Ansteckungsgefahr

26. Januar 2016 12:52; Akt: 26.01.2016 16:32 Print

Beiss-Attacken machen Polizei zu schaffen

Polizisten im Einsatz werden wiederholt bespuckt, gekratzt oder gebissen. Wegen Krankheitsgefahr für die Beamten zieht das jeweils ärztliche Abklärungen nach sich.

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Ein Einbrecher ist am frühen Sonntagmorgen in Hombrechtikon ZH in flagranti erwischt worden. Der 38-jährige Ägypter verletzte bei der Verhaftung einen Polizisten mit einem Biss in die Hand. Nun werden sowohl der Festgenommene als auch der Polizist auf übertragbare Krankheiten hin untersucht. «Das ist Routine bei Bissverletzungen», erklärt Thomas Wartmann, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. «Solche Verletzungen sind heikel, weil Krankheiten übertragen werden können.»

In Estavayer-le-Lac FR hat am Sonntagmorgen ein 36-jähriger, aggressiver Gast in einer Bar einen Polizisten mit einem Fusstritt verletzt und einen weiteren ins Gesicht gespuckt. Der Mann wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Blutprobe an, um allenfalls übertragbare Krankheiten im Speichel des Mannes zu analysieren. Auch der bespuckte Polizist wird sich während einer gewissen Zeit einer Reihe von medizinischen Kontrollen unterziehen, um allenfalls übertragbare Krankheiten auszuschliessen.

Polizisten mit Urin beworfen

Laut Wartmann kommt es immer wieder vor, dass Polizisten während eines Einsatzes gebissen werden. Genaue Zahlen hat er aber nicht. «Natürlich lernen Polizisten in Aus- und Weiterbildungen, solche Verletzungen zu vermeiden.» Ganz verhindern könne man sie aber nicht.

Auch der Basler Polizei ist dieses Phänomen bekannt. «Bei Biss- und Kratzverletzungen müssen die Polizisten zum Arzt und sich checken lassen», erklärt Sprecher Martin Schütz. «Bei Spuckattacken kommt es darauf an, wer gespuckt hat und wo der Polizist getroffen wurde. Eine Spuckattacke in Schleimhautgegenden kann ein Grund für einen Arztbesuch sein.»

Einsatzkräfte der Kantonspolizei Bern wurden ebenfalls bereits gebissen, gekratzt und angespuckt. «So hat beispielsweise dieses Wochenende eine angehaltene Person bei einem Drogenschnelltest ein Polizist mit Urin beworfen», erzählt Sprecherin Ramona Mock. Polizei-Angreifer würden wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte angezeigt. «Weiter begeben sich die betroffenen Polizisten umgehend zur ärztlichen Kontrolle, wobei teilweise auch bereits erste präventive Massnahmen ergriffen werden müssen, beispielsweise die Einnahme von Medikamenten», so Mock.

Handschuhe und Spuckschutz

Einen ähnlichen Fall gab es kürzlich auch im Kanton Thurgau: «Bei einer Verkehrskontrolle an Heiligabend biss eine alkoholisierte Frau einer Polizistin in den Finger. «Sie musste ärztlich behandelt werden», sagt Daniel Metzler, Sprecher der Kantonspolizei.

Laut Metzler haben Polizisten Latex- oder Schutzhandschuhe, um sich zu schützen. Auch können sich Polizisten beispielsweise gegen Hepatitis impfen lassen. Dies sei vor allem im Umgang mit vielen Personen wie im Transportdienst sinnvoll. Auch gebe es in den Polizeiautos einen Spuckschutz. «Diesen kann man der spuckenden Person wie eine Art Kragen anlegen und die Mundpartie abdecken», so Metzler. «Er kommt zum Einsatz, wenn man weiss, dass eine Person eine ansteckende Krankheit hat oder schon gespuckt hat.»

«Es ist Zeit, dass der Staat ein Zeichen setzt.»

Max Hofmann, Generalsekretär des Verbandes Schweizerischer Polizeibeamter, weiss: «In den letzten Jahren wurden Polizisten in der Schweiz während der Ausübung ihrer Arbeit sechs- bis siebenmal pro Tag angegriffen und verletzt.» Waren es im Jahr 2000 etwas über 770, sind es 2012 über 2500 Fälle. In wie vielen dieser Fälle Polizisten gebissen, gekratzt oder angespuckt wurden, kann er nicht genau sagen. Doch: «Dass sich ein Polizist nach solchen Angriffen medizinischen Kontrollen unterziehen will und darf, ist normal. Man weiss ja nie, ob und welche ansteckenden Krankheiten der Angreifer hatte.»

Da die Angriffe auf Polizisten zugenommen haben, forderte Hofmann am Montag, dass die Politik endlich aktiv wird: «Seit Jahren fordern wir härtere Strafen, doch es rührt sich kein Stein.» Und er betont: «Wir werden in diesem Jahr den Druck auf die Politik nochmals erhöhen, damit die unhaltbaren Zustände endlich angegangen und beseitigt werden. Es ist Zeit, dass der Staat ein Zeichen setzt.»

(qll/kaf/mk/som/taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • busa am 26.01.2016 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten

    Ich hoffe das die der Beisser auch bezahlen muss.

    einklappen einklappen
  • Murphys Law am 26.01.2016 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft 

    Die Polizisten sind zwar nicht unfehlbar,jedoch sollte man ihnen mit dem Respekt entgegenkommen,dem auch möchte. Sie tun ihre Arbeit und die ist wahrlich nicht einfach in der jetztigen gesellschaftlichen Situation.

    einklappen einklappen
  • W. Meier am 26.01.2016 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik und etwas bewirken?

    Da können Sie lange fordern, dass die Politik aktiv wird. Die wird erst aktiv wenn ein Polizist ein Fehler gemacht hat. Ein Polizist muss schnell entscheiden, die Politik hätte sehr viel Zeit. Danke Polizei ihr macht gute Arbeit. Pfui Politik ihr bezieht nur Salär.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Meister Yoda am 27.01.2016 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berufsrisiko..

    Jeder Beruf bringt risiken mit sich. Damit sollte man sich vor der Berufswahl auseinandersetzten.

  • strubeli1 am 26.01.2016 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm 

    Naja zum Glück wollen heutzutage noch Leute zur Polizei.Ist ja schlimm genug was die sich heutzutage alles gefallen lassen müssen.

  • Punisher am 26.01.2016 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harte Strafen!!!

    Wer einen Polizisten angreift oder verletzt gehört für mindestens 100 Tage weggesperrt! Im ersten Fall 100 Tage unbedingt, im Wiederholungsfall die Strafe jeweils verdoppeln! Das würde unsere Polizisten schützen. Alles andere ist Täterschutz!

  • Denise am 26.01.2016 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der letzte Satz ist wichtig und richtig

    Der Staat soll endlich ein Zeichen setzen! Warum Ihr Politiker,warum dauert das solange? Es ist gefährlich ( Biss) und erniedrigend was die Polizei sich gefallen lassen muss!

  • Suellen am 26.01.2016 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuld,

    Sehr gefährlich Menschen,und Katzenbiss,ich kann das nachfühlen,wurde vor ein paar Jahren auch gebissen,ich war selber Schuld,und bereue es sehr,das war eine gerechte strafe für mich,