Ausländische Fussballer

27. September 2013 10:33; Akt: 27.09.2013 17:07 Print

Beamte verhindern Transfers von Talenten

von Simon Hehli - Das Bundesamt für Migration legt die Latte bei der Verpflichtung von ausländischen Fussballtalenten hoch. Nun hoffen die Vereine auf Hilfe aus der Politik.

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Veljko Simic (18) ist eines der grössten Talente im serbischen Fussball – er steht beim FC Basel unter Vertrag. Der Schweizer Meister spielt am Dienstag gegen Schalke. Doch Simic kann von Einsätzen in Champions League und Schweizer Liga nur träumen: Der U-19-Nationalspieler hat vom Bundesamt für Migration (BFM) keine Arbeitsbewilligung erhalten.

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Sollen die Kriterien für die Verpflichtung von Fussball-Talenten aus dem Nicht-EU-Raum gelockert werden?
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Grund dafür sind die restriktiven Regeln für Ausländer, die nicht aus dem EU-Raum stammen. Um einen Drittstaatenbürger anstellen zu können, muss der Arbeitgeber belegen, dass es sich um eine qualifizierte Fachkraft handelt. Für Berufssportler legt das BFM diese Latte hoch: Sie müssen solide Wettkampferfahrung auf internationalem Niveau vorweisen können – konkret «mindestens dreijährige Erfahrung in einer der obersten Ligen» des Heimatlandes, wie es in den Weisungen des BFM heisst.

«Holen nur ausserordentlich talentierte Spieler»

Diese Bedingungen kann ein 18-Jähriger kaum erfüllen. Der FCB hat den Entscheid des BFM denn auch angefochten. Weil der Rekurs hängig ist, wollen sich die Basler nicht weiter zum Fall Simic äussern. Doch Klubpräsident Bernhard Heusler lässt auf Anfrage durchblicken, dass er die Bestimmungen des BFM für nicht sehr zweckmässig hält.

Das BFM folgt dem Grundsatz, dass Personen aus Nicht-EU-Ländern keine Schweizer verdrängen oder zu Dumpinglöhnen arbeiten sollen. Jurist Heusler findet jedoch, dass die Situation im Profisport nicht mit anderen Bereichen des Arbeitsmarktes zu vergleichen sei. Er verweist darauf, dass die Vereine nicht mehr als fünf Ausländer ohne EU-Pass aufs Feld schicken dürfen. «Deshalb holen wir aus solchen Ländern nur ausserordentlich talentierte Spieler. Wir haben schlicht keinen Anreiz, Geld für Ausländer auszugeben, die wir gar nie einsetzen können», so Heusler.

Grundsätzliches Problem für Klubs

Sollte der FCB mit seinem Rekurs unterliegen, könnte der Schweizer Fussball ein grundsätzliches Problem bekommen, wie die «Tageswoche» schreibt. Denn das Verpflichten blutjunger Ausländer mit dem Ziel, sie irgendwann mit Gewinn weiterzuverkaufen, gehört zum Geschäftsmodell der Schweizer Ausbildungsliga (siehe Box).

Die anderen Vereine verfolgen den Fall Simic deshalb sehr aufmerksam. YB-Sportchef Fredy Bickel hält die Weisungen des BFM für unglücklich. Sein Kollege bei GC, Dragan Rapic, betont, die Klubs würden durch die Regelung bei der Suche nach Talenten stark eingeschränkt: «Unsere einzige Chance, auf dem internationalen Spielermarkt zu bestehen, ist, dass wir durch Scouting Ausnahmetalente entdecken, bevor es die Konkurrenz tut.»

Gambia-Talent durfte nicht kommen

Es habe Fälle gegeben, bei denen GC einen solchen Spieler verpflichten wollte, aber wegen der Gesetzgebung davon absehen musste, erzählt Rapic. 2007 gingen die Grasshoppers bis vor Bundesverwaltungsgericht, um gegen den Willen des BFM eine Arbeitsbewilligung für den gambischen Stürmer Momodou Ceesay zu erzwingen – vergeblich. Ceesay spielt nun bei einem kasachischen Spitzenverein und schoss in bisher fünf Saisonspielen vier Tore.

Das BFM betont, für Berufssportler im Alter von 18 bis 21 Jahren könnten die Anforderungen heruntergeschraubt werden: Ein Jahr regelmässige Einsätze in der ersten Mannschaft reichten. Doch selbst dieses Entgegenkommen hilft laut Rapic wenig: «Es gibt gute 18-Jährige, die noch nicht regelmässig in der ersten Mannschaft ihres Stammklubs zum Einsatz gekommen sind.» Das trifft auch auf Veljko Simic zu, den Roter Stern Belgrad wegen des eingefädelten Transfers nach Basel nicht ins Profikader aufnahm.

Fussballfans im Parlament schütteln den Kopf

Rapic appelliert an die Politik, die Regeln zu entschärfen und eine Lösung zu finden. Die Bereitschaft dafür scheint gross – gerade unter den Fussballfans im Parlament. Der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner hält die Haltung des BFM für «blödsinnig». Er will aktiv werden, sobald sich FCB-Chef Heusler bei ihm melde. Es sei im Sinne der SVP, dass jene Ausländer kommen sollen, welche die Schweiz wolle – «Und Simic wollen wir ja weiss Gott!»

