«Brutale Schmerzen»

28. Juli 2015 11:16; Akt: 28.07.2015 13:14 Print

Billig-Laser verbrennt die Haut statt das Tattoo

Dermatologen warnen vor Tattoo-Entfernungen bei unseriösen Anbietern. Eine 35-Jährige zeigt, was ein Billig-Laser bei ihr anrichtete.

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Ärzte warnen vor unseriösen Laser-Studios, die Tattoo-Entfernung anbieten. Ein Dermatologe sagt: «Laserstudios besitzen oft nur ein einfaches, preisgünstiges und leistungsschwaches Modell, mit dem die Behandlungen viel länger dauern, viel schmerzhafter und viel teurer sind.»

Eine, die ihre Behandlung mittlerweile bereut, ist Martina S.* (35) aus der Region Chur. Sie liess sich als 18-Jährige drei Tätowierungen – zwei an den Beinen und eines am Dekolleté stechen. Einige Jahre danach wollte sie diese entfernen lassen und ging zu einem Tätowierer in ihrer Region. «Ich merkte ziemlich bald, dass ich seine erste Kundin war – quasi sein Versuchskaninchen.»

Das Entfernen der Tattoos habe ihr «brutale Schmerzen» bereitet, sagt Martina S. «Ich konnte nach der ersten Behandlung kaum laufen.» Sie habe Blasen an den Beinen gekriegt, am Dekolleté habe es gar geblutet. «Der Tätowierer meinte aber nur, dass das normal sei.»

Ausschlag an der Brust

Sie biss die Zähne zusammen und ging an die nächste Sitzung, holte sich zuvor aber eine Betäubungscreme bei einer Dermatologin. «Die war auch erschrocken, als sie die Verbrennungen sah.» Nach der zweiten Sitzung entwickelte sich zudem ein Ausschlag auf ihrer Brust.

Die Tattoos ganz entfernen konnte der Tätowierer nicht – vor Ende der Behandlung gab er Martina S. an, den Laser verkauft zu haben. Sie liess sich deshalb auf der Brust eine neue Tätowierung stechen, um das alte Motiv zu überdecken.

Peter Itin, Chefarzt Dermatologie des Universitätsspitals Basel, sagt: «Laser bedeutet Energie, die in der Haut deponiert wird. Eine gewisse Rötung unmittelbar nach der Laserbehandlung ist normal.» Doch werde zu viel Energie in der Haut deponiert, könne es zu Verbrennungen und Narben kommen. Was Martina S. am eigenen Leib erfahren hat.

Facharzt Michael Radenhausen vom Laserzentrum Bern sagt allerdings: «Möglicherweise handelt es sich nur um eine akute Reaktion unmittelbar nach dem Lasern eines Tattoos. Diese kann durchaus auch mit Blasen und transepidermaler aggressiver Ausschleusung von Pigment aus der Haut einhergehen.»

«Nur Ärzte sollten Laser bedienen»

Thomas Hebel, