Intransparenter Geldfluss

17. April 2016 13:13; Akt: 17.04.2016 13:47 Print

Behörden nehmen Basler Moschee unter die Lupe

Die Stiftungsaufsicht des Bundes will die Geldflüsse der Basler Faysal-Stiftung prüfen. Man habe keine Geheimnisse, entgegnet Geschäftsführer Nabil Arab.

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Wegen der Handschlag-Affäre an einer Therwiler Sekundarschule ist die Basler Faysal-Moschee ins Visier der Behörden geraten. Der Vater der beiden Schüler, die ihrer Lehrerin nicht die Hand reichen wollen, amtet dort als Imam.

Die Eidgenössische Stiftungsaufsicht untersucht nun, woher die Spenden der König-Faysal-Stiftung, welche die Moschee finanziert, kommen. Ausserdem prüft sie ob die Gelder dem Stiftungszweck entsprechend eingesetzt werden. Das schreibt die «NZZ am Sonntag» und bezieht sich auf «zuverlässige Quellen». Die Sprecherin des Innendepartements, zu dem die ESA gehört, wollte sich mit Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht dazu äussern. Auch die Bundesanwaltschaft soll sich über die Stiftung erkundigt haben, schreibt die Zeitung weiter. Man führe «kein Verfahren in diesem Zusammenhang», sagt Sprecher Anthony Brovarone.

Moschee steht seit Jahren in der Kritik

Die Moschee sieht sich schon seit Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert, einen fundamentalistischen Islam zu vertreten und radikales Gedankengut zu fördern. Auch die intransparente Finanzierung wurde mehrfach kritisiert. Weil die Stiftung verschiedentlich in Verbindung mit extremistischen Gruppierungen genannt worden ist, soll geklärt werden, ob die Spenden wirklich nur in den Moscheebetrieb fliessen.

Die Faysal-Stiftung will der Aufsicht alle Geldflüsse offen legen, sagt Geschäftsführer Nabil Arab der Zeitung. Die Moschee lebe allein von den Spenden der rund 200 Gläubigen und werde nicht mehr wie früher mit Beiträgen aus Saudiarabien subventioniert, sagt er. Auf Druck der USA seien damals Bankkonten gesperrt worden, über die Geld von Saudiarabien an die Stiftung geflossen sei. Man deklariere alle Spenden und handle gesetzeskonform, betont Arab.

Saudis finanzieren Schweizer Moscheen

Auch wenn die Basler Moschee vom Golfstaat kein Geld mehr erhält, finanziert Saudiarabien nach wie vor Schweizer Moscheen, wie der saudische Prinz Turki bin Faisal Al Saud im Januar gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» bestätigte. So sollen etwa die Grande Mosquée in Genf sowie die Moschee-Stiftung in Luzern Geld erhalten. Auch der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) soll laut der Quelle vom Golfstaat profitieren, schreibt die «NZZ am Sonntag».

Dieser soll schon in der Vergangenheit versucht haben, Einfluss auf die Basler Moschee zu nehmen, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Für den IZRS ist sie interessant, weil das Besucheraufkommen gross ist und nicht nur Mitglieder Zutritt haben. Schon vor drei Jahren bot er der Moschee seine Hilfe an, als es mit Anwohnern zu Konflikten kam. Auch in der Händedruck-Affäre mischte sich der IZRS ein. Ein Vertreter erschien zum Gespräch mit der Schulleitung, als die Medien noch gar nicht über den Fall berichteten.

Die mangelnden Deutschkenntnisse des Imams der Moschee erschweren eine Abgrenzung von Extremisten. Unterstützung erhält Arab von Spetim Dauti, der in einer Studie der ETH über die Radikalisierung von Muslimen in der Schweiz genannt wird. Der frühere Jus-Student aus Basel fungiert nun als Übersetzer.

(pat)