Lehrlingsmangel

09. Juli 2015 08:59; Akt: 09.07.2015 11:03 Print

Betriebe machen via Facebook Jagd auf Stifte

In der Schweiz sind noch knapp 10'000 Lehrstellen offen. Die Bau- und Gastrobranche suchen verzweifelt Nachwuchs.

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«Rock the Rössli»: Mit einer Kampagne in den sozialen Netzwerken will das Gastgewerbe den Kochberuf wieder beliebter machen. (Bild: zvg)

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Der Lehrlingsmangel spitzt sich zu: Gemäss dem Lehrstellennachweis der Kantone sind 9'739 offene Lehrstellen in der Schweiz gemeldet – und schon in wenigen Wochen fängt die Berufsschule an. Dieses Jahr dürfte jede zehnte Lehrstelle in der Schweiz nicht besetzt werden. Auch weil weniger Jugendliche eine Lehrstelle suchen als noch letztes Jahr.

Nicht gefragt sind Jobs auf dem Bau, wo 2'344 offene Lehrstellen gemeldet sind. So werden 470 angehende Elektroinstallateure, 150 Maler oder 112 angehende Strassenbauer verzweifelt gesucht. Auch im Bereich Gebäudetechnik (1'298), im Verkauf (1'221) oder im Gastgewerbe (951) fehlen Lehrlinge.

Körperliche Arbeit ist unbeliebt

Tiziana Fantini vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation stellt fest, dass bei Jungen körperlich anstrengende Tätigkeiten weniger gefragt sind. Diese «arbeiten vermutlich lieber im Büro, als sich draussen Hitze, Regen oder Schnee auszusetzen».

Auch André Monhart vom Amt für Jugend und Berufsberatung sagt, dass handwerkliche Berufe nach wie vor ein Image-Problem hätten. «Diese leiden deshalb besonders unter dem Lehrlingsmangel.» Dagegen seien die Schüler in einer komfortablen Position und könnten auswählen.

Werbung auf Facebook und Instagram

Weil in den betroffenen Branchen der Kampf um den besten Nachwuchs immer härter wird, versuchen viele mit Kampagnen, die Ausbildungen besser zu vermarkten. So erinnert etwa Josef Wiederkehr, Präsident der Gerüstbauer, auf Twitter daran, dass Handwerk goldenen Boden habe und buhlt mit einem Youtube-Video um Nachwuchs.

Auch die Gastgewerbe-Verbände Gastrosuisse und Hotelleriesuisse haben eine Social-Media-Offensive gestartet und werben mit einer Kampagne namens «Rock the Rössli» auf Facebook, Instagram und Youtube für ihre Ausbildungen. Im Gastgewerbe fehlen gemäss dem Lehrstellennachweis schweizweit allein 298 angehende Köche. Neben den geburtenschwachen Jahrgängen muss laut Gastrosuisse-Vizedirektor Daniel C. Jung auch wegen der Arbeitszeiten speziell viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. «Das Gastgewerbe findet dann statt, wenn andere frei haben, also auch am Abend und an den Wochenenden.» Zudem sei es gerade für Betriebe auf dem Land oder in den Bergregionen schwieriger, Lernende zu rekrutieren.

Branchen jagen sich beste Talente ab

Beim Baumeisterverband geht man ebenfalls neue Wege: «Die Konkurrenz zwischen den Ausbildungen ist gross und auch die Jugendlichen sind fordernder geworden», sagt Ueli Büchi vom Baumeister-Verband. Er gehe davon aus, dass rund 250 Lehrstellen für die Maurerausbildung nicht besetzt werden können. Man habe darum Pilot-Projekte auf Facebook und Co. lanciert. Daneben setze man auch auf professionelle Info-Filme an Berufsmessen und versuche vermehrt, auch das Umfeld der Jugendlichen zu bearbeiten – von der Mutter bis zum Lehrer.

«Unser Ziel ist es, dass Lehrer, die selbst einen akademischen Hintergrund haben, unsere Berufe und die hervorragenden Karrieremöglichkeiten im Unterricht thematisieren», sagt Büchi. Sollten diese Massnahmen nicht fruchten, müsse darüber nachgedacht werden, wie man vermehrt Quereinsteiger für den Beruf gewinnen könne.

So suchen die Gerüstbauer Nachwuchs:

(daw/vb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredy Müller am 09.07.2015 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ehemaliger Bau/ Baunebenbranchenarbeiter

    Tja da ist die Branche selber Schuld, habe selber eine Lehre in der Bau bzw Bau- Nebenbranche gemacht. Die Bedingungen unter welchen man heute arbeiten muss, sind alles andere als angenehm. Enormer Zeitdruck, Lohndruck,kaum Sanitäre Anlagen, Mittag auf dem Baustellenmagazin bei Kälte und Hitze. Verständigungspropleme mit Ausländische Billig- Lohn Arbeitnehmer etc. Das stolze Handwerk von einst damals ist ausgestorben. Wie will man so etwas den jugendlichen schmackhaft machen??

