Forderungen für Bundesbeamte

05. September 2018 05:36; Akt: 05.09.2018 07:59 Print

6 Extras sollen Beamten den Job versüssen

von B. Zanni - Mehr Vaterschaftsurlaub, mehr Minusstunden: Die Personalverbände des Bundes haben eine lange Wunschliste. Bürgerliche Politiker finden das dreist.

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Mit einem dicken Forderungskatalog gelangen die Personalverbände der Bundesbeamten an die Bundeskasse.«Den Bundesfinanzen geht es glänzend», schreibt die Verhandlungsgemeinschaft Bundespersonal VGB, deren Personalverbände die meisten Bundesangestellten angehören, am Dienstag in einer Mitteilung. Für 2018 und 2019 würden weitere Überschüsse in Milliardenhöhe prognostiziert. Laut VGB ist es deshalb «höchste Zeit, in eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familienarbeit zu investieren».

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Im Rahmen einer Kampagne verlangt die VGB vom Bundesrat Folgendes:

• Für die Betreuung von kranken Angehörigen soll ein bezahlter Urlaub von bis zu vier Monaten gewährt werden.
• Junge Mütter und Väter sollen von einem Elternurlaub von zwei Monaten zusätzlich zum Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub profitieren können.
• Die Jahresarbeitszeit wird zugunsten des Mitarbeitenden flexibler ausgestaltet, nicht nur der Positivsaldo, sondern auch der Negativsaldo darf Ende Jahr bis zu 50 Stunden betragen.
• Alle Angestellten sollen ihr Pensum auf 60 Prozent reduzieren dürfen, aber sie haben auch das Recht, von vorübergehender Teilzeit in ein Vollzeitpensum zurückzukehren.
• Bei Mutterschaftsabsenzen und anderen längeren Abwesenheiten werden befristete Ersatzstellen geschaffen, um die anderen Mitarbeitenden zu entlasten.
• Home Office wird ermöglicht und klar geregelt, und Arbeit auf dem Arbeitsweg wird angerechnet.

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«Sollen die Mitglieder beim Bund arbeiten?»

«Solche Massnahmen sind keineswegs überrissen, sie gelten heute schon in fortschrittlichen Unternehmen und Institutionen», hält die Verhandlungsgemeinschaft fest. Für bürgerliche Finanzpolitiker hat die VGB die Grenze überschritten. «Ich überlege mir gerade, ob die VGB überhaupt noch will, dass ihre Mitglieder beim Bund arbeiten oder nur noch Ferien machen», sagt SVP-Nationalrat Thomas Matter. Würde die Schweizer Wirtschaft diese Forderungen einführen, wäre sie nicht mehr konkurrenzfähig. «Auch Bundesangestellte müssen sich an der Wirtschaft orientieren.»

Laut Matter beklagen sich die Bundesangestellten auf hohem Niveau. «Der durchschnittliche Bundesbeamte verdient im Schnitt pro Jahr rund 125 000 Franken – sogar mehr als der durchschnittliche Bankangestellte.» Zudem profitierten Bundesbeamte oft von mehr als fünf Wochen Ferien und einer der komfortabelsten Pensionskassen. «Die Personalkosten sind zwischen 1999 und 2015 bereits explodiert. Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler den Luxus des Bundespersonals bezahlt.» Ansonsten drohe eine Zweiklassengesellschaft.

«Das klingt wie Weihnachten und Ostern miteinander»

Auch für FDP-Nationalrat Beat Walti sprengen die Forderungen den Rahmen.«Das klingt wie Weihnachten und Ostern miteinander», kritisiert er. Die VGB betreibe Rosinenpickerei. «Die VGB beruft sich auf den fortschrittlichen Arbeitsmarkt, während Bundesangestellte aber von einer viel günstigeren Ausgangslage als Angestellte auf dem privaten Arbeitsmarkt profitieren.» Laut Walti gibt es zudem keinen Grund, am Geldtopf des Bundes zu naschen. «Die Überschüsse sind keine wiederkehrenden Ereignisse, sondern eine Folge der momentanen Zinssituation.» Dem Bundeshaushalt gehe es strukturell nicht so gut wie von der VGB dargestellt.

Unterstützung erhält die VGB hingegen von Corrado Pardini, Finanzpolitiker (SP) und Leiter des Sektors Industrie bei der Gewerkschaft Unia. «Der Bund täte gut daran, alle Forderungen umzusetzen», sagt er. Dies wäre vor allem in dessen Eigeninteresse. «Will der Bund attraktiv bleiben und die besten Leute rekrutieren, ist er früher oder später gezwungen, gerade die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern.»

Auch ein Negativsaldo von 50 Stunden sei überblickbar. «Klar ist, dass die Flexibilität nicht so gross werden darf, dass die Angestellten mehrere 100 Stunden im Minus liegen», so Pardini. Für ebenso richtig hält er, die Arbeit auf dem Arbeitsweg anzurechnen. «Sobald man Arbeit zur Verfügung stellt, läuft die Arbeitszeit.» Würde der Bund diese Forderungen umsetzen, nähme er auch seine Vorbildfunktion für die anderen Arbeitgeber wahr. Zu Unrecht werde manchmal behauptet, Bundesangestellte würden vor allem eine ruhige Kugel schieben. Pardini stellt klar: «Die Verwaltungsangestellten in der Schweiz sind Weltmeister der Effizienz.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pragmatiker am 05.09.2018 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Der Bund zahlt es ja nicht...

    ...sondern wir Steuerzahler.

    einklappen einklappen
  • Kingdingeling83 am 05.09.2018 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Forderungen

    Weltmeister der Effizienz, ich lach mich kabutt. Zuerst brauch das arbetende Volk mehr und nicht die Leute die nur verwalten.

    einklappen einklappen
  • Martin Brändle am 05.09.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    Noch mehr Schoggi-Leben für Beamte???

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franzl am 06.09.2018 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Zweiklassengesellschaft IST Realität

    Die Zweiklassengesellschaft IST bereits Realität. Heute wird man nur noch abgezockt, ich habe mich bereits daran gewöhnt.

  • Peti am 05.09.2018 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    VGB Luxus-Wunschliste

    Ich überlege mir, ob der VGB überhaupt WILL, dass seine Mitglieder beim "Bund" arbeiten oder nur noch Ferien machen sollen! Schliesslich würde nur der Steuerzahler-Sklave diesen Luxus des Bundespersonals zahlen.

  • Babbsi am 05.09.2018 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Klar doch ...

    Die Gesetzgebung steht (auch ebnet der Grenze). Formulare und Verträge braucht es. Doch diese werden ja nicht gerne erstellt (Papierkram). Stimmt etwas nicht, kann es einige Zeit dauern bis die Änderungen dann vorliegen. Es wird allerdings dann erwartet, dass die Behörde dann bereits am gleichen Tag reagiert. Wenn man also weniger Personal bei Behörden fordert darf davon ausgegangen werden, dass die Unternehmen selber entsprechend investieren dürfen.

  • Alfred am 05.09.2018 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklichkeit

    Nach ein paar Jahre hat es mir gereicht mit faulen Leuten zu arbeiten, die meiste melden sich krank für ein Ja und nein, machen nicht einmal die Hälfte der Arbeit und sind permanent überfordert, eine Frechheit

  • keine am 05.09.2018 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    worte

    ich wär froh wenn ich für 3000 netto 100% irgendwo arbeiten dürfte... seufz