Heftige Reaktionen

01. Juni 2017 14:46; Akt: 01.06.2017 19:12 Print

Bergün will Fotografier-Verbot wieder aufheben

Dass man in Bergün nicht mehr fotografieren darf, stösst viele vor den Kopf. Doch bald ist das Verbot Geschichte: An der nächsten Gemeindeversammlung soll es aufgehoben werden.

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Beinahe einstimmig hat die Gemeindeversammlung von Bergün beschlossen, das Fotografieren im Dorf zu verbieten. Seit Dienstag ist das Verbot in Kraft, Verstösse sollen mit einer Busse von 5 Franken geahndet werden.

Das kostet den Ferienort Gäste. Thomas Müller aus Frankfurt (D), der im Herbst einen Aufenthalt mit 12 Personen in Bergün geplant hatte, sagt zu 20 Minuten, seine Gruppe werde nun doch nicht ins Bündner Bergdorf reisen, sondern nach Meiringen. Und dies, obwohl man ihm bei der Gemeindekanzlei von Bergün versichert habe, dass man es mit der Busse von 5 Franken «nicht so ernst nehmen» werde. Finanziell entgehe Bergün durch die Absage einiges: «Wir hätten 15'000 Franken Umsatz gebracht», sagt der empörte Deutsche.

«Auch positive Rückmeldungen»

Peter Nicolay, Gemeindepräsident von Bergün, bestätigt auf Anfrage, das das Fotografierverbot teilweise heftige Reaktionen ausgelöst habe. Zur Absage aus Deutschland sagt er jedoch, hier handle es sich um einen «Einzelfall». Nicolay: «Ich habe mit den Hoteliers unseres Dorfs gesprochen, sie sagen, es gebe kein Problem mit Stornierungen.» Und Nicolay betont: «Es gab durchaus auch sehr positive Rückmeldungen.»

Zu einem Anstieg der Nachfrage nach Ferien in Bergün haben die weltweiten Schlagzeilen über das Fotografierverbot bisher allerdings nicht geführt, wie der Gemeindepräsident einräumt.

Gesetz verletzt laut Experte die Verfassung

Wenig übrig für das Verbot haben auch die 20-Minuten-Leser: Bei einer Umfrage mit über 2000 Teilnehmern gaben 81 Prozent an, sie hielten es für eine «Frechheit».

Gegen das Gesetz sprechen auch verfassungsrechtliche Überlegungen. Rainer Schweizer, emeritierter Rechtsprofessor der Universität St. Gallen, sagt auf Anfrage: «Der Beschluss der Gemeindeversammlung scheint mir verfassungswidrig zu sein, weil er, ohne dass ein besonderes öffentliches Interesse dies rechtfertigen würde, die Informationsfreiheit bezüglich allgemein zugänglicher Informationen unverhältnismässig einschränkt.»

Aufhebung des Verbots geplant

Bald jedoch wird das Verbot wieder Geschichte sein: Bergün will das entsprechende Gesetz an der nächsten Gemeindeversammlung wieder aufheben. Dies steht in der Antwort, die die Gemeindekanzlei Bergün am Donnerstag an eine Person verschickt hat, die sich über das Fotografierverbot beschwerte.

Weiter heisst es in dem Mail, das 20 Minuten vorliegt: «Die Reaktionen haben gezeigt, dass niemand auf die schönen Fotos von Bergün verzichten möchte.»

«Marketingaktion mit einer grossen Prise Humor»

Begründet worden war das Verbot damit, dass Menschen, die gerade nicht im schönen Bergdorf weilen, von in den Sozialen Medien geposteten Fotos aus Bergün nicht unglücklich gemacht werde sollen. Orchestriert wurde die Aktion von der Zürcher Werbeagentur Jung von Matt/Limmat. Im Mail der Gemeinde heisst es: «Beim Fotografierverbot handelt es sich um eine Marketingaktion mit einer grossen Prise Humor.»

In einer Medienmitteilung bestätigte die Gemeinde am Donnerstagabend, dass das Verbot wieder aufgehoben werden soll. Bereits ab sofort erteile man allen einen Sonderbewilligung, in Bergün Bilder zu schiessen. Hinter dem Fotografierverbot steht neben der Gemeinde auch die Organisation Graubünden Ferien.Deren CEO Martin Vincenz sagt: «Das Interesse an Bergün ist riesig und wir sind vom Erfolg überwältigt.» Millionen Menschen auf der ganzen Welt sei Bergün durch die Aktion ein Begriff geworden.