Silvia Schenker (SP) und Markus Lehmann (CVP) – wie Frehner Basler Nationalräte und eingefleischte FCB-Fans – finden ebenfalls, das BFM solle weniger kleinlich sein. «Ein Vorstoss in die Richtung würde sicher auch in der CVP eine Mehrheit finden», so Lehmann. Es gebe ja keine vernünftigen Gründe für die restriktive Haltung des BFM. Noch deutlicher wird GC-Fan Toni Bortoluzzi (SVP): «Das BFM statuiert unnötigerweise in einem Einzelfall ein Exempel, statt die wahren Probleme der Zuwanderung anzugehen.»

Würde Kontingentlösung helfen?

Alle sind sich einig: Es gehe nicht darum, die unteren Ligen mit billigen ausländischen Spielern zu überfluten. GC-Sportchef Rapic schlägt vor, dass die Schweiz die Arbeitsbewilligungen wie England handhabt: «Man könnte pro Saison ein Kontingent von 10 oder 20 jungen Spielern aus Drittstaaten zulassen.» Die Klubs könnten begründete Gesuche stellen, warum sie ein Talent verpflichten wollen – und ein neutraler Ausschuss würde das Gesuch beurteilen.

Bei Veljko Simic, den auch Klubs wie Ajax Amsterdam oder Juventus Turin jagten, spricht wenig dagegen, dass er als ausgewiesene Fachkraft durchgehen würde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Weber am 27.09.2013 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bürokraten!

    Diese Bestimmungen wurden warscheinlich von reinen Bürokraten festgelegt. Absolute Fussballlaien. Man kann doch Sportler nicht in den gleichen Topf werfen wie Bürolisten! Da kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln!!!

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  • Yves Schneider am 27.09.2013 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Paragraphenreiterei durch Beamte

    Das ist doch normal, irgendwo sitzen Beamte, die über Massnahmen verfügen, buchstabengetreu nach Gesetz und Paragraph. Nur diese Beamten haben von der Realität keine Ahnung. Sie leben in ihrem goldenen Käfig. Dies gilt nicht nur für den Sport, genau so ist es auch in geschäftlichen Belangen.

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  • uncharted lands am 27.09.2013 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    uncharted

    Ach ja, alles darf rein und sogar noch Sozialleistungen kassieren - aber Talenttranfers, welche zu Mehreinnahmen durch hohe Steuerbeiträge führen, werden verhindert. Hallo liebe Beamte: Wenn ihr keinen Sinn für Logik habt, dann solltest ihr sofort kündigen. Handelt im Sinne des Volkes...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Klardenkender Fussballfan am 28.09.2013 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Genug eigene Talente

    Wir haben hier genug eigene Talente (Schweizer) und brauchen daher keine Ausländischen zu importieren. Wenn die eigenen Talente entsprechend gefördert werden sind wir absolut konkurrenzfähig. Auch wir haben Ronaldhinios, Maradonas etc., aber die Klubs mit ihren millionenteuren Budgets müssen diese selber fördern. Die ausländischen Talente sollen in ihren Ländern gefördert und bezahlt werden.

  • Bergli am 28.09.2013 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    auch für Fussballclubs

    Menschenhandel ist eben untersagt.

  • uncharted lands am 27.09.2013 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    uncharted

    Ach ja, alles darf rein und sogar noch Sozialleistungen kassieren - aber Talenttranfers, welche zu Mehreinnahmen durch hohe Steuerbeiträge führen, werden verhindert. Hallo liebe Beamte: Wenn ihr keinen Sinn für Logik habt, dann solltest ihr sofort kündigen. Handelt im Sinne des Volkes...

    • Basler Bepi am 28.09.2013 14:40 Report Diesen Beitrag melden

      ach ja?

      sofern diese in der Schweiz wohnen - was im Falle Basel fraglich ist.....

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  • Kicker am 27.09.2013 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    War bisher sowieso ein absoluter Witz. Spielte ein Spieler mal in einer Nationalmannschaft, bekam er erleichtert die Bewilligung. Also jeder Spieler der es vielleicht mal in eine Juniorenauswahl geschafft hat, wurde hier zum arbeiten zugelassen. Und das nur zum "Wohle" des Sportes. Bin auch Fussballfan, aber auch Fussballer sind schlussendlich Arbeitnehmer wie jeder andere auch. Da sollen die gleichen Hürden gelten.

  • Marco Weber am 27.09.2013 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Bürokraten!

    Diese Bestimmungen wurden warscheinlich von reinen Bürokraten festgelegt. Absolute Fussballlaien. Man kann doch Sportler nicht in den gleichen Topf werfen wie Bürolisten! Da kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln!!!

    • Roger am 27.09.2013 20:24 Report Diesen Beitrag melden

      Ehmm und wieso

      Soll dies nicht gehen? Sportler sind Angestellte wie andere auch und in Basel ist nicht der FCB die Firma mit einem internationalen Spitzenranking sondern die Roche und die Novartis.

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