Verpackungen

13. November 2019 04:45; Akt: 13.11.2019 08:11 Print

Klimajugend fordert Lieferservice-Boykott

von B. Zanni - Food-Kuriere liefern Bestellungen oft stark verpackt und mit dem Auto aus. Klimaschützer rufen dazu auf, die Angebote nicht zu unterstützen.

Ein Test von 20 Minuten bestätigt, dass Food-Kuriere mit Verpackungen grosszügig umgehen. (Video: B. Zanni)
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Essen direkt vor die Tür zu bestellen, ist beliebt. Mit der Expansion von UberEats mischte kürzlich ein neuer Player den Food-Delivery-Markt auf. Mehr als zwei Drittel der unter 30-Jährigen kauft mindestens einmal im Monat Essen bei Lieferservices, Take-aways oder in Restaurants, wie eine Umfrage der deutschen Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen, Forsa, vom August 2019 zeigte.

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Müssen Food-Kuriere umweltfreundlicher werden?

Klimabewusste sehen das Verhalten aber als mindestens so schädlich für die Umwelt wie das Fliegen. «Es wäre meiner Meinung nach höchste Zeit, die ‹Essen-bestellen-Scham› einzuführen», fordert eine Autorin im Online-Magazin Jetzt.de. Bestelltes Essen werde meist in einer Karton- oder Plastikverpackung geliefert. Nicht selten bestehe das Besteck aus Plastik und sei noch einmal extra in Plastik eingepackt. Dazu komme ein riesiger Haufen Servietten.

«Absurde Verpackungen»

Weiter kritisiert die Autorin, dass die Speisen mit einem Auto oder einem Töff an den Zielort gekarrt werden. Ebenso unökologisch sei, wenn man danach die Pizza zum Aufwärmen noch kurz in den Ofen schiebe. Sie empfiehlt deshalb, das Essen im Restaurant dem Bestellen vorzuziehen.

Auch Schweizer Klimaschützer raten zum Boykott von Heimlieferdiensten. «Die Lieferservices mit ihren absurden Verpackungen und umweltschädlichen Transporten waren in unserer Bewegung auch schon Thema», sagt Jann Kessler, Klimastreikaktivist und Mitglied der Medien-Arbeitsgruppe der Bewegung Klimastreik Schweiz. Er selbst verzichte schon länger auf Food-Kuriere. Er befürworte eine Essen-bestellen-Scham. «Jeder, der ein Herz für unseren Planeten hat, sollte Lieferservices nicht mehr nutzen.»

Essen direkt aus dem Topf schöpfen

Seiner Meinung nach geht Klimaschutz aber nicht mit einem Aus der Lieferdienste einher. Kessler schlägt vor, dass die Kuriere ihre Waren ausschliesslich in wiederverwertbaren Packungen liefern. «Am besten verzichten die Services ganz auf Verpackungen.» Möglich wäre dies laut Kessler, indem die Kuriere das Essen direkt aus dem Topf ins Geschirr des Kunden schöpfen.

Auch für den Transport gebe es Alternativen, so Kessler. «Anstatt mit dem Auto oder Töff sollten die Kuriere das Essen mit Lastenvelos liefern.» Damit diese auch grössere Distanzen zurücklegen könnten, müssten sich die Anbieter stärker dezentralisieren. Dies würde laut Kessler auch bedeuten, dass Lieferservices vermehrt auf lokale Produkte setzen und etwa «Gemüsekörbe von lokalen Bauern im Angebot haben».

Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, teilt die Meinung: «Es ist klar, dass man besser handelt, wenn man nicht ständig Essen bestellt.» Die Beliebtheit von Lieferservices sei ein Problem der schnelllebigen Individualgesellschaft. «Um die Anbieter zu einem Umdenken zu bringen, braucht es politische Lösungen.» Als richtigen Weg dazu sieht Franzini eine CO2-Abgabe auf Benzin und höhere Preise für Plastik.

«Salate in kompostierbaren Gefässen verpackt»

Auch Food-Kuriere beurteilen ihre Liefertraditionen kritisch. «Bei Kurieren Essen zu bestellen, ist sicher nicht die nachhaltigste Konsumform», sagt Patrick Bircher, Geschäftsführer vom Pizza-Kurier Dieci. Sie hielten die Augen stets offen nach nachhaltigen Lösungen. «Unsere Salate verpacken wir zum Beispiel nicht mehr in Plastikbehältern, sondern in kompostierbaren Gefässen.» Der Deckel jedoch bestehe nach wie vor aus Plastik. «Da der Kunde den Salat sehen will, kommen wir um einen durchsichtigen Deckel nicht herum.»

Auch für Pizzaschachteln gibt es laut Bircher noch keine umweltfreundliche Lösung. «Esswaren darf man aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nicht mit rezykliertem Material verpacken.»

Mühe mit Elektrorollern

Die Pizzas in Retourenschachteln zu liefern, würde den logistischen Aufwand sprengen. «An einem Sonntagabend müssen pro Standort ein paar Hundert Pizzas raus. So viele Retourenschachteln könnten wir bei uns gar nicht lagern.» Die Pizza direkt auf den Teller des Kunden zu servieren, sieht Bircher nicht als Lösung. «So könnten wir die Pizza nicht gleich frisch liefern.»

Ein Verzicht auf Autos sei derzeit unmöglich. Laut Bircher liefern die Mitarbeiter die Bestellungen teilweise zwar bereits mit Elektrorollern aus. «In der Praxis bewähren sich die Roller leider nicht. Bei feuchtem Wetter müssen unsere Fahrer immer wieder mal damit kämpfen, dass sie ihre Elektroroller nach der Lieferung nicht mehr starten können.» Sobald es eine bewährte nachhaltige Transportlösung gebe, sei sein Lieferdienst aber der erste, der darauf umsteige.



Mittagessen mit viel Verpackung

Ein Test von 20 Minuten bestätigt, dass Food-Kuriere mit Verpackungen grosszügig umgehen (siehe Video oben). Neun Redaktionsmitglieder bestellten am Dienstag bei sechs verschiedenen Lieferservices ein Mittagessen: ein thailändisches Pad Krapao, eine Tom-Ka-Gai-Suppe, ein Poulet Koddu Rotty, ein Pad Priw Whan, ein Pad Thai, Sushi, Pizza, Penne und Chicken Wings.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manatee11 am 13.11.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen, Wein saufen....

    Ok, aber dann, liebe Klimajugend, verzichtet auch auf Zalando und Co. Ihr bestellt drei Teile im Wissen, dass Ihr zwei davon zurück schickt... Geht doch mit den ÖV in die Stadt und kauft dort ein. Dann muss der (ach so gehasste) Lastwagen nur einmal fahren. Ach ja, das billige Zeug kommt per Schiff (fährt notabene mit Schweröl) aus Asien... Schon mal weiter gedacht?

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  • Lucius Annaeus Seneca am 13.11.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Salat...

    Liebe Klimaaktivisten, geht zu eurem Bauer und pflückt den Salat selber. Zu Hause könnt ihr den dann noch selber waschen . Ebenso bei der Pizza: Zur Mühle gehen etc. etc..Das wäre ja mal ein guter Vorsatz.

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  • _MadShark_ am 13.11.2019 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur eine Frage?

    Welche Altersgruppe ist der Hauptkunde von Lieferdiensten und anderen Verpakungssündern (wie z.b. McDonnalds) Und Frage 2: Welche Altersgruppe gehören die meisten Klimaaktivisten an? Sehe nur ich da gewisse zusammenhänge? Mir fällt auch auf das besonders Geschäfte rund um Schulen (Uni, Gimnasium und Berufschulen) extrem viele Producke anbieten wo noch extra Verpackt sind...wie z.B. Orangenschnitze etc... Da kommt doch diese Klimajugend zusammen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno M. am 13.11.2019 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht

