haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es mit der Schweizer Landwirtschaft weitergehen soll. Während sich der Wirtschaftsdachverband klarer an den Zielen der Verfassung orientieren möchte, wollen die Bauern vor allem ihr Einkommen halten.

Der wirtschaftliche Druck auf einem Grossteil der Betriebe sei riesig. Die Bauern fühlten sich verunsichert und bangten um ihre Zukunft, sagte Bauernverbands-Präsident Hansjörg Walter am Dienstag vor den Medien in Bern. Die Korrekturen, die er an der Agrarpolitik 2014-2017 verlangt, zielen darum vor allem auf die «Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen» der Bauern.

In der Vernehmlassung fordert der Schweizerische Bauernverband (SBV) etwa deutlich höhere Versorgungssicherheitsbeiträge. Diese machen gemäss Entwurf des Bundesrats bereits knapp 40 Prozent der Direktzahlungen aus. Bezahlt werden sie allein dafür, dass die Bauern ihr Land weiterhin bewirtschaften, um im Fall von Engpässen die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen zu können.

Mythos Ernährungssicherheit

Für Economiesuisse handelt es sich dabei um «nicht verfassungsmässige Subventionen». In ihrer heutigen Struktur könne die Landwirtschaft ohnehin keine Versorgungssicherheit schaffen: Der Grad der Selbstversorgung liege je nach Berechnungsart nicht über 20 Prozent, die Ernährungssouveränität der Schweiz sei eher ein «Mythos».

Die Versorgungssicherheitsbeiträge dienen laut Economiesuisse vielmehr der Einkommenssicherung und führen zu einer «versteckten Fortführung des bisherigen Systems». Für den SBV dagegen gehen die Reformen schon viel zu weit. Stossend ist für ihn vor allem, dass rund ein Viertel der Direktzahlungen als so genannte Anpassungsbeiträge ausgerichtet werden sollen.

SBV befürchtet Rückgang der Produktion

Diese sind nicht an eine bestimmte Leistung gebunden, sondern sollen drohende Einkommenseinbussen in der Landwirtschaft in den nächsten Jahren abfedern. Sie sollen nach und nach abgebaut und in leistungsbezogene Beiträge umgeleitet werden. Der SBV vermisst dabei die «Planungssicherheit» und befürchtet einen Rückgang der Produktion.

Die Milch- und Fleischproduktion sieht er zusätzlich durch die Abschaffung der Tierbeiträge bedroht. Unter anderem auf diesem Weg will der Bundesrat den Ackerbau gegenüber der Viehwirtschaft stärken, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Für den SBV bedeutet dies jedoch im Gegenteil eine «Schwächung der produzierenden Landwirtschaft».

Der Bauernverband kritisiert auch die zusätzlichen ökologischen Anforderungen, «nachdem bei der Ökologie bereits bedeutende Fortschritte erzielt wurden». Economiesuisse dagegen bestreitet, dass in Sachen Ökologie in den letzten 15 Jahren überhaupt etwas erreicht wurde.

Bauern wollen mehr Geld

Bei so gegensätzlichen Einschätzungen erstaunt es nicht, dass auch die finanziellen Forderungen unterschiedlich ausfallen: Während der SBV zum geplanten Globalbudget hinzu einen Ausgleich der Teuerung und Mittel für die Abgeltung zusätzlicher Leistungen verlangt, will Economiesuisse die Beiträge kürzen und nur die in der Verfassung festgeschriebenen Aufgaben entlöhnen.

In der vorgeschlagenen Form dienten einige der Instrumente der Agrarpolitik 2014-2017 jedoch bloss dazu, den Besitzstand der Bauern zu wahren, schreibt Economiesuisse. Aus politischen Gründen wolle der Bundesrat vor allem die Beiträge an die Landwirtschaft gleich hoch halten.