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  • Dennis am 09.07.2015 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr zahlen

    Wie wär es später einen guten lohn zu bezahlen. Ich wär gerne koch geworden, aber bei der Bezahlung sicher nicht.

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  • Semir beqiri am 09.07.2015 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    baustelle

    ich war selber auf der Baustelle und ich weiss wie lehrlinge dort behandelt werden misserabel, die umgangssprache ist sehr schlecht auf dem Bau.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascale am 10.07.2015 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute zählen nur noch Noten

    Ich selbst habe 3 Semester eine Lehre als Informatikerin gemacht. Musste dann aus psychischen gründen die Lehre abbrechen. Der Druck war mir viel zu gross.

    • Susanne am 10.07.2015 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Auf und weiter:

      Informatiker ist eine anspruchsvolle Ausbildung und wer das Rüstzeug nicht mitbringt, ist damit überfordert. Logisch zählen die Noten, was sonst? Die Bedingungen sind für alle gleich und so kann man einen Lehrling beurteilen. Die psychischen Probleme gibt's wegen der Überforderung, aber da ist nicht die Ausbildung Schuld!

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  • Härdöpfel am 10.07.2015 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bau und Gastgewerb

    Im Gastgewerbe und auf dem Bau... das erstaunt überhaupt nicht. Der Umgangston und wie despektierlich in dieser Branche mit den Lernenden umgegangen wird ist wie vor 50 Jahren... die meisten dieser Gewerbe haben diesbezüglich leider wenig dazugelernt.

  • s.r.e. am 10.07.2015 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaade

    Schaade! Ich suche schon seit längerem eine Lehrstelle als FABU (Fachmann Betriebsunterhalt Innendienst) Jetzt sieht es ja bald so aus, dass man dank den Betrieben Facebook beitreten MUSS(!) um an diverse Angebote zu gelangen.

  • Kochlehrling am 09.07.2015 23:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gastgewerbe

    kein wunder das es im Gastgewerbe einen mangel an fachkräfte gibt, so wie wir Lehrlinge dort ausgebeutet werden

  • Jennifer,17, Bern am 09.07.2015 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu faule Jugendliche

    Ich bin eine auzubildende Schreinerin. Ich weiss wie es ist auf dem Bau. Es liegt nicht daran das di arbeiten zu anstrengend ist. Es liegt daran das di Abgäbger immer fauler werden. Sie hoffen mit einem schlechten Zeugniss und ohne Motivation auf eine Lehrstelle und wenn es doch nicht klappt gibt es ja noch das 10. Schuljahr. So denken Sie. Ich habe vielen im Freundeskreis die eifach keine Lust hatten eine Lehrstelle zu suchen und eifach ein 10. Schuljahr gemacht haben oder einige die in mitten der Lehre abgebrochen haben nur weil si keine Lust mehr hatten. Und ausserdem wird in der schule vor allem das Gymnasium gefördert. Sie sollten mehr auch die Berufe fördern. Denn di wenigstens machen nach dem Gymnasium etwas schlaues.

    • Sepp am 09.07.2015 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Danke du sprichst mir aus dem Herz. Heute geht alles nach dem Lustprinzip. Bei der kleinsten Schwierigkeit, läuft man davon. Und dann noch weiss was für Löhne fordern. Ich war in der Lehre für 50.- pro Monat und musste davon auch das Mittagessen bezahlen. Das ist keine 50 Jahre her. Aber ich war froh um die Lehrstelle. Wie du. Bravo.

    • Dani am 10.07.2015 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Lustig

      Die wenigstens machen nach dem Gymnasium etwas Schlaues???!! Also bitte... Es wird überhaupt nicht nur das Gymnasium gefördert, ein Hauptproblem ist eher auch, dass Lehrlinge und KV sich immer versuchen vom Gymi abzugrenzen indem sie es schlecht reden. Da spreche ich aus Erfahrung. Warum rechtfertigst du dich?

    • Dani am 10.07.2015 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag

      Du hast aber immerhin Recht, dass viele heute nach dem Lustprinzip arbeiten. Durchhaltewillen zählt nichts in der Generation Unterhaltung. Da sind wir allerdings selber schuld; das sind die Geister, welche die IT gerufen hat (Unterhaltung, Abnahme der Arbeit, Automation).

    • Oliv am 10.07.2015 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      Sehr schlau

      Jene die solche Rechtschreibefehler machen wie "di" sollten sich auch eher vom Gymnasium fernhalten und sich vielleicht überlegen im Gegensatz zu den Gymnasiasten welche nicht "Schlaues" tun nach der Ausbildung nochmals eine Schule besuchen. Nur so als Tipp :-)

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