Das sagt Gemeindepräsident Peter Nicolay im Video zum Marketing-Gag:


Video: Bergün/Graubünden Ferien

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Selber Schuld am 01.06.2017 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Schaden der Spott

    Die Gemeinde Bergün GR schadet sich selbst und hat dazu noch den Spott - geschieht ihnen Recht. Unter Humor verstehe ich etwas anderes!

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  • Max König am 01.06.2017 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Unglaublich und oberpeinlich! Wie kann man nur schon auf die Idee kommen, das Fotografieren von Landschaft (!) zu verbieten?

  • Kusi am 01.06.2017 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlierer!

    Ich war noch nie in Bergün und ich werde nie nach Bergün gehen. Es gibt schönere Orte und Willkommenere Orte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reisebüroleiter am 02.06.2017 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Lachhaft

    den Lohn durch dieses Berühmt werden von Bergün,wird die Gemeinde noch lange spüren.Denn die Meldung,das diese ein Witz gewesen wäre,wird sich bei weitem,nicht mehr so schnell verbreiten und nicht überall hin,den Weg finden.Denn nach Schlagzeilen,werden Richtigstellungen immer kleiner und längst nicht von Allen übernommen. Vielleicht beteiligt sich das Werbebüro am Schaden,wobei die haben ja einen Dummen gefunden um die Kampagne zu lancieren.

    • Duri am 02.06.2017 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reisebüroleiter

      Den heutigen Freitagmittag habe ich auf der Terasse des Weissen Kreuz verbracht. Für einen normalen Freitag war die Terasse extrem gut besetzt und die Stimmung war gut. Es wurde tischübergreifend über den PR Gag gelacht und alle waren zufrieden. Ach ja: es waren keine städtischen Wutbürger vor Ort. Was für eine Wohltat.

    • Reisebüroleiter am 02.06.2017 17:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Duri

      Nun sie werden auch in Zukunft in aller Ruhe,die Terasse geniessen können,denn ich gehöre zu einem internationalen Reisebüro,das dass Albula Bahnmuseum,ins Programm aufnehmen wollten. Gerne dürfen sie auch noch viele Jahre über denn Gag lachen,auch wenn sie dann alleine auf der Terasse sitzen. Mfg

    • Duri am 02.06.2017 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reisebüroleiter

      Ich denke an den Reaktionen der Gäste von heute Nachmittag lässt sich die Stimmung besser ableiten als von sen Wutkommentareb eines angeblichen Reisebüroleiters.

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  • Jörg am 02.06.2017 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe NASA

    also spätenstens wenn man das Video der Kampagnie mit der Bitte an die NASA, keine Fotos mehr zu schiessen, gesehen hat und es immer noch ernst nimmt sollte man sich vielleicht fachliche Hilfe suchen bevor man andere als nicht ganz richtig im Kopf aburteilt. offensichtlichere Satiere geht wohl kaum mehr.

  • Heidi am 02.06.2017 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Was jetzt

    Einerseits kann man ab sofort wieder fotografieren heisst es andererseits wird das Fotoverbot bei der nächsten GV wieder aufgehoben..was jetzt?

  • urs steiner am 02.06.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    wir schweizer

    wer die schweiz kennt, weiss, dass dies realität sein kann. dieses verbot ist ist nicht weit hergeholt.

    • Duri am 02.06.2017 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @urs steiner

      Und wer keinen Humor hat, versteht den Hintergrund nicht. Sitze übrigens gerade im Weissen Kreuz in Bergün und geniesse das tolle Wetter.

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  • Ferdi am 02.06.2017 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird zum Paradis

    eins ist nun auf jedenfall klar, Bergün wird in nächster Zeit nicht Foto sondern Wutbürgerbefreit sein. ich werd am Pfingesten gleich mal hoch fahren und mir diese Stille genüsslich zu Gemüte führen.

    • Duri am 02.06.2017 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ferdi

      Ich war heute dort und habe im Weissen Kreuz meinen Kafee genossen. Wutbürger und andere humorlose Individuen habe ich gottseidank keine gesehen. Die Terasse des Weissen Kreuz war ünrigens sehr gut besetzt. Es scheint also noch Schweizer zu geben, die das "Verbot" richtig einschätzen.

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