Umgang mit Bettlern

15. Oktober 2018 14:19; Akt: 15.10.2018 14:19 Print

Wie viel Geld soll ich Obdachlosen spenden?

von Noah Zygmont - Sie kämpfen auf der Strasse um ihr Überleben. Wie kann man ihnen helfen – und welcher Betrag ist zu tief?

Das sagen zwei Passanten über das Betteln in der Schweiz.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Als eine Leserin einem Obdachlosen Luxemburgerli schenken wollte, kamen diese postwendend zurück. «Er schmiss sie mir gleich wieder an», sagt sie. Ein anderer Leser wurde schroff angegangen, als er einem Obdachlosen 10 Rappen geben wollte. «Ich habe auch schon eine Bratwurst gekauft. Der Bettler hat die Wurst dann abgelehnt, weil er lieber Geld wollte», sagt eine andere Leserin. Wann ist eine Spende hoch genug – und was brauchen die Obdachlosen wirklich?

Umfrage
Haben Sie einem Bettler schon einmal etwas gegeben?

Claudia (46) lebt in Zürich seit drei Jahren auf der Strasse. Jeder Rappen zähle, sagt sie: «10 Rappen sind ein Anfang. Wenn du den ganzen Tag dran bist, sieht das Endergebnis ganz in Ordnung aus.» An guten Tagen sammle sie bis zu 100 Franken, an schlechten auch einmal nur fünf. Es gehe darum, dass jemand seinen guten Willen zeige: «Für mich ist es wichtig, dass jemand anhält und sich die Zeit nimmt.» Obdachlose, die Kleingeld nicht annehmen, hätten es auch nicht nötig: «Das finde ich unter aller Kanone», sagt Claudia. Wenn jemand tatsächlich bedürftig sei, sei es egal, wie viel man gebe. «Ich finde es respektlos, wenn man die Spende nicht annimmt.»

«Mit ein paar Rappen kommt ein Bettler nicht weiter»

Eine andere Meinung vertritt Paul Rubin, Leiter des Tageshauses für Obdachlose in Basel. Ein kleiner Batzen helfe nicht sonderlich viel. «Mit ein paar Rappen kommt ein Bettler nicht weiter. Er kann nicht 100 Leute fragen und schlussendlich 10 Franken damit verdienen», sagt er. Grundsätzlich sei es empfehlenswert, Geld zu geben. Essen könnten sich Obdachlose auch gratis besorgen.

Teilweise werde das Geld für die Notschlafstelle oder für Möbel verwendet. Meistens werde es allerdings für Suchtmittel ausgegeben. «Sie haben oft keinen Hunger und geben das erhaltene Geld für Alkohol oder Drogen aus», sagt Rubin.

«Manchmal haben diese Menschen einfach Angst vor Ämtern»

Auch Claudia konsumierte nach eigenen Angaben 25 Jahre lang Heroin und Kokain. «Du rennst nur noch für den nächsten Schuss. Das raubt dir enorm viel Energie, sodass du irgendwann nicht mehr weiterkannst», sagt sie, die mit 18 Jahren zum ersten Mal auf der Strasse gelandet war. Sie habe die Kontrolle über ihre Finanzen verloren, weil sie alles für Drogen ausgegeben habe. Seit fünf Jahren ist sie clean.

Nicht nur Süchte führten Menschen in die Obdachlosigkeit. Oft seien die Gründe auch auf psychische Erkrankungen oder mangelnden Wohnraum zurückzuführen: «Manchmal haben diese Menschen einfach Angst vor Ämtern oder sonstigen Beratungen.» Dennoch schrecken Passanten vor alkoholisierten Bettlern zurück: «Wenn ein Bettler auf Drogen ist, gebe ich kein Geld», sagt ein Pfleger. Eine Pharmaassistentin sagt: «Wenn das Geld nur für Drogen ausgegeben wird, verzichte ich lieber auf einen Beitrag.»

«Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig geben»

Ob man einem Obdachlosen direkt Geld geben wolle oder über eine Organisation, sei eine individuelle Entscheidung, sagt Paul Rubin vom Basler Tageshaus. «Organisationen erreichen natürlich auch nur gewisse Bettler. Dennoch gibt es viele, die den direkten Austausch mit den Obdachlosen pflegen», sagt Rubin. Man solle sich vorab genau informieren, was hinter der jeweiligen Organisation stecke. Trotzdem: «Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig geben.»

