Angst um Sicherheit

05. Januar 2017 12:30; Akt: 05.01.2017 12:30 Print

Benzintanks sollen wegen Terror überwacht werden

von Laly Zanchi - Eine Genfer Gemeinde will, dass Benzin- und Erdgastanks von einem Sicherheitsdienst bewacht werden. Sie fürchten, dass diese zum Ziel von Terrorattacken werden könnten.

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«Diese Tanks sind nur 40 Meter von den Wohnhäusern entfernt und sie stehen genau neben der Ikea», sagt Stéphane Valente, Ratsmitglied der Genfer Gemeinde Vernier. «Wenn jemand ordentlich Schaden anrichten möchte, wäre es ein ideales Ziel», sagt Valente. Der Gemeinderat von Vernier verlangt deshalb strengere Sicherheitsmassnahmen für die Tankanlagen. «Die einzige Absperrung ist eine Plastikschranke, man kann also problemlos auf die Anlagen steigen.» Valente möchte, dass die Betreiber verpflichtet werden, Sicherheitspersonal bei den Tanks zu stationieren. Valente kämpft schon seit 2010 gegen die Tankanlagen im Wohngebiet. Er habe schon vor Bundesgericht Recht bekommen und die Tanks müssten eigentlich versetzt werden. «Sie werden aber trotzdem nicht von heute auf morgen verschwinden, wir sind dem Risiko ausgeliefert.» Roger Bilang, Geschäftsführer der Erdölvereinigung, glaubt nicht, dass ein Anschlag so einfach zu bewerkstelligen sei: «Zum einen sind die meisten Anlagen abgesperrt und zum anderen ist das eine sehr robuste Technologie, die man nicht so einfach manipulieren kann.» «Klar, eine Tankanlage ist kein unterirdischer Bunker, mit genügend krimineller Energie könnte man sich Zugang verschaffen und vielleicht sogar etwas zerstören», sagt Bilang. Es könne aber keine grosse Explosion, sondern im schlimmsten Fall ein Feuer verursacht werden. Stefan Brem, Chef Risikogrundlagen beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz, sieht auch keinen Grund für eine Rundumüberwachung von Tankanlagen. Der Bund nehme die aktuellen Vorkommnisse ernst und sei sich bewusst, dass Infrastrukturen wie Tankanlagen mögliche Ziele darstellen könnten. «Deshalb beurteilen das Fedpol und der Nachrichtendienst die Lage laufend und sorgen bei möglicher Gefahr zusammen mit der Kantonspolizei für Sicherheit an den Anlagen.» Die primäre Verantwortung für die Sicherheit der Anlagen läge aber bei den Betreibern. Dass die Anlagen relativ einfach zugänglich sind, ist laut Brem zwar korrekt, würde aber kein unverhältnismässig grosses Risiko darstellen: «Diese Zisternen sind nicht so einfach zu sprengen. Da müsste man schon mit massives Material einsetzen, und das kann man sich nicht so unauffällig besorgen oder transportieren.»

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«Diese Tanks sind nur 40 Meter von den Wohnhäusern entfernt und sie stehen genau neben der Ikea», sagt Stéphane Valente, Ratsmitglied der Genfer Gemeinde Vernier. Auch der Flughafen sei nicht weit von den Benzintanks weg, etwa 500 Meter Luftlinie. «Wenn jemand ordentlich Schaden anrichten möchte, wäre es ein ideales Ziel», sagt Valente.

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Der Gemeinderat von Vernier verlangt deshalb einstimmig strengere Sicherheitsmassnahmen für die Tankanlagen. «Die einzige Absperrung ist eine Plastikschranke, man kann also problemlos auf die Anlagen steigen.» Valente möchte, dass die Betreiber verpflichtet werden, Sicherheitspersonal bei den Tanks zu stationieren. «Bei den aktuellen Sicherheitsrichtlinien des Bundes wurde die Möglichkeit eines Terroranschlags nicht in Betracht gezogen, jetzt hat sich die Situation aber verschärft.»