    Mich stört die viele Verpackung auch, aber an zig Produkten macht sie Sinn. Für mich besteht der Aufwand darin, dass ich ALLES sammle und am richtigen Ort entsorge. Dazu gehören auch alle Kunststoffe, für die wir in unserer Gemeinde einen ca. 110 Liter Sack kaufen können. Für echten Kehricht genügt dann ein 17 Liter Sack in 14 Tagen. Mich stören all diejenigen, die ihren Abfall nicht im Kübel entsorgen, sondern dort fallen lassen, wo sie gerade sind. Das zeugt von Desinteresse an der Umwelt und einer grossen Portion Dummheit. Lieferservice ist nicht schlecht, der Kunde ev. schon.

  • Roman, 30 am 13.11.2019 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf den Schenkeln warm gehalten...

    Ja klar - die Kuriere könnten doch die Pizza direkt auf dem Schoss halten während sie fahren...oder vielleicht erfindet jemand noch ein Fahrrad mit nem Heiz-Dynamo, um die Pizza warm zu halten... bergab könnts vielleicht kurz reichen :-) Hört doch mal auf zu meinen, man könne den Planeten mit blindem Aktivismus retten. Der gesunde Menschenverstand verkommt im Zeitalter der Pseudo-Öko-Gesellschaft wohl immer mehr zu einem Relikt der Vergangenheit. Denkt lieber wieder mal an den grossen Teil der Menschheit, der sich gar keinen Lieferdienst leisten kann und ganz ohne Plastikverpackung immer noch jeden Tag verhungert. Aber wehe wenn dieser Teil mal soweit entwickelt ist, dass er ebenfalls Lieferdienste nutzen kann. Dann ist der Effekt unserer Klima-Fahrrad-Pizza wieder in einem Tag zunichte :-(

  • Nicole am 13.11.2019 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Tochter ist dabei

    Man kann die Klimaaktivisten gut finden oder nicht, das darf jeder für sich selber entscheiden. Ich finde es jedoch nicht in Ordnung, wenn unreflektiert Anschuldigungen an diese gemacht und die Jugendlichen allgemein der Klimajugend gleichgesetzt werden. Da unsere jüngste Tochter aktiv in dieser Bewegung dabei ist, sehe ich ziemlich genau, wie sich diese Jugendlichen verhalten. Auch sie sind nicht immer "perfekt", allgemein betrachtet , kann ich jedoch bezeugen: Alle arbeiten - auch neben dem Studium. Und zwar nicht einfach nur ein bisschen! Sie bestellen nicht bei Zalando oder Amazon, fliegen nicht in die Ferien und haben nicht das neuste Handy. Sie kaufen bei Bio-, resp. Unverpacktläden und auf dem regionalen Markt ein, kochen selber, fahren Velo und Zug. Klimawandel hin-oder-her: Schön und angenehm ist die Umweltverschmutzung auf keinen Fall. Diese Jugendlichen haben noch den Enthusiasmus und die Energie. Sie wollen etwas verändern und ich finde, ihnen gehört Respekt.

  • An Alle am 13.11.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurzsichtigen

    Viele Firmen haben eine Marketing Abteilung. Wie können wir es den Menschen noch bequemer machen? Fast-food,Mc, Kurier, Online-Shopping, etc. Das sind alles Erfindungen von erwachsenen Menschen, damit damit Kohle gemacht wird. Wären wir alten jung, würden wir auch diese Angebote nutzen. Hört auf Vergleiche mit der Jugend zu ziehen. Wir alten haben den Schnick-Schnack im Büro erfunden. Kein Kid hat MC Donals hingestellt.

  • leon am 13.11.2019 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung

    erinnert mich stark an den kindergarten hier, ganz ehrlich. Mobbing eines dir nicht in die weltpassenden menschen auf brutalste art und weise?! Dabei willst du dich weder informieren noch die zusammenhänge verstehen. Was Greta sagt ist das eine, was die politik daraus macht das andere. Schliesslich gibts du greta die schuld für politisches fehlverhalten. Kindrgarten!