Medienkonferenz

13. Dezember 2019 14:27; Akt: 13.12.2019 15:54 Print

Berset sagt, wie er die Pensionskasse retten will

Der Bundesrat lehnt die Initiative für ein Verbot von Tierversuchen ab. Zudem will er den Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge senken.

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Wie die AHV muss auch die berufliche Vorsorge (BVG) dringend reformiert werden. Die Sozialpartner haben im Sommer einen Kompromiss vorgelegt. Diesen hat der Bundesrat am Freitag in die Vernehmlassung geschickt.

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Der Mindestumwandlungssatz, mit dem das angesparte Kapital in eine Rente umgerechnet wird, sinkt von 6,8 auf 6,0 Prozent. Dadurch gehen auf einen Schlag 12 Prozent der Rente verloren.

Die heutigen Rentenversprechen können jedoch kaum mehr finanziert werden. Gründe sind die steigende Lebenserwartung und die sinkenden Erträge. Daher müssen mehrere Milliarden Franken pro Jahr innerhalb der zweiten Säule umverteilt werden.

Lebenslanger Zuschlag

Die Linke hat die Senkung des Umwandlungssatzes schon zweimal erfolgreich an der Urne gestoppt. Dass die Gewerkschaften diesmal zustimmen, hat mit einem Gegengeschäft zu tun: Bezügerinnen und Bezüger von BVG-Renten sollen einen lebenslangen monatlichen Rentenzuschlag erhalten.

Für die ersten fünf Neurentner-Jahrgänge nach Inkrafttreten soll dieser Zuschlag 200 Franken, betragen, für dir folgenden fünf Jahrgänge 150 Franken und dann 100 Franken. Davon profitieren tiefere Einkommen und Teilzeitbeschäftigte sofort. Zudem wird damit das Rentenniveau einer Übergangsgeneration von 15 Jahrgängen erhalten. Danach soll der Bundesrat den Betrag jährlich neu festlegen.

Finanziert wird der Zuschlag über einen Lohnbeitrag von 0,5 Prozent auf einem AHV-pflichtigen Jahreseinkommen bis 853'200 Franken. Diese Umlagefinanzierung stellt in der beruflichen Vorsorge einen umstrittenen Tabubruch dar. Es ist eine Konzession an die Linke, die sich schwer damit tut, mehr Geld in die zweite Säule zu pumpen und stattdessen die umlagefinanzierte AHV stärken möchte.

Mehr Rente für Frauen

Das gleiche gilt für die umfangreichen Verbesserungen für Teilzeitangestellte, Arbeitnehmende mit tiefen Einkommen und damit insbesondere für Frauen. Getreu dem Sozialpartner-Kompromiss schlägt der Bundesrat vor, den Koordinationsabzug, der den versicherten Lohn bestimmt, auf 12'443 Franken zu halbieren.

Das bedeutet ein höherer versicherter Lohn und höhere Beiträge, aber auch mehr Rente. Vom tieferen Koordinationsabzug profitieren insbesondere Teilzeitbeschäftigte. Für Arbeitnehmende mit mehreren Einkommen hingegen ändert sich nichts, weil die Eintrittschwelle bei 21'330 Franken bleibt.

Die Lohnbeiträge an die Pensionskasse hingegen werden so angepasst, dass ältere Arbeitnehmende für Arbeitgeber gegenüber heute günstiger und damit konkurrenzfähiger werden.

Aktuell betragen die Altersgutschriften 15 Prozent für 45- bis 54-Jährige und 18 Prozent für ältere Arbeitnehmende. Künftig sollen sie sich für beide Altersgruppen auf 14 Prozent des versicherten Lohns belaufen. Für Arbeitnehmende zwischen 25 und 44 Jahren werden die Beiträge einheitlich auf 9 Prozent festgelegt, was tendenziell eine Erhöhung bedeutet.

Hohe Kosten

Die Kosten für die Versicherten belaufen sich nach Angaben des Bundesrats auf über 3 Milliarden Franken. Mit 1,4 Milliarden schlagen die Halbierung des Koordinationsabzugs und Anpassung der Altersgutschriftensätze zu Buche, mit 1,85 Milliarden die Finanzierung des Rentenzuschlags. Um 200 Millionen Franken entlastet wird die Rechnung durch die Aufhebung der Zuschüsse für Vorsorgeeinrichtungen mit einer ungünstigen Altersstruktur.

Diese Massnahmen werden vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund, Travail.Suisse und dem Arbeitgeberverband mitgetragen. Der Bundesrat hat den Sozialpartner-Kompromiss unverändert in die Vernehmlassung geschickt. Diese dauert bis zum 27. März 2020. In Kraft treten könnte die BVG-Reform 2023.

Nicht an Bord ist der Schweizerische Gewerbeverband. Er schlug dem Bundesrat vor, den Umwandlungssatz ohne Rentenzuschlag oder zusätzliche Lohnprozente zu senken. Darauf ist der Bundesrat nicht eingegangen. Er behält sich aber Anpassungen am Entwurf nach der Vernehmlassung vor.

Nachdem die Reform der Altersvorsorge im September 2017 gescheitert war, gleiste der Bundesrat rasch eine neue AHV-Reform auf. Diese liegt derzeit beim Parlament. Die Sozialpartner beauftragte er, Lösungen für die 2. Säule aufzuzeigen.

(kat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stef Eich am 13.12.2019 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Mal nicht ins Ausland spenden

    AHV ist unter Druck und jetzt auch noch die Pensionkassen? Wie wärs wenn der Bund mal weniger oder gar kein Geld mehr ins Ausland "spendet" in Länder die nur verbrauchen anstatt etwas zu leisten. Für das eigene Land hat die Schweiz mal nichts mehr....aber Hauptsache Milliarden im Ausland verlocht!! Bravo Bern!

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  • Fridolin Kümmerlich am 13.12.2019 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Berset kann die Pensionskasse

    nicht retten, weil es gar nichts zu retten gibt. Und nein, ich arbeite nicht bis ich sterbe, danke.

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  • The Fiend am 13.12.2019 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja Jaaaa

    Mit anderen Worten, In die Pensionskasse Einbezahlen Lohnt sich nicht mehr da das Geld was man Einbezahlt hat sowieso Futsch ist! Immer der kleine muss Büssen während die großen immer mehr bekommen!^^

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 34 am 04.01.2020 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Nein

  • so sieht es aus am 02.01.2020 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Ergebnisse

    reden kann man viel... zu wenig eigen Motivation, für wass auch !

  • Spanner am 17.12.2019 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berset

    Was der Berset anfässt, endet immer schlecht wie der Sparwahn im Gesundheitswesen.

  • Simona am 17.12.2019 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Grundlagen BVG nicht zerstören

    Man muss das System nicht noch komplizierter machen. Man muss es massiv vereinfachen und entschlacken. Arbeitgerber und Arbeitnehmer zusammen müssen ein effizientes System betreiben und dazu motiviert werden. So war es ursprünglich. Das heutige BVG hat nicht mehr viel damit zu tun. Sozialistisch geprägte Gewerkschaften und Linke schon gar nicht. Die wissen nicht was ein Unternehmen ist. Die Fordern einfach nur und genau so macht man das System definitiv kaputt.

  • R.Dreibein am 16.12.2019 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Labbertaschen

    Eine Labbertante löst die nächste ab ! Viel Kosten wenig bis keine positive Resultate