«Monsieur Parfait»

14. Dezember 2011 11:58; Akt: 15.12.2011 07:54 Print

Berset krönt seine Bilderbuchkarriere

SP-Ständerat Alain Berset hat sich ganz und gar der Politik verschrieben. Mit der Wahl in die Landesregierung krönt der erst 39-jährige Freiburger eine steile Karriere.

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Scheinbar mühelos gelang dem Freiburger SP-Vertreter Alain Berset der rasche Aufstieg von der Kommunalpolitik aufs Bundesparkett. 2003 wurde er mit 31 Jahren in den Ständerat gewählt, fünf Jahre später präsidierte er die kleine Kammer.

Als Bundesrätin Micheline Calmy-Rey diesen Herbst ihren Rücktritt ankündigte, wurde Berset rasch als Kronfavorit gehandelt. Er selber liess sich aber Zeit und machte erst Anfang Oktober seine Bundesratsambitionen öffentlich.

Besonnen und überlegt

Überhaupt gilt Berset als besonnen und überlegt. Seine Auftritte wirken reif, gelassen und staatsmännisch. Berset ist kein Revoluzzer, der mit dem Kopf durch die Wand will.

Vielmehr gilt der Berufspolitiker und dreifache Familienvater als sachlicher Analytiker, unideologischer Brückenbauer und kluger Diplomat. Manchen ist «Monsieur Parfait», wie ihn die welsche Presse nennt, allerdings schon etwas zu geschliffen und angepasst.

Kaum Angriffsflächen

Angriffsflächen bietet Berset in der Tat wenig, es sei denn seine mangelnde Exekutiverfahrung. Darauf angesprochen winkt er ab: «Es gibt keinen Fähigkeitsausweis für den Bundesrat», betonte Berset in den letzten Wochen jeweils.

Der Freiburger vertritt klar linke Positionen und hält den Kurs von Parteipräsident Christian Levrat, dem er seit Jahren freundschaftlich verbunden ist.

Berset zählt in der SP-Fraktion zu den Wortführern und ist eine gewichtige Stimme der Romandie. 2007 soll er zu den aktiven Strippenziehern bei der Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher gehört haben.

Mit seinen 39 Jahren ist Berset der zweitjüngste Bundesrat der Nachkriegszeit - und der vierte Freiburger in diesem Amt.

Sporen im Kanton Freiburg abverdient

Als studierter Politologe und Wirtschaftswissenschaftler arbeitete Berset zunächst in der Forschung. Von 2002 bis 2004 war er Berater des Neuenburger Volkswirtschaftsdirektors Bernard Soguel.

Seine politischen Sporen verdiente er sich im Freiburger Verfassungsrat ab, wo er von 2000 bis 2004 die SP-Fraktion anführte. Zuvor war er an seinem Wohnort Belfaux im Gemeinderat.

Als 31-Jähriger schaffte Berset 2003 den Sprung aufs Bundesparkett. Er jagte dem freisinnigen Ständerat Claude Cornu den Sitz ab und knüpfte wieder an die lange Tradition sozialdemokratischer Standesvertreter aus dem Kanton Freiburg an.

Unter der Bundeshauskuppel hat sich der studierte Politologe und Wirtschaftswissenschaftler rasch einen Namen als Wirtschafts- und Finanzpolitiker gemacht.

Vier Jahre später schaffte er die Wiederwahl. Mit 36 Jahren wurde Berset einer der jüngsten Ständeratspräsidenten der Schweiz. Bei den Ständeratswahlen von Ende Oktober überflügelte er schliesslich sogar den bekannten CVP-Mann Urs Schwaller.

Berset präsidiert derzeit die Staatspolitische Kommission. Darüber hinaus hält er nur wenige Ämter, so etwa das Präsidium einer Freiburger Behindertenorganisation oder des Westschweizer Mieterverbandes.

Politvirus in der Familie

Das Politisieren wurde Berset quasi in die Wiege gelegt. Seine Mutter Solange Berset präsidierte mehrere Jahre lang die Freiburger SP. Schon sein Grossvater, François Angéloz, war politisch aktiv.

Alain Berset ist verheiratet und hat drei Kinder. Zusammen mit seiner Familie wohnt er im elterlichen Haus in Belfaux. In seiner Freizeit spielt er gerne Klavier.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Viana am 14.12.2011 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere

    Wie hat Alt-Bundesrat Ogi treffend jeweils gesagt "Freude herrscht"... Ich freu mich für Herrn Berset. Denke damit haben wir auf jeden Fall einen guten Mann ins Bundeshaus geholt.

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  • Franz am 15.12.2011 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    SVP nicht aufgeben - macht weiter

    Totgeglaubte leben länger

  • Maja Meier am 15.12.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das gleiche....

    Und jedes mal spannt die FDP trotzdem wieder mit der SVP zusammen. Die haben es alle nicht besser verdient.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 17.12.2011 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    EWS-PROBLEM HABEN SICH ALLE ZU EIGEN

    GEMACHT um ihre eigenen BR vor Abwahlen zu schützen - SVP-Gerechtigkeit hat in einem so Korupptem-Polit-System keinen Platz mehr - sie werden wie Sätzige ausgestossen. Insbesondere die CVP-Drahtzieher Darballey / Schwaller tragen die Hauptschuld für das Polit-Chaos.

  • Tina Städler am 16.12.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Witz

    FDP arbeitet mit SVP zusammen? Soll dies ein Witz sein?

  • Peter am 16.12.2011 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Spenden ?

    Was macht ein SP BR mit über 400'000 Jahreseinkommen ? Ein richter SPler müsste min. die Hälfte spenden oder bei sich ein paar Dutzende Asylanten gratis aufnehmen. Und die Realität ? Er lernt den Kapitalismus kennen und schätzen....

    • moke am 16.12.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      Gut gerbrüllt Löwe

      Da fragen sich einige warum mann eine Wahlschlape einfangt!

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  • chrigi am 15.12.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    steht dazu

    Schwach, dass so viele Politiker jetzt sagen, die SVP sei selber Schuld, dass sie keinen zweiten BR bekommen haben. Ich weiss nicht für wie blöd die einen verkaufen wollen. Es kann nicht daran gelegen haben, dass sie nicht brauchbares Personal gehabt haben. Sonst hätten Mitte-Links ja wie 2007 irgend einen aussuchen und der SVP vorsetzen können. Seit doch einfach alle ehrlich, die Konkordanz war einmal, jetzt gehts um Machtspiele. Die SVP hat einfach keinen 2.Sitz bekommen, da die Mehrheit dies nicht wollte. Ausreden und Rechtfertigungen brauchts da keine.

  • Senjor am 15.12.2011 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Vorschusslorberen

    Der neue Bundesrat muss sich erst noch Bewähren. Ich denke dass man in seinem Alter nicht die Erfahrung haben kann, wie ältere Politiker, und dies bes. in der heutigen schnellebigen Zeit, wo Frauen dominieren.