Marienkäfer-Invasion

28. Oktober 2015 23:20; Akt: 29.10.2015 09:08 Print

Bei Ihnen könnten 1000 Glücksbringer überwintern

Leser melden derzeit eine regelrechte Invasion von Marienkäfern. Laut Insektenexperte André Mégroz sind sie auf der Suche nach einem Winterquartier.

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** ARCHIV ** Undatiertes Foto zeigt asiatische Marienkaefer auf einer Wand in Frankreich. Frankreich wird von einer Invasion der asiatischen Marienkaefer heimgesucht. Die roten Laeusefreser ueberschwemmen Haeuserfassaden, krabbeln durch Fenster- und Tuerritzen, bedrohen die Artenvielfalt und bereiten den Winzern Bauchgrimmen. (AP Photo/Stephane Mainsant) ** NO SALES ** (Bild: Keystone/AP/Stephane Mainsant)

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«Es ist gewaltig. Sie fliegen in die Haare und kleben an den Kleidern. Zu Hause muss ich mich derzeit richtig ausschütteln.» Das sagt Fred Schranz, wohnhaft in Bäriswil BE. Die Rede ist von Marienkäfern. Im Waldrand der Gemeinde schwirren derzeit Tausende durch die Luft. «Es ist ganz extrem. Bekannte von uns haben gesagt, sie können momentan nicht einmal ihren Wintergarten öffnen.» Und: «Wir haben das noch nie in dieser Menge gesehen.»

Auch in anderen Gebieten sei der Marienkäfer gerade in Schwärmen anzutreffen. Ein Leser aus dem Kanton Zürich ergänzt: «Ich hatte kürzlich einige in meiner Wohnung, was sonst nicht vorkommt. Wenn ich draussen bin, lassen sich auch mehr auf mir nieder.» Das störe ihn allerdings überhaupt nicht. «Es sind ja Glücksbringer», so der Zürcher.

Insektenforscher André Mégroz weiss die Ursache für das Phänomen: «Sie suchen einen Platz zum Überwintern. Dann tun sich die Einzelgänger zu grösseren Gruppen zusammen und kommen auch gerne in Wohnungen.»

Für Menschen harmlos

Mégroz vergleicht das Phänomen mit Zugvögeln, die sich im Herbst auf den Weg Richtung Süden machen. Die Marienkäfer suchen sich stattdessen einen Überwinterungsplatz in der Nähe. Sobald sie diesen gefunden hätten, sei der Spuk wieder vorbei.

Der Experte erklärt, dass die Käfer für den Menschen harmlos sind. Während des Winters würden sie in der Wohnung auch nicht herumfliegen. «Es kann sein, dass auch mal 1000 Marienkäfer in einer Wohnung, im Gartenhaus oder an einem anderen geschützten Ort überwintern. Einige sterben normalerweise, die anderen verschwinden im Frühling wieder.»

Der Asiatische Marienkäfer breitet sich aus

Derzeit sei besonders der Asiatische Marienkäfer aktiv. «Er ist etwas grösser als der Einheimische und kann in verschiedenen Farben auftreten, etwa rot mit hellen Punkten oder schwarz mit roten Punkten.» Wie die einheimische Art ernähre er sich von Läusen. Sei jedoch zu wenig Nahrung vorhanden, könne er auch die Eier von den hiesigen Marienkäfern fressen und verdränge ihn so, sagt Mégroz.

Ausserdem werde der asiatischen Art nachgesagt, dass sie dem Wein durch ihre Aussonderungen (Hämolymphe) einen gewissen Beigeschmack gebe, wenn sie in grösserer Zahl in Rebbergen vorkämen und nach der Ernte mitverarbeitet würden. «Allerdings bedarf es dazu einer sehr grossen Zahl von mitverarbeiteten Käfern.»

Der Asiatische Marienkäfer tauchte vor rund zwölf bis fünfzehn Jahren erstmals in freier Wildbahn in Europa auf. Die Käfer wurden einige Jahre früher von verschiedenen Ländern importiert und als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel in Treibhäusern verwendetet, so Mégroz. «Irgendwann entwischten einige von ihnen und begannen sich in ganz Europa rasant zu verbreiten.»

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sabrina Chilling am 28.10.2015 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt her ihr Kinderlein...

    Biete mein Reich an... jeder kann doch ein wenig Glück im Leben gebrauchen :)

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  • m.b. am 28.10.2015 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    überall

    wir haben seit wochen jeden tag welche in der wohnung. bei uns sind sie in den fensterrahmen. mich persönlich stören die tierchen nicht und für meine katzen ist es auch sehr interessant.

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  • Insektenphobikerin am 28.10.2015 23:35 Report Diesen Beitrag melden

    awww

    Der einzige Käfer den ich härzig finde...bei allen anderen gruused es mich? :(

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rosa am 29.10.2015 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chäferli

    ja doch, bei mir krabbeln immer wieder ein paar von diesen herzigen Käfer in der Wohnung den Wänden entlang. ich versuche sie dann einzufangen und lasse sie auf dem Balkon wieder los.

  • S.B. am 29.10.2015 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?!

    Habe auf dem Balkon Marienkäfer-hütten aufgehängt, trotzdem verkriechen sie sich lieber in andere Rituen auf dem Balkon... Ich finds schön!

  • Philipp am 29.10.2015 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Die Invasion ist bereits hier :-)

    Ich staunte bereits vor ca. 2 Wochen. Da war bei uns die über 5 Stockwerke die ganze Hausfasade voll. Sowas habe ich noch nie gesehen. Bei mir auf dem Balkon waren es bestimmt weit über 50 Stück.

  • martin am 29.10.2015 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Natur Power

    ja da entwischten ein paar - da kommt mir doch der jurassic park spruch wieder ein - "Das Leben findet einen Weg" Die Natur kann man nicht aufhalten.

  • Käferli am 29.10.2015 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wie viele sollen wir noch aufnehmen?

    Die Schweiz platzt mittlerweile aus allen Nähten. Die Käfer sollen zurück wo sie her gekommen sind! Macht die Grenzen endlich dicht! Danke, Frau Merkel.