Dank Wasserkraft

29. Dezember 2011 21:52; Akt: 30.12.2011 11:19 Print

Bergler wollen Milliarden kassieren

von Stefan Trachsel, SDA - Das Ende der Konzessionen der heutigen Wasserkraftwerke könnte dem Wallis und Graubünden einen Geldsegen bescheren. Die Verlierer wären die grossen Stromkonzerne des Mittellandes.

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Der Stausee Lac des Dix liegt am Ende des Val d'Hérémence im Kanton Wallis. Das nördliche Ende des Sees bildet die Staumauer Grande Dixence. (Bild: Keystone)

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Der Schweizer Wasserkraftbranche steht eine Revolution bevor. Wenn die Konzessionen der heutigen Wasserkraftwerke auslaufen, wollen sich Bergkantone wie das Wallis oder Graubünden Anlagen mit Milliardenwert sichern. Die Stromkonzerne geraten unter Druck.

Wenn der Walliser Staatsrat Jean-Michel Cina über die heutige Verteilung der Wasserkraftmillionen spricht, schwingt die Empörung mit: «Die Gewinne der Energiekonzerne werden heute im Mittelland besteuert, und auch die attraktiven Arbeitsplätze sind dort.»

Obwohl das Wallis der wichtigste Wasserkraftkanton in der Schweiz ist, kontrollieren der Kanton und seine Gemeinden nur rund 20 Prozent der eigenen Wasserkraft. «Mit diesem Strom decken wir aber nicht einmal unseren Eigenbedarf ab», sagt Cina im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA in seinem Büro in Sitten.

Die grossen Brocken fallen heim

Nun präsentiert sich dem Kanton in den kommenden Jahrzehnten aber die Möglichkeit, sich ein deutlich grösseres Kuchenstück an der Wasserkraftwirtschaft und vor allem an deren Gewinnen zu sichern.

Möglich macht es der sogenannte Heimfall. Läuft eine Konzession für die Nutzung von Wasser zur Stromproduktion nach normalerweise 80 Jahren aus, fällt der Grossteil einer Wasserkraftanlage ins Eigentum der Gemeinde oder des Kantons zurück - gratis. Insgesamt geht es im Wallis um rund 50 grössere Kraftwerke; darunter drei der vier grössten Stauseen im Land.

Über Nacht könnte mit einem Heimfall das Vermögen einer Gemeinde um 100 Millionen Franken oder mehr ansteigen, ohne dass die Gemeinden etwas dafür tun müssten. Spitzenreiter sind laut einem Bericht des Kantons vom Sommer die Gemeinden Eisten und Zwischenbergen, die je über 1,5 Millionen Franken pro Einwohner erhalten könnten.

Heute kommt es meist gar nicht zum Heimfall, weil die Stromkonzerne einem Gemeinwesen das Heimfallrecht abkaufen, um die Anlagen behalten zu können. Das bescherte einzelnen Walliser Gemeinden zwar einen immensen Geldsegen: So wird etwa die SBB an sechs Gemeinden im Unterwalliser Trienttal über 300 Millionen Franken ausschütten. Doch der Kanton profitierte längerfristig kaum davon.

Millionen für einzelne Gemeinden

In der ganzen Schweiz kommt es ab 2030 immer häufiger zu Heimfällen, wenn die Konzessionen für zahlreiche Kraftwerke aus den 1950er- und 1960er-Jahren auslaufen. Allein im Wallis beträgt der Gesamtwert der heimfallenden Anlagen grob geschätzt 10 bis 20 Milliarden Franken.

Dazu, wie das Wallis die Heimfälle in Zukunft regeln will, gibt es im Kanton selbst noch keinen Konsens, denn es ist viel Geld im Spiel. Doch über eines herrscht laut Cina Einigkeit: Das Wallis muss wieder das Sagen haben. Statt 20 Prozent sollen Kanton und Gemeinden künftig 60 Prozent der Wasserkraft kontrollieren, erklärt der CVP-Politiker.