Derart begünstigt sieht sich der Bauernverband nicht und droht, die Vorlage im Parlament zu versenken, wenn nicht noch «massive Korrekturen» vorgenommen würden. Die Botschaft hat der Bundesrat für das letzte Quartal dieses Jahres in Aussicht gestellt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jon Manser am 28.06.2011 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Mächtiger Bauernverband

    Der Bauernverband "droht die Vorlage zu versenken"? Bei solchen Worten muss man sich schon die Frage stellen, weshalb dieser Verband "armer" Bauern im Parlament offenbar so viele Stimmen auf seiner Seite weiss. Aber es ist wahrscheinlich einmal mehr die SVP (wie schon bei der Atomlobby), die hier keine Lösungen anstrebt, sondern ihren Schäfchen Geld zuscheffelt. Aber dann gegen die Sozialfälle wettern - die haben ja zum Glück keine Lobby.

  • Bile am 28.06.2011 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Lobbyarbeit & SVP

    Leider sind die Bauern durch ihre intensive Lobbyarbeit sehr gut in der Politik vertreten, besonders bei der SVP. A sich ist die Situation absurd, die SVP wettert jahrein jahraus über Sozialfälle etc, dabei sind Subventionen nichts anderes als Sozialabgaben. Die meisten Bauern könnten aber ohne Subventionen doch nicht überleben; ich bin auf dem Land aufgwachsen und musste feststellen, dass es sehr grosse Unterschiede gibt, zwei Bauernfamilien bei uns im Dorf lebeten nahe am existenzminimum während ein anderer Bauer Millionär geworden ist -> die Direktzahlungen wie sind nicht gerade fair...

  • S.Schaberl am 28.06.2011 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung für staatliche Erzeugnisse

    Wir leben in einem sehr kleinen Land, wo (nebst einmalig hohen Direktzahlungen) intensive TV&Plakat-Werbung für genügend Absatz von Milch und Butter geschalten werden müssen. Das sagt eigentlich schon alles.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Abbas Schumacher am 29.06.2011 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Immer andere Subventionsbestimmungen!

    Der Bauer hat ein Büchlein, darin steht geschrieben, was wieviel für was an Subvention bezahlt wird. Also realisiert er, was für ihn am meisten rentiert. z.B. ein Kirschhochbaum bringt Geld, ob er die Kirschen erntet oder nicht! Nur bei diesem schnellen Wechseln von Subventionierungen kommt er nicht mehr mit. Kostet ja auch das Wechseln von einem Subventions-System zum Anderen.

  • Martin Habegger am 29.06.2011 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Bauern ist nicht gleich Bauernverband!

    Es ist klar, dass sich der Bauernverband gegen die Reform eingeschossen hat, weil seine Klientel, die ohnehin wirtschaftlich gut gebetteten Grossbetriebe im Mittelland, von den bisherigen Subventionen am meisten profitierten. Der Bauernverband vertritt denn auch längst nicht alle Bauern! Es gibt viele wichtige weitere Bauernorganisationen, welche die Reform begrüssen und endlich eine gerechtere Verteilung der Gelder wollen. Warum kommen die nicht zu Wort? Es gibt immerhin IP-Suisse, Kleinbauernvereinigung, Bio-Suisse und so weiter!

  • Abbas Schumacher am 29.06.2011 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Immer andere Subventionsbestimmungen!

    Der Bauer hat ein Büchlein, darin steht geschrieben, was wieviel für was an Subvention bezahlt wird. Also realisiert er, was für ihn am meisten rentiert. z.B. ein Kirschhochbaum bringt Geld, ob er die Kirschen erntet oder nicht! Nur bei diesem schnellen Wechseln von Subventionierungen kommt er nicht mehr mit. Kostet ja auch das Wechseln von einem System zum Anderen.

  • Landleben am 29.06.2011 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Die ganzen Besserwisser

    Anders betrachtet,bekommen die Bauern für Ihre Landschaftspflege Lohn. Mit Recht.Wir wollen alle Ski fahren,biken,wandern,joggen picknicken usw.in gepflegter Natur.Alles ist strenge Arbeit nebst den Tieren und dem Stall. Die Stadtarbeiter haben den Lohn für die Pflege der Beete und den Sportplätzen auch aus den Steuergeldern und die arbeiten 5 Tg/Wo + Ferien.Die ganzen nicht Bauern,schaut doch einmal in die Buchhaltung eines Bergbauern, dann ist schnell klar was Ende Jahr bleibt. Geht doch mal zum Bauer arbeiten.Oder seid ihr zu faul für 7-10 Fr./Std zu arbeiten? Bei den Subventionen???