Claudia möchte noch besser auf ihr Erscheinungsbild achten: «Ich gebe auch ab und zu mein gesammeltes Geld für neue Kleider aus, die ich selber einkaufen möchte. Ich besitze drei Paar Jeans.» Dass das Aussehen ein Entscheidungsfaktor fürs Spenden ist, zeigt auch ein Experiment von Alpi. Es hat gezeigt, dass gut gekleidete Bettler schneller an Geld kommen als ungepflegte.


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michel7 am 15.10.2018 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was?

    Obwohl man weiss dass das Geld oft für Alkohol und Drogen ausgegeben wird soll man Geld geben? Und lieber zuviel als zuwenig? Ja sicher... lieber ein essen spendieren. Ich bin nicht bereit deren Drogen zu finanzieren. Nennt mich ruhig asozial.

    einklappen einklappen
  • Altstetter am 15.10.2018 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich gebe keinen Rappen.

    In der Schweiz muss niemand auf der Strasse leben und betteln. Das Sozialamt bezahlt Unterkunft, Essen, Kleidung und Sackgeld.

    einklappen einklappen
  • Rebel son am 15.10.2018 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Swissnes

    In der schweiz ist betteln fehl am platz und das geld meist nur für suchtmittel. In unserem sozialstaat muss niemand hungern oder unter der brücke schlafen. Wen man das sozialgeld versäuft oder in drogen investiert ist man selber schuld. Für schwerstsüchtige gibt es das koda.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sura am 15.10.2018 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Bettler bettelt nicht nur für Drogen und Alkoh

    die Bettler sind nicht eine Last sondern ein Segen für unsere Gesellschaft. Sie sind da und brauchen nur bisschen Aufmerksamkeit und sie werden dich nicht vergessen. vor 3wochen ist einem Bettler A. aufgefallen das eine ältere Dame die seit mehreren Jahren immer ihn täglich grüsste seit 2 tagen nicht mehr da war. er fragte bei seinem Kumpel nach und gingen zur Wohnung der älteren Dame. die Türe war nicht verschlossen und sie rufen rein. da schrieh die Dame aus dem Bad hallo bin im Bad brauche Hilfe und lag in der Badewanne mit gebrochenem Bein. sofort alarmierten die Bettler den Notdienst. und die Dame gab dem Bettler a ihre Schlüssel dass er die Katzen füttern und die Blumen giessen solle während sie im Spital ist. also sagt ihr Last oder segen

  • Doris Ruchti am 15.10.2018 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Titel

    Ich wollte einmal im Deutschland einem Mann mit blaugefrornen Lippen ein warmes Essen spendieren. Ich gab ihm für meine Verhältnisse viel Geld. Er ging aber nicht rein, sondern blieb am Boden sitzen. Später stand er auf, nahm den Klingelbeutel und stieg in einen Mercedes ein. Seither bin ich nicht Mehr so spendefreudig.

  • Unterstütze Gerne Aber... am 15.10.2018 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geld für Bettler

    Ich gebe grundsätzlich kein Geld mehr an Bettler. Ich gebe Essen und zu Trinken, oder Gutscheine für die Notschlafstelle. Wenn dies jemand ablehnt, ist er selber Schuld wenn er es nicht haben will. Es gibt genügend Orte wo es Unterstützung gibt. Von daher sehe ich keinen Grund Geld zu geben, welches eh meist in Drogen oder Alkohol umgewandelt wird. Zudem gibt es viele organisierte Bettlerbanden, welche versuchen armselig auszusehen. Doch sobald diese vom Car wieder abgeholt werden, können Sie oh Wunder plötzlich wieder laufen, sprechen und lachen. In Basel schon öfters beobachtet.

  • susi am 15.10.2018 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schämt euch

    Ich Lügen viele kommentareschreinerlinge, ich gebe auch kein Geld, doch noch keiner ist davon gelaufen, wenn ich gesagt habe, ich kaufe ihm was zu essen. Hoffentlich wird niemand von euch mal obdachlos und niemand spendet euch nur einen Kaffi. Das Sozialamt zählt keine offenen Mieten nach , dadurch verlieren so einige ihre Wohnung, weil der Weg zum Sozi für viele eine Überwindung braucht. Sie schämen sich.

  • dave am 15.10.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Vorurteile, bevor es geschehen ist...

    Es kommt auf die Person an, auf die Situation und ganz zu letzt auf meine Finanzielle Situation.