Verlust der Anlagen statt Gewinne

Auf der Verliererseite stehen bei der Heimfall-Revolution die Stromkonzerne wie Axpo oder Alpiq, die heute grosse Anteile an den Wasserkraftanlagen besitzen. Sie drohen die lukrativste Zeit ihrer Investition zu verlieren: Die ersten Jahrzehnte eines Kraftwerkes sind meist defizitär, weil der Bau Millionen verschlungen hat. Ist die Anlage aber einmal amortisiert, sprudeln die Gewinne.

Die Unternehmen warnen deshalb, dass sich die Bergkantone die Übernahme zu einfach vorstellen könnten: «Ein Wasserkraftwerk muss eingebunden werden in ein Netz mit anderen Kraftwerken, die auch Wind, Sonne oder Kernkraft nutzen», sagt Jörg Aeberhard, Leiter der Wasserkraft-Produktion bei Alpiq. Nur im Verbund lasse sich der Strom der Jahres- oder Tageszeit angepasst und optimal produzieren.

Auch das Risiko ginge auf das Gemeinwesen über. «Wenn eine Anlage längere Zeit still steht, muss das Gemeinwesen den Ausfall tragen können.» Die Gemeinden müssten sich die Frage stellen, ob sie das alleine stemmen können oder wollen. Die Erfahrung zeige, dass sie dieses Risiko eher auslagern wollen.

Stromkonzern im Wallis

Staatsrat Cina lässt die Kritik nicht gelten. «Was die Mittellandkantone können, kann das Wallis doch auch: Warum sollen wir nicht auch einen Stromkonzern aufbauen?», fragt er. Zürich und Genf seien die Finanzzentren, das Wallis könne zum Kompetenzzentrum für Wasserkraft werden. Es sei falsch, den Bergkantonen die Fähigkeit abzusprechen, die Kraftwerke selbst zu bewirtschaften.

Ausserdem wolle das Wallis nicht alle Aufgaben selbst übernehmen. «Es würde als ungerecht empfunden, die bisherigen Betreiber ganz zu verdrängen», sagt Cina.

Ein Ausgleich wäre aus seiner Sicht schon erreicht, wenn die grossen Konzerne vermehrt Arbeitsplätze - etwa im Stromhandel - ins Wallis verlagern würden. Das alleine könnte rund 300 Millionen Franken Wertschöpfung ins Wallis bringen. Jörg Aeberhard von Alpiq lässt durchblicken, dass die Konzerne bereit wären, über Verlagerungen nachzudenken.

Graubünden zieht nach

Eine Umwälzung zu seinen Gunsten strebt auch Graubünden an, der zweitgrösste Wasserkraftkanton nach dem Wallis. «Die Heimfälle müssen dazu führen, dass die Werke wieder in öffentlichen Besitz gelangen», sagt der Bündner Grossrat Vincent Augustin. Auf seinen Vorstoss hin erstellt die Bündner Regierung nun einen Strategiebericht für die Heimfälle.

«Wir erhalten nur einen kleinen Teil vom Preis, den die Energiekonzerne aus dem Mittelland für den Strom an der Energiebörse erzielen», sagt er. Von diesen Millionengewinnen muss ein grösserer Anteil bei den Bergkantonen bleiben, darin sind sich Augustin und Cina einig.

Heute profitieren die Kantone vor allem über die Wasserzinsen von der Wasserkraft. Mit den Heimfällen bietet sich den Bergkantonen die Chance zu weiteren Einkünften. «Ich hätte nichts dagegen, wenn der Kanton Wallis so reich wird, dass er im Finanzausgleich anderen Kantonen etwas abtreten muss», sagt Cina. Heute ist das noch umgekehrt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto Kleinstein am 30.12.2011 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Alpiq zockt nur ab, Zeit das es 100% dem

    Staat gehört. Wir brauchen keine Firmen die dauernd Fusionieren zur Gewinnoptimierung! Die Arbeitsplätze die bei Alpiq verloren gehen , gründet dann dafür der Staat neu. Keine MACHT den Privaten Firmen! Siehe Deutschland mit dem Wassernetz verkauf und zurück Leasing, das nun im Desaster endet, da nichts Investiert wird und die Leitungen verroten!

