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02. September 2019 14:48; Akt: 02.09.2019 14:48 Print

Schweizer bleichen Zähne mit riskanten China-Strips

Statt zum Zahnarzt zu gehen, bleichen sich viele die Zähne zu Hause, etwa mit Aufhellstreifen von Aliexpress. Fachpersonen raten dringend davon ab.

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Miley Cyrus (26) und Elyas M’Barek (37) haben eines gemeinsam: Ihre Zähne sind auffallend weiss. Doch nicht nur Stars legen Wert auf ein glänzendes Gebiss. «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Zahn-Bleaching zugenommen hat und Zahnarztpraxen öfter mit Anfragen zu tun haben», sagt Markus Gubler von der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO).

Während professionelles Bleaching 150 bis 700 Franken kostet, wählen viele eine deutlich billigere Massnahme: do it yourself. So auch E.M.*(22): Beim Online-Händler Aliexpress bestellt sie, wie zahlreiche ihrer Kolleginnen auch, sogenannte Whitening Strips, hergestellt in China. Das sind transparente Gelstreifen, die man sich während rund 20 bis 30 Minuten auf die Zähne klebt. Im Netz findet man eine grosse Auswahl an unterschiedlichen Produkten, in der Regel sind die Inhaltsstoffe nicht genau deklariert. Ein Doppelpack gibts bereits für 15 Rappen.


Die Zähne von E.M. (22) vor dem Bleaching zu Hause.

«Nicht alle Zähne sind fürs Bleichen geeignet»

M. sagt: «Weisse Zähne gefallen mir optisch viel besser. Zeit, um zum Zahnarzt zu geben, habe ich neben Beruf und Studium aber kaum.» Auch der finanzielle Aspekt ist für die junge Frau ausschlaggebend. Für 20 Franken erhalte sie zehn Packungen Whitening Strips. Laut M. reichen fünf Packungen aus, um ihre Zähne für ein Jahr weiss zu halten. «Einmal habe ich vergessen, dass ich die Streifen noch trage. Ein, zwei Stunden später taten mir dann die Zähne weh. Der Schmerz kam während einer Woche in unregelmässigen Abständen immer wieder.» Das habe sie schon leicht beunruhigt. Weil aber die allermeisten ihrer Freundinnen ähnliche Produkte anwendeten, seien die Bedenken schnell wieder verflogen.

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind die Bleaching-Streifen jedoch alles andere als unbedenklich. «Je nach Anwendung und Inhaltsstoffen können die Produkte eine echte Gefahr für die Gesundheit der Konsumenten darstellen», wird schriftlich festgehalten. Auch Zahnarzt Peter Zuber warnt vor jeglichen Aufhellungsprodukten. «Meinen Patienten erkläre ich bei Interesse einfach, dass sie die natürliche Farbe ihrer Zähne akzeptieren sollen, genauso wie die Augen- oder Haarfarbe. Die Chemie in den Produkten schadet den Zähne.» Die meisten seiner Patienten würden seine Ausführungen verstehen, so Zuber. Er rät: «Wichtig ist, sich die Zähne immer gut zu putzen. Verfärbungen oder Beläge kann man professionell behandeln lassen.»


Die Zähne der 22-Jährigen nach der Behandlung.

«Gelbe Zähne sind gesund»

Bei der SSO rät man vor allem von do it yourself ab. Wichtig beim Bleaching sei eine vorgängige zahnärztliche Untersuchung: «Interessenten können Nutzen und Risiken häufig nicht genügend abschätzen. Bleaching kann das Zahnfleisch irritieren und beim Verschlucken des Bleichmittels drohen sogar Vergiftungserscheinungen», sagt Gubler. Es müsse zuerst abgeklärt werden, ob die eigenen Zähne fürs Bleichen überhaupt geeignet sind. «Liegen beispielsweise Karies, Zahnfleischentzündung oder Mundschleimhauterkrankungen vor, sollte auf Zahnbleaching verzichtet werden.»

Gerade junge Patienten unterliegen laut Gubler häufig dem Irrtum, dass Zähne schneeweiss sein sollten – wie etwa durch Werbung impliziert. Doch das entspreche keinesfalls ihrem natürlichen Erscheinungsbild. «Das menschliche Gebiss ist von Natur aus elfenbeinfarben. Zähne werden im Laufe des Alters dunkler. Grau oder gelb verfärbte Zähne sind meist durchaus gesund», erklärt Gubler. Entsprechend sei das Aufhellen der Zähne eine rein ästhetische Massnahme und habe mit Zahngesundheit nichts zu tun.

*Name der Redaktion bekannt

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NaBe am 02.09.2019 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weisse Zähne

    Vor ein paar Tagen war ein Artikel online, in dem es hiess, dass wir Menschen mit weissen Zähnen mehr vertrauen. Also kein Wunder wollen alle schneeweisse Zähne.

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  • Ruedi Huber am 02.09.2019 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Das Zeug nehmen wir freiwillig in den Mund. Aber über Gen Lebensmittel regen wir uns auf. Beides nicht zu sich nehmen wäre konsequent.

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  • frääga am 02.09.2019 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gäbe es eine Diätkapsel aus China

    alle würden Sie kaufen. Wenn ein Produkt so massiv unter dem gewohnten Preis ist, ist das der Grund um das Produkt nicht zu benutzen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jörg Frei am 02.09.2019 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    tja wenns hier zu teuer wird dann wird halt gekauft, dass es den ,,fachpersonen,, nicht passt ist klar

  • Karin am 02.09.2019 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne mich

    Sowas würde ich nie in den Mund nehmen. Chinaschrott.

  • Bini am 02.09.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Weisse Zähne

    Weisse Zähne, Gelnägel, künstliche Wimpern, Haarverlängerung, Schönheitsoperationen...wo führt das nun hin? Wie ungesund und unnatürlich! Akzeptiert euch so wie ihr seid und liebt euch so wie ihr seid, dann braucht ihr solche Dinge nicht. Wahre Schönheit kommt von innen. Schade nur, dass ein grosser Teil der Gesellschaft das nicht realisiert.

  • Was die Forschung aktuell testet am 02.09.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zahnarzt melde vorsorglich Konkurs an

    Demnächst werden Zähne aus Stammzellen wachsen welche einfach in den Kiefer "gesäät" werden! Es wird nicht allzu lange gehen und die Spritze kann in China per Post bestellt und von jedem Heim und Hobby Chirugen selbst appliziert werden.

  • luna am 02.09.2019 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kontraproduktiv

    Wenn der Zahnarzt seinen Patienten erklärt, sie sollen "die natürliche Farbe ihrer Zähne akzeptieren", ist absehbar, dass sie anschließend aufs Internet ausweichen. Eine professionelle Behandlung anzubieten oder die Patienten wenigstens an einen Kollegen zu verweisen, wäre sinnvoller.