«Er zeigt keine Reue»

08. Oktober 2019 04:46; Akt: 08.10.2019 04:46 Print

Bekiffter Todesfahrer will nicht ins Gefängnis

Larissa Caviezel starb mit 26, nachdem der Autofahrer P. F. bekifft beim Überholen frontal mit ihr kollidiert war. Gegen seine sechsjährige Freiheitsstrafe hat F. nun Berufung eingelegt.

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Am 18. Januar 2017 fuhr P. F.* (42) vor Sonnenaufgang mit seinem Audi Q5 von Felsberg GR nach Domat/Ems. F., ein Wiederholungstäter, überholte mit massiv überhöhter Geschwindigkeit mehrere Autos und konnte, als ihm die korrekt fahrende Rollerfahrerin Larissa Caviezel entgegenkam, nicht mehr ausweichen.

Die damals 26-Jährige wurde bei der Kollision 43 Meter weggeschleudert und erlag noch am Unfallort ihren Verletzungen (20 Minuten berichtete). F. wies zum Tatzeitpunkt eine THC-Konzentration von 4,5 Milligramm pro Liter Blut auf. Der Toleranzwert im Verkehr liegt bei 1,5 Milligramm.

Wegen Tötung mit Eventualvorsatz wurde F. im April zu einer unbedingten sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen diese hat er Berufung eingelegt. Gemäss der Berufungserklärung, die 20 Minuten vorliegt, fordert F., dass seine Haftstrafe von sechs Jahren auf 16 Monate reduziert wird – bedingt. Dies würde bedeuten, dass er seine Haftstrafe nicht antreten müsste.

«Naiv und gesundheitlich angeschlagen»

Zusätzlich verlangt er, dass das Gericht ihm einen Teil der Verfahrenskosten erlässt und ihn für das vorinstanzliche Verfahren mit 5000 Franken entschädigt. F.s Anwalt argumentiert, dass sich das Gericht bei seinen Überlegungen in die Haut des «naiven, wenig gebildeten und gesundheitlich angeschlagenen Angeklagten» hätte versetzen müssen.

Der Eventualvorsatz wird im Zweifel für den Angeklagten verneint. F. sei «in seinem Zustand offensichtlich ausserstande gewesen, die entgegenkommende Motorradlenkerin rechtzeitig zu erkennen».


Heinz Caviezel, Larissas Vater, kurz nach der Urteilseröffnung.

Unverständnis bei der Familie

Schon vor dem Urteil im April war klar, dass eine bedingte Strafe aus der Sicht der Familie «ein Schlag ins Gesicht» wäre, wie es der Anwalt der Opferfamilie formulierte. Larissas Vater, Heinz Caviezel, sagt, er habe bereits damit gerechnet, dass der Täter Berufung einlegt. «Das zeigt nur erneut, wie uneinsichtig er ist und wie wenig er seine Tat bereut. Nun will er sich mit fadenscheinigen Argumenten aus der Verantwortung stehlen.»

Bei der Familie löse P. F.s Antrag auf 16 Monaten bedingte Haftstrafe absolutes Unverständnis aus, sagt Caviezel. «Offensichtlich ist das der Preis, den P. F. für ein Menschenleben zu zahlen bereit ist.» Wie es nun weitergeht? Familie und Freunde würden an weiteren Verhandlungen zugegen sein, sagt Caviezel. «Wirklich abschliessen können wir erst, wenn dieses Verfahren abgeschlossen ist und P. F. hoffentlich seiner, im Sinne des Gesetzes, gerechten Strafe zugeführt wurde.»

*Name der Redaktion bekannt

(dk)