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  • Peter Reber am 30.12.2011 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Subventionen nach GR / VS runter fahren

    Die Strassen und andere öffentliche Infrastrukturen haben wir Unterländler den Bergkantonen nun allmählich alle finanziert. Die brauchen nichts mehr. Kehren wir das Spiel doch einfach einmal um? Das wäre gerecht!

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  • Erhard Schweizer am 30.12.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Eine neue Aufgabe für den Bund

    Da sollte der Bund regulierend eingreifen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Speicherkraft-Befürworter am 31.12.2011 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Aha, wollten darum die grossen Strom-

    konzerne neue AKWs bauen? Mussten wir nicht schon jetzt was nicht exportiert werden konnte mit unserer Stromrechnung mitfinanzieren? Hoffentlich machen es die Wasserkraftwerke einmal besser.

  • Der Egon am 30.12.2011 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts spricht dagegen

    Die haben dann die alleinige Verantwortung und dürfen einen schönen Teil via interkantonalen Ausgleich abdrücken...

  • Reto Kleinstein am 30.12.2011 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Alpiq zockt nur ab, Zeit das es 100% dem

    Staat gehört. Wir brauchen keine Firmen die dauernd Fusionieren zur Gewinnoptimierung! Die Arbeitsplätze die bei Alpiq verloren gehen , gründet dann dafür der Staat neu. Keine MACHT den Privaten Firmen! Siehe Deutschland mit dem Wassernetz verkauf und zurück Leasing, das nun im Desaster endet, da nichts Investiert wird und die Leitungen verroten!

    • Tinu am 31.12.2011 01:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Kleinstein

      Ich muss ihnen ein wenig zustimmen. Wenn es um die Grundversorgung geht, sollte der Staat die Oberhand haben und nicht die Privatwirtschaft. Also Bildung, Züge, Strom usw. Ansonsten wird das Land erpressbar und das passt mir gar nicht.

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  • Scheduling am 30.12.2011 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Ahnungslosigkeit und Phantasie

    Ausser dem Verkauf der eigenen produzierten Energie hat sich der Energiehandel in den letzten Jahren als unrentabel erwiesen. Bei den Stromkonzernen wurde in diesem Bereich massiv abgebaut, allgemein sind die Gewinne in den Keller gerutscht. Da phantasieren ein paar Ahnungslose wieder sehr viel zusammen. Man stellt sich wohl vor, man könne nur etwas den Wasserschieber auf und zu machen. Abgesehen davon weiss heute niemand, wie es "nach 2030" aussehen wird.

  • Erik Schiegg am 30.12.2011 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Bergler zuviel

    verlangen, einfach zappeln lassen. Und sich dann beim nächsten Schneearmen Winter darauf besinnen, wenn wieder Gejammerjodelt wird. Es gibt genug Ökostrom auf dem Markt, die Schweiz braucht nicht soo viel davon, um die Zuvielverlanger ein Jahrzehnt zappeln zu lassen.

    • Bergler am 30.12.2011 12:43 Report Diesen Beitrag melden

      Lachhaft

      Ich bin ein Bergler, und stehe dazu. Was Ihr Unterländer so für Vorstellungen habt, ist schon Lustig. Ohne Wasserkraft, wäre der Strompreis duetlich höher als heute. Ich möchte ja Euch sehen, wenn Ihr massiv mehr für den Strom bezahlen müsstet.

    • toine us zermatt am 30.12.2011 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      haha

      Dann sattelt auf Oekostrom um, je früher wie besser (der ist billiger...?!!) Mit Schneearmen Winter hat das nichts zu tun. Wieder so ein einfältiger Flachländer , der viel Strom für nichts braucht. Dreht denen den Hahn zu!

    • Urs am 31.12.2011 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schweizer

      Hallo, was ist da los? Bergler oder Flachländer, seid Ihr noch ganz bei Trost!!!!! Wir sind doch alle Schweizer und nur das zählt.

    • J. Bangerter am 01.01.2012 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ein einig Volk von Brüdern

      Wir wissen alle, dass der Strompreis eh zu niedrig ist. Darum gebt dem Bergler was des Berglers ist! Dann können wir Flachländer die unsinnigen Subventionen in die alpine Touristenwildnis endlich stoppen.

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