Valente kämpft schon seit 2010 gegen die Tankanlagen im Wohngebiet. «Wir haben vor Bundesgericht Recht bekommen und die Tanks müssten eigentlich versetzt werden.» Doch die Gemeinde, in die sie verlagert werden sollte, akzeptiert die Tankanlage nicht. «Sie wird also trotzdem nicht von heute auf morgen verschwinden, wir sind dem Risiko ausgeliefert.»

«Das ist eine robuste Technologie»

Roland Bilang, Geschäftsführer der Erdölvereinigung, kann die Sorgen des Genfer Gemeinderates zwar verstehen, er glaubt aber nicht, dass ein Anschlag so einfach zu bewerkstelligen sei: «Zum einen sind die meisten Anlagen durch Zäune und Betonelemente abgesperrt und zum anderen ist das eine sehr robuste Technologie, die man nicht so einfach manipulieren kann.» Die Branche sei sich der Risiken sehr bewusst und habe die Sicherheit in den letzten Jahren ausgebaut.

«Klar, eine Tankanlage ist kein unterirdischer Bunker, mit genügend krimineller Energie könnte man sich Zugang verschaffen und vielleicht sogar etwas zerstören», sagt Bilang. Es könne aber keine grosse Explosion, sondern im schlimmsten Fall ein Feuer verursacht werden. «Der grösste Schaden würde für das Unternehmen entstehen, das die Anlage betreibt.»

«Zugänglichkeit ist kein grosses Risiko»

Stefan Brem, Chef Risikogrundlagen beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz, sieht auch keinen Grund für eine Rundumüberwachung von Tankanlagen. Der Bund nehme die aktuellen Vorkommnisse ernst und sei sich bewusst, dass Infrastrukturen wie Tankanlagen mögliche Ziele darstellen könnten. «Deshalb beurteilen das Fedpol und der Nachrichtendienst die Lage laufend und sorgen bei möglicher Gefahr zusammen mit der Kantonspolizei für Sicherheit an den Anlagen.» Die primäre Verantwortung für die Sicherheit der Anlagen läge aber bei den Betreibern.

Dass die Anlagen relativ einfach zugänglich sind, ist laut Brem zwar korrekt, würde aber kein unverhältnismässig grosses Risiko darstellen: «Diese Zisternen sind nicht so einfach zu sprengen. Da müsste man schon massives Material einsetzen und das kann man sich nicht so unauffällig besorgen oder transportieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simba74 am 05.01.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja super - macht doch die Ideen gleich publik!!

    ....«Wenn jemand ordentlich Schaden anrichten möchte, wäre es ein ideales Ziel», sagt Valente.

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  • Hauweb am 05.01.2017 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ziel erkannt

    gut geamacht, jetzt wissen sie alle das da was ist.

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  • Fritz Fritz am 05.01.2017 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich gut....

    ..... dass sie Sicherheitsfirmen nehmen, anstelle Polizei oder Militär... die nützen auch sehr viel... mit Schlagstöcken und Pfefferspray..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chupi am 05.01.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir...

    ... müssen noch viel mehr gegen Terror unternehem/beschützen... wir sind wie ein offenes Scheunentor....!!

  • faebenz am 05.01.2017 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer war zuerst

    Die Tanks müssten versetzt werden? Die waren bestimmt vor der IKEA und dem ganzen Wohngebiet dort, aber jetzt wird reklamiert dass es zu gefährlich ist... Das hätte man sich eventuell beim Hausbau überlegen sollen.

  • Laura am 05.01.2017 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der schlimmste Ort

    sind noch immer die Bahnhöfe zu Stosszeiten! Sollte da mal was grobes geschehen, kollabiert ein grosser Teil des Landes. Was ist mit der IKEA neben den Tanks, werden die Menschen da auch beschützt?

  • Frank S. am 05.01.2017 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt eh nichts

    Wenn Trump die Atombomben zündet, um einen auf starken Kerl zu machen, nützen auch diese Massnahmen nichts mehr.

  • Kurt am 05.01.2017 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Was? die waren unbewacht?

    Wo bleibt hier der gesunde Menschnverstand. Ich ging immer davon aus dass diese bewacht werden.