    • peter am 29.06.2011 08:59 Report Diesen Beitrag melden

      schöne worte....

      es sind nicht alles bergbauern, die grossen subventionsbeträge bekommen die flachlandbauern, die mit hilfe von überdimensionierten maschinen die felder mit wenig aufwand bearbeiten. die landschaftspflege zb. wanderwege werden nun wirklich nicht von den bauern besorgt, dass sind die gemeinden oder freiwillige zb. vom sac. nicht mit fremden federn schmücken, bitte...

    • dixi am 29.06.2011 09:18 Report Diesen Beitrag melden

      Jammern jammern ....

      Immer wird gejammert.... Wenn es euch nicht gefällt dann werdet nicht Bauer! Zudem sollten Sie mal den Artikel richtig lesen! Vergütungen für Landschaftspflege sollen bestehen bleiben, aber der Rest soll leistungsorientierter werden, und das ist gut so!

    • arbeiterin am 29.06.2011 12:01 Report Diesen Beitrag melden

      einfach lachhaft

      Ha Ha und wo sollen wir mit dem ganzen Gras und Heu hin wenn wir keine Tiere mehr halten?? Leistung erbringen wir schon genug. PS: Wir jammern gar nicht sondern ihr habt ja anscheinend Probleme mit den Beiträgen die wir erhalten.

    • Landleben am 29.06.2011 12:06 Report Diesen Beitrag melden

      Falsche Behauptungen

      Lieber Peter. Einfach mal raus in die Natur und dann wird schnell klar dass die Natur aus Hügeln und Bergen besteht. Wer die wohl pflegt? Die Maschine von selber? PS. die privaten Wege werden von uns selber bezahlt und unterhalten. Nur zu Deiner Information... Viel Spass beim Wandern.

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  • momo am 28.06.2011 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz Jahr Job

    eine frage an die ,die nicht schöne Worte an die Bauern haben.Würdert ihr gern mal Bauer sein?wisst ihr eigendich was das bedeutet und wie viel Arbeit das ist!Da gibt es keine 41.Std.Woche und kein Wochenende.es würde auch keine Schweiz geben seit 1291,wenn sie nicht zusammen gestanden wären.Wir Leben von ihnen in sehr vielem.Es gibt sehr viele Bereiche ,auch solche die nur Gemüse,Obst u.s.w anbauen.Es ist nicht nur ein Job,wen du das machst bis du das mit Leib und Seele.Es gibt viel mer Leute die nicht bauern als Bauern selbst. Bitte ;machr nicht das es noch weniger gibt.

    • peter am 29.06.2011 08:08 Report Diesen Beitrag melden

      früher - heute

      früher haben die bauern ihr feld mit einem kleinen traktor bearbeitet, heute fahren sie mit 150'000.-Fr!!! monstern herum, brauchen einen bruchteil für die arbeit. gemolken wird nicht mehr von hand, macht alles eine maschine. wen sie ferien machen wollen bekommen sie einen ersatz für diese zeit. früher war bauer zu sein ein harter job! aber heute ist das nicht mehr so. nur das jammern und die "ohne uns sprüche" sind geblieben...

    • Realist am 29.06.2011 13:15 Report Diesen Beitrag melden

      früher-heute

      Wir brauchen die Maschinen, weil wir uns ständig vergrössern müssen. Früher hat mein Nachbar 6 ha Land besorgt. Heute machen wir das 4-5 Fache. Früher hatte man 6 oder 10 Kühe Heute um die 30 oder oder 40. Also ist von Hand melken gar nicht mehr möglich. Ferien kennen wir nicht. Ich kann keinen Arbeiter für diese Zeit bezahlen. Und um unsere Rechnungen zu begleichen gehen wir noch nebenbei arbeiten. Also schön fair bleiben bitte...

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