Studie

23. Februar 2009 12:42; Akt: 23.02.2009 12:47 Print

Bildungsgutscheine gezielt einsetzen

Bildungsgutscheine können ein wirkungsvolles Instrument sein, um Leute zur Weiterbildung zu animieren. Aus Kostengründen empfiehlt es sich allerdings, die Gutscheine gezielt auf tiefe Bildungsschichten auszurichten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie.

Fehler gesehen?

Finanzielle Anreize wirken: Dank der Ausgabe von Gutscheinen erhöhte sich die Weiterbildungsquote von 34 auf rund 40 Prozent, wie ein Feldversuch mit 2400 Personen der Universität Bern im Auftrag der Bundesamts für Berufsbildung und Technologie ergab.

Auf tiefe Einkommen beschränken

Der Anstieg um 6 Prozent verteilte sich auf alle Bildungsstufen, wie die am Montag veröffentlichte Studie zeigt. Trotzdem empfehlen die Autoren, die Anwendung der Gutscheine auf tiefe Bildungsschichten zu konzentrieren.

Grund ist die Effizienz: Pro investierten Franken ist die Wirkung in unteren Bildungsschichten am grössten. Personen, die nur die obligatorische Schule absolviert haben, nutzen Bildungsgutscheine zwar nur selten, doch ist die Wirkung gross. Ohne Gutschein hätten nur wenige einen Kurs besucht.

Anders die Akademiker: Sie reagieren weit weniger stark auf finanzielle Anreize. 80 Prozent der Akademiker, die mit einem Gutschein eine Weiterbildung absolvierten, hätten dies auch ohne finanzielle Hilfe getan.

Nicht nur die tieferen Kosten für den gleichen Effekt sprechen für die Konzentration auf die weniger Gebildeten. Der Staat profitiert bei Personen mit tieferer Bildung auch mehr, weil dank der Weiterbildung die Sozialkosten gesenkt werden können.

Höhe des Gutscheins wichtig

Für die Wirksamkeit der Bildungsgutscheine ist daneben die Höhe des finanziellen Zuschusses entscheidend: Je höher der Wert des Gutscheins, desto höher die Einlösequote. Beschränkt sich der Gutschein auf 200 Franken, wird er fast nur von denjenigen eingelöst, die sowieso eine Weiterbildung gemacht hätten.

Keinen Einfluss hat dagegen die Weiterbildungsberatung. Die Möglichkeit, sich telefonisch mehr Informationen zu beschaffen, wirkte sich nicht auf die Bereitschaft aus, sich weiterzubilden.

Zwiespältiger Effekt

Der Nutzen der Weiterbildung für die Betroffenen bleibt diffus. Personen, die sich dank des Gutscheins im Jahr 2006 weiterbildeten, unterschieden sich im Jahr 2007 bezüglich Lohnhöhe und Arbeitsplatzsicherheit nicht von der Kontrollgruppe ohne Bildungsgutschein.

Die Studienautoren relativieren diese Aussage: Einerseits sei die Frist mit einem Jahr äusserst kurz, andererseits wäre es vermessen anzunehmen, dass sich einige Kurstage gleich auf den Lohn auswirken würden.

Die Studie betont vielmehr die positiven Effekte auf die Bereitschaft der Leute, die Weiterbildung fortzusetzen. Personen, die sich im Jahr 2006 dank eines Gutscheins zur Weiterbildung entschlossen hatten, nahmen im Jahr 2007 deutlich häufiger eine erneute Weiterbildung in Angriff.

KV Schweiz erfreut

Der KV Schweiz fühlt sich durch die Studie bestätigt, wie der Verband am Montag mitteilte. Der Bericht zeige, dass Bildungsgutscheine wirkten. Diese dürften sich allerdings nicht auf die untere Bildungsschicht beschränken. Auch der berufliche Mittelstand müsse von zusätzlichen öffentlichen Mitteln profitieren.

Dies sei nicht mehr als fair, bestehe doch heute ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen den staatlichen Ausgaben für die Hochschulen und die Höhere Berufsbildung.

(sda)