Markus Reinhardt

28. Januar 2010 16:22; Akt: 28.01.2010 18:38 Print

Betrunken auf dem WEF-Kommandoposten

von Annette Hirschberg, Chur - Markus Reinhardt hat sich mit seiner Dienstwaffe das Leben genommen. Am Sonntag vor seinem Freitod erschien der Bündner Polizeikommandant offenbar alkoholisiert auf dem WEF-Kommandoposten. Ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden.

Ausschnitt aus der Medienkonferenz in Chur.
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Der ehemalige WEF-Sicherheitschef und Bündner Polizeikommandant Markus Reinhardt hat offenbar Suizid begangen. Eine Fremdeinwirkung könne ausgeschlossen werden, habe die Untersuchung ergeben. Der Kommandant hat sich mit seiner Dienstwaffe im Hotelzimmer das Leben genommen, teilte Staatsanwalt Maurus Egger vor den Medien in Chur mit. Der Tod sei zwischen 6.30 und 7.45 Uhr eingetreten. Einen Schuss habe niemand gehört. Ob Reinhardt zum Todeszeitpunkt alkoholisiert gewesen war, wollte Egger nicht sagen. Einen Abschiedsbrief hat die Polizei nicht gefunden.

Stand vor Entzug der Verantwortung

Ob sein Alkoholproblem der Grund für seinen Freitod war, ist unklar. Noch am Sonntag erschien Reinhardt alkoholisiert am WEF-Kommandoposten, teilte Regierungsrätin Barbara Janom Steiner mit. Sie wollte ihn am Dienstag zur Rede stellen. Hätte sich der Verdacht erhärtet, dass Reinhardt betrunken war, hätte sie ihm die Verantwortung für das WEF sofort entzogen, so Janom Steiner weiter.

Am Dienstagmorgen habe sie sich zusammen mit dem Departementssekretär und dem stellvertretenden Polizeikommandanten auf den Weg zum Rapport in Davos gemacht. Sie habe Reinhardt am frühen Morgen — vermutlich kurz vor 6.30 Uhr — angerufen, um ihn davor noch zu treffen. Den Grund des Treffen habe sie ihm nicht genannt. Nachdem sie in der Lobby von Reinhardts Hotel zehn Minuten auf diesen gewartet habe, versuchte sie ihn telefonisch zu erreichen. Ein Mitarbeiter ging schliesslich im Hotelzimmer nachschauen und fand den WEF-Sicherheitschef leblos auf, erzählte Janom Steiner mit stockender Stimme und Tränen in den Augen.

Alkoholproblem seit 2008 bekannt

Justizministerin Janom Steiner erfuhr kurz nach ihrem Amtsantritt im Mai 2008 aus dem Polizeikorps, dass Reinhardt Alkoholprobleme habe. Sie habe mit ihm sofort Kontakt aufgenommen und ihm signalisiert, dass dies mit seiner Verantwortung nicht kompatibel sei. Sie hätte mit Reinhardt Massnahmen vereinbart, um seine Alkoholkrankheit in den Griff zu bekommen. Den Erfolg der Massnahme habe sie kontrolliert, so Janom Steiner. Unter anderem habe sie ärztliche Berichte erhalten, die eine laufende Verbesserung gezeigt hätten. Die Justizminsterin hat laut eigenen Angaben auch sofort die restliche Regierung informiert, nachdem sie von den Alkoholproblemen erfahren habe. Die Regierung habe davon aber bereits Kenntnis gehabt, so Steiner.

Die Alkoholprobleme Reinhardts hätten seine Arbeit nie beeinträchtigt, betonte die Justizministerin. Es sei nie zu Beanstandungen aus dem Polizeikorps gekommen. Sie lobte Reinhardt mehrmals als ausserordentlich kompetenten Kommandanten. Medienberichte, dass er alkoholisiert in einer Polizeikontrolle geraten sei oder in einen Unfall verwickelt war, dementierte Steiner. Es gebe weder von der Militär-, der Kantons- noch von der Churer Stadtpolizei einen solchen Rapport.

Der Tod des beliebten Kommandanten, der dem Korps 26 Jahre vorgestanden hatte, löste grosse Trauer aus. Regierungspräsident Claude Lardi hatte von einer menschlichen Tragödie gesprochen. Die Gesamteinsatzleitung der Polizei für das WEF wurde Hauptmann Marcel Suter übertragen. Das Korps wird interimistisch vom ersten Stellvertreter der Kantonspolizei, Oberstleutnant Robert Willi, geführt.

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(Mitarbeit: meg/mdr)