SVP prüft Pranger

13. Juni 2013 13:24; Akt: 13.06.2013 17:15 Print

Bekannter Sozial-Bezüger ist wieder arbeitslos

Der als «frechster Sozialhilfeempfänger der Schweiz» bekannte Beriker hat keinen Job mehr. Er habe ihn verloren, sagt er. Die SVP denkt über einen Schmarotzer-Pranger nach.

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Sascha W. wohnt bei seiner Mutter, hat keinen Job und fordert Geld von der Gemeinde. (Symbolbild: Thinkstock)

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«Ich habe eine Arbeit gefunden, die mir sogar richtig Spass macht.» Dies schrieb Sascha W. (Name geändert) Anfang März an Andreas Glarner, Bezirkspräsident der SVP Bremgarten. Er arbeite 60 Prozent als Webdesigner, gab der 23-Jährige aus Berikon AG an. In einem öffentlichen Brief behauptete er kurz darauf, er sei Telefonist.

Mittlerweile sitzt Sascha W. aber weder vor dem PC noch vor dem Telefon: Er habe seinen Job an den Nagel gehängt, berichtete gestern Tele M1. Der Gemeinde Berikon teilte der Sozialhilfeempfänger schon im Mai eine andere Version mit: «Er meldete, er habe seine Stelle wegen des Medienrummels verloren», sagt Sozialvorsteherin Rosmarie Groux (SP) auf Anfrage.

Andreas Glarner kann nur den Kopf schütteln. «Wir haben nicht einmal einen Beweis dafür, dass er wirklich gearbeitet hat.» Drei Stellen hatte er ihm im März angeboten – als Kurierfahrer, Hauswart und Lagerist. Sascha W. schlug alle aus. Glarner prüft nun erneut, ob er den Namen des renitenten Sozialhilfeempfängers veröffentlichen will. Voraussichtlich nächste Woche entscheidet die Bezirks-SVP über den Schmarotzer-Pranger.

Es wäre der Höhepunkt einer langen, unrühmlichen Geschichte. Jahrelang hatte Sascha W. Sozialhilfe bezogen, aber alle Termine geschwänzt und gemeinnützige Arbeit verweigert. 2011 stoppte die Gemeinde deshalb die Fürsorgezahlungen, wurde aber vom Bundesgericht zurückgepfiffen. Die Sozialleistungen hätten höchstens gekürzt, nicht aber gestrichen werden dürfen. Aus Protest dagegen trat die Gemeinde letzten Montag aus der Konferenz für Sozialhilfe (Skos) aus.

Sascha W. fordert mehr Geld

Auch die örtliche SVP konnte den Bundesgerichtsentscheid nicht fassen. Glarner bot Ende Februar via Tele M1 1000 Franken «Kopfgeld» für den Namen des Sozialhilfeempfängers. Nach einer halben Stunde hatte er ihn. Darauf drohte die Partei das erste Mal mit dem Pranger, verzichtete aber darauf, als Sascha W. angab, er habe einen Job gefunden.

Zwischen der Gemeinde und dem renitenten Sozialhilfebezüger tobt bis heute ein juristisches Hickhack. Die Gemeinde weigert sich weiter, ihm mehr als das Geld für die Krankenkasse und den Selbstbehalt zu bezahlen. Sascha W. legte beim Kanton deshalb Beschwerde ein und fordert mehrere tausend Franken an Nachzahlungen. «Wir warten jeden Tag auf den Entscheid», sagt Groux. Sascha W. war für 20 Minuten nicht erreichbar.

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter_TOO_ am 13.06.2013 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesgerichtsentscheid

    Wo liegt das Problem beim Bundesgerichtsentscheid? Die Gemeinde hat schlicht einen groben Verfahrensfehler begangen. Die Zahlungen wurden eingestellt ohne zuerst eine entsprechende Verfügung zu erstellen. Rechtlich gesehen ist das nun mal Willkür. In einem Rechtsstaat kann man auch nicht einen Verbrecher ins Gefängnis sperren ohne vorherige Gerichtsverhandlung, egal wie eindeutig der Fall ist. Berikon wollte in diesem Falle eine Abkürzung nehmen.

  • Marie am 14.06.2013 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Zu blöd für die Nachricht

    Der Typ macht das gut. Der hält den Behörden einen Spiegel hin; nur sind die zu blöd, sich darin zu erkennen.

  • Hannes F. am 13.06.2013 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Dummen sterben nicht aus

    Es ist schon interessant wie sich seit der NS- Zeit gar nichts geändert hat. Leute werden an den Pranger gestellt, als Sozialschmarotzer betitelt und gesellschaftlich ausgeschlossen. Wer hat schon Lust nur zu arbeiten um seine Rechnungen bezahlen zu können. Ein Gruss aus dem alten Ägypten vor 4000 Jahren. Damals nannte man solche ausgenützten Leute noch Sklaven, heute machen die Sklaven einander gegenseitig fertig und wer lacht darüber? Genau, es hat sich nichts verändert. Ihr seid das dumme Arbeits- und Steuerzahlervieh und selbst schuld daran.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sue R. am 15.06.2013 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    im Prinzip schon, doch

    @Pascal 13.6. 17.23: Gute Idee, nur müsste dieser Berater dafür dann auch tatsächlich arbeiten. Ob er dazu bereit wäre? ;-)

  • J. Meyer am 14.06.2013 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Nothilfe, mehr nicht!

    Ob ein Pranger hilft, vermag ich nicht zu sagen, denn solche Leute haben oft ein ziemlich dickes Fell u das weiss ich aus Erfahrung. So ein Verhalten finde ich unmöglich u erspare hier die Beschreibung dafür. Habe ein Neffen (25) in D der ebenfalls so ein fauler Sack ist u gar zugibt, das ihm jede Motivation zur Arbeit fehlt. Schule geschmissen, keine Lehre u von Almosen leben. Habe letzte Woche mit ihm mal wieder geredet, vergebliche Müh, niemand versteht das u meine Eltern haben jegliche Hoffnung aufgegeben, ihren Enkel zu bekehren. Die Enttäuschung sitzt sehr tief, bei mir auch, leider.

  • armand tobler am 14.06.2013 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstgerecht

    Mein Lehrvertrag lief Ende April 1976 aus, da hatte ich bereits das Aufgebot für die Sommer- RS am 02. August 1976. Unter diesen Bedingungen einen Job zu finden war unmöglich, aber die Etikette Schmarotzer blieb sofort hängen. Die Menschen lästern bis sie selbst betroffen sind, dann schlagen sie sofort alle Rekorde im Jammern.

  • Marie am 14.06.2013 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Zu blöd für die Nachricht

    Der Typ macht das gut. Der hält den Behörden einen Spiegel hin; nur sind die zu blöd, sich darin zu erkennen.

  • Peter_TOO_ am 13.06.2013 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesgerichtsentscheid

    Wo liegt das Problem beim Bundesgerichtsentscheid? Die Gemeinde hat schlicht einen groben Verfahrensfehler begangen. Die Zahlungen wurden eingestellt ohne zuerst eine entsprechende Verfügung zu erstellen. Rechtlich gesehen ist das nun mal Willkür. In einem Rechtsstaat kann man auch nicht einen Verbrecher ins Gefängnis sperren ohne vorherige Gerichtsverhandlung, egal wie eindeutig der Fall ist. Berikon wollte in diesem Falle eine Abkürzung nehmen.