Gewerbeverband

23. August 2018 16:00; Akt: 23.08.2018 16:00 Print

Bigler provoziert Fair-Food-Initianten mit Comic

von A. Peterhans - Leere Regale und hohe Preise: Ein Cartoon des Gewerbeverbandes gegen die Agrarinitiativen stösst den Befürwortern sauer auf.

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Mit diesem Szenario warnt der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) auf Facebook vor der Fair-Food-Initiative und der Initiative für Ernährungssouveränität, die am 23. September vor das Volk kommen. Beide Vorlagen zielen darauf ab, dass Schweizer Standards auch für importierte Lebensmittel gelten. Laut dem SGV macht dies Kontrollen im Ausland nötig, was sich in steigenden Preisen niederschlage und in weniger Vielfalt im Supermarkt. Gewerbeverbands-Direktor Hans-Ulrich Bigler sieht das Ganze nicht so eng. Zur Kritik sagt er: «Ein Comic hat nicht den Anspruch, die absolute Wahrheit zu zeigen, sondern soll zum Denken anregen und dem Thema die nötige Aufmerksamkeit geben.» Es ist nicht das erste Mal, dass sich Rivalen in einem Abstimmungskampf der Lüge bezichtigen: Laut den Gegnern hätten Konsumenten bei einem Ja zur «Grünen Wirtschaft» 2016 krasse Einschränkungen hinnehmen müssen. «Eine Lüge», sagten damals die Initianten. Gegner der Initiative «Grüne Wirtschaft» warben 2016 mit diesen Bildern. Einschneidende Konsequenzen hat auch das Ja zum Energiegesetz – zumindest wenn es nach den Gegnern ging. Sie warnten vor einem Bananen-Verbot. Im Prospekt werden noch weitere düstere Szenarien im Falle einer Annahme des Energiegesetzes aufgeworfen, wie etwa Stromausfälle und unbezahlbarer Treibstoff. SP-Nationalrat Fabian Molina sieht im Cartoon des Gewerbeverbands eher einen Verzweiflungsakt: «Typisch Gewerbeverband. Es fehlt jeglicher Wahrheitsbezug. Wir reagieren überhaupt nicht auf solche Provokationen.» Für Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli ist die Darstellung «reine Provokation»: «Wer keine Argumente hat, muss halt zur Fake-News-Keule greifen.» Der Gewerbeverband habe den Kern der Fair-Food-Initiative missverstanden.

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Drei Äpfel an der Kasse des Supermarkts kosten 27 Franken, die blonde Kundin fällt in Ohnmacht. Überhaupt ist das Angebot bescheiden: In der Früchteabteilung gibt es nur noch einheimische Äpfel und Birnen. Der Frau bleibt nur noch, in Deutschland einkaufen zu gehen.

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Darf man mit Comics die Wahrheit verzerren?

Mit diesem Szenario warnt der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) auf Facebook vor der Fair-Food-Initiative und der Initiative für Ernährungssouveränität, die am 23. September vors Volk kommen (siehe Box). Beide Vorlagen zielen darauf ab, dass Schweizer Standards auch für importierte Lebensmittel gelten. Laut dem SGV macht dies Kontrollen im Ausland nötig, was sich in steigenden Preisen niederschlage.

«Wer keine Argumente hat, greift zu Fake News»

Für Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli ist die Darstellung «reine Provokation»: «Wer keine Argumente hat, muss halt zur Fake-News-Keule greifen.» Der Gewerbeverband habe den Kern der Fair-Food-Initiative missverstanden: «Unter dem aktuellen Regime profitieren der Detailhandel und die Verarbeiter.» Die Nahrungsmittelpreise seien in den letzten Jahren um 15 Prozent gestiegen, ebenso die Kosten der Bauern für die Produktionsmittel. Bauern erhielten gleichzeitig um einen Drittel weniger. Bei einem Ja werde die Direkt-Vermarktung der Bauern gefördert. «Mit weniger Gewinnen von Detailhandel und Grossverteilern können die Bauern mehr kriegen und die Konsumenten und Konsumentinnen weniger zahlen.»

Auch SP-Nationalrat Fabian Molina sieht den Cartoon eher als Verzweiflungsakt: «Typisch Gewerbeverband. Es fehlt jeglicher Wahrheitsbezug. Wir reagieren überhaupt nicht auf solche Provokationen.» Leere Regale seien das Gegenteil von dem, was die Initiative Fair-Food bewirke. Viel eher würden nachhaltige Produkte gefördert und damit die Produkte-Vielfalt grösser.

Luzian Franzini, Co-Präsident den Jungen Grünen, unterstellt dem Gewerbeverband «Angstmacherei». «Diese Preissteigerung im Cartoon ist absolut unglaubwürdig.» Drei Äpfel für 27 Franken seien eine Preissteigerung von über 1000 Prozent. «Dass diese überspitzte Darstellung ernst genommen wird, denke ich nicht», denkt er nicht.

«Comic soll zum Nachdenken anregen»

Der Direktor des Gewerbeverbands, Hans-Ulrich Bigler, sieht das Ganze nicht so eng. Zur Kritik sagt er: «Ein Comic hat nicht den Anspruch, die absolute Wahrheit zu zeigen, sondern soll zum Denken anregen und dem Thema die nötige Aufmerksamkeit geben.»

Das schaffe der Gewerbeverband nicht zum ersten Mal mithilfe eines Cartoons. Tatsache sei: Importverbote und zusätzliche Produktionsbestimmungen nach dem Gusto der Grünen führten zu weniger Auswahl und steigenden Preisen. Das zeige der witzige Cartoon auf plakative Art.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark am 23.08.2018 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Preissteigerung gibts doch

    Aber dass die Lebensmittel teuer werden, bestreiten auch die Befürworter nicht.

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  • Pausenclown am 23.08.2018 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Karikatur = verzerrte Realität

    Wer ein Comic ernst nimmt und anhand von einem Comic abstimmt, dem ist nicht mehr zu helfen!! Finde das Comicbild zwar nicht gut, aber das ist ja Geschmackssache und zum übertreiben sind ja solche Karikaturen da...sehe hier kein Problem.

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  • Maisnon Bonsoir am 23.08.2018 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    No Joke

    Da bis jetzt noch nie irgendwas von rot oder grün funktioniert hat oder eingetroffen ist kann man die beiden Initiativen frohen Mutes ablehnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ökoprotz am 24.08.2018 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    sehr hohe Kaufkraft

    Bei uns müssten die Löhne massiv runter. Auf das tiefe Niveau der umliegenden Länder. Erst dann würden die Preise an die umliegenden Ländern angepasst.

  • arm und ausgenützt am 24.08.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsfremd

    Es wird immer argumentiert, als wären viele Themen eine idealistische Frage. Das Problem für mich in Wahrheit: mit was soll ich das bezahlen? Nach 35 Jahren arbeiten bleibt kein Rappen übrig, und ich habe noch nicht mal ein Auto (also nix mit in D einkaufen) oder eine teure Wohnung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur ich mich in dieser Situation befinde

    • Normalo am 24.08.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      nicht jammern, uns gehts gut

      Hmmm. Ich habe einen Durchschnittslohn, mache viel Ferien und habe zwei barbezahlte Occ- Autos. Auf dem Bankkonto hat sich auch schon einiges angehäuft. Und gehe auch oft ins (gutbürgerliche) Restaurant. Was machen Sie denn wohl nicht optimal?

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  • Petra Wyler am 24.08.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schon jetzt genügend beschränkt

    Wer mal in einem Deutschen oder Österreichischen Superamarkt war, der weiss wieviele Produkte heute schon uns vorenthalten werden. Danach gibts wohl wirklich nur noch Kartoffeln, Salat und Äpfel.

    • Ponyhof am 24.08.2018 15:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Petra Wyler

      Z. B. bei Coop gibt mehr, bessere und frischere Auswahl als in den Deutschen und Österreichischen Supermärkten. Hier ist etwas teurer, aber Qualität darf ihren Preis haben.

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  • Hof am 24.08.2018 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufen

    Vieleicht wird es dann günstiger direckt am Hof einzukaufen, da die Lieferkosten(in CH Löhne) und evtl noch andere Kösten ausfallen?

  • Kiara am 24.08.2018 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Ja, wenn Molina und Glättli was hierzu sagen, ist es sicher richtig, ha, ha, ha