Bei Verbier

30. November 2019 03:57; Akt: 30.11.2019 08:08 Print

Erneutes Erdbeben im Wallis weckt Bewohner auf

Das Wallis hat wieder eine unruhige Nacht erlebt: Zwei Dutzend Meldungen über ein Erdbeben beim Tourismusort Verbier gingen beim Schweizerischen Erdbebendienst ein.

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In der Nacht auf Samstag hat es im Wallis wieder gebebt, diesmal in der Nähe von Verbier. Seit Anfang November wird das Wallis von einer Erdbebenserie nördlich von Sitten heimgesucht. Bislang ist es zu über 100 Beben gekommen, darunter auch zu solchen, die für die Bevölkerung spürbar waren. In und rund um Sitten, unweit südlich der Epizentren, macht man sich Sorgen. «Die Leute sind wegen der aktuellen Erdbeben schon etwas beunruhigt», sagt Sittens Gemeindepräsident Philippe Varone. Im Schulunterricht üben die Kinder derzeit auch den Ernstfall. Zum Beispiel lernen die Kinder, wie sie sich bei Beben Schutz unter einem stabilen Tisch suchen sollen. Dies, um sich vor herabfallenden Gegenständen zu schützen. Das Wallis ist allgemein eine Erdbebenregion. Gemäss Statistik kann es dort in den nächsten Jahren laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz wiederum zu einem starken Beben mit einer Magnitude von 6 oder mehr kommen. Philipp Kästli vom Schweizerischen Erdbebendienst sagt: «Erdbebenschwärme sind im Wallis nicht unüblich, auch wenn es sich nun um einen aussergewöhnlich aktiven Erdbebenschwarm handelt und die stärksten Beben in spürbare Bereiche kamen.» Kästli: «Vereinfacht gesagt kommen die Spannungen in der Erdkruste von Süden her, wenn die afrikanische Platte gegen die europäische Kontinentalplatte drückt. Die Verschiebung der beiden Platten führt zu Spannungen im Untergrund und damit auch zu Beben im ganzen Alpenbogen.» Kästli: «Aktuell ist das Wallis erdbebenaktiver als beispielsweise Graubünden. Weshalb das so ist, lässt sich allerdings nicht einfach beschreiben. Bei den Plattenverschiebungen entstehen unterschiedliche Spannungsfelder, die sich nicht zeitgleich lösen müssen.» Kästli: «Das typische Verhalten eines Erdbebenschwarms ist, dass er nach einer gewissen Zeit wieder abklingt. Wie lange das geht, ob Tage oder Wochen, ist unterschiedlich. Kästli: «Natürlich ist es auch möglich, dass es zu einem stärkeren Beben, auch einem mit Schadensfolgen, kommen kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zurzeit aber nicht sehr gross, sie beträgt fünf bis 10 Prozent.» Kästli: «Statistisch gesehen beträgt im Wallis die Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb eines Jahres zu einem Erdbeben mit einer Magnitude von 6 oder mehr kommt, etwa ein Prozent. Wann ein solches Beben tatsächlich eintritt, lässt sich nicht vorgängig bestimmen.» Kästli: «Das Wallis ist sich einer solchen Gefahr aber bewusst: Die Einhaltung der schweizerischen Erdbebenbaunorm von 1989 ist dort obligatorisch. Somit sind alle neueren Gebäude auf ein starkes Beben ausgelegt. Bei älteren Gebäuden weiss man das nicht unbedingt.» Kästli: «Ab einer Magnitude von 6 muss in grösseren Gebieten mit Gebäudeschäden gerechnet werden. Dabei kann es auch zu Toten kommen, wie beim Erdbeben im Jahr 2016 in Amatrice in Italien, das sein Epizentrum nahe an Siedlungsgebieten hatte und über 300 Todesopfer forderte.» Kästli: «Dass dabei allerdings Steinmassive in Mitleidenschaft gezogen werden, ist nicht wahrscheinlich. Ich gehe nicht davon aus, dass ein ‹Big One› das Matterhorn zusammenfallen lässt.»

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Im Wallis hat in der Nacht auf Samstag erneut die Erde leicht gebebt. Die Erschütterung ereignete sich um 3.14 Uhr in der Nähe des Tourismusorts Verbier und hatte laut ersten Angaben des Erdbebendienstes an der ETH Zürich eine Stärke von 3,0 auf der Richterskala.

Das Erdbeben dürfte in der Nähe des Epizentrums deutlich verspürt worden sein, teilte der Schweizerische Erdbebendienst mit. Bei der ETH gingen zunächst über zwei Dutzend Meldungen von Bewohnern ein. Schäden sind bei einem Erdbeben dieser Stärke in der Regel nicht zu erwarten.

Das Epizentrum lag den Angaben zufolge ungefähr sechs Kilometer östlich von Verbier. Es ereignete sich in einer Tiefe von 7,5 Kilometern.

Im Wallis bebte die Erde in jüngster Zeit vermehrt. Seit Anfang November kam es in der Region nördlich von Sion zu sogenannten Erdbebenschwärmen mit insgesamt über 300 aufgezeichneten Beben innert weniger Tage. Das Stärkste davon hatte eine Magnitude von 3,3. Die Experten der ETH schliessen nicht aus, dass es zu einem stärkeren Beben kommen könnte.

(chk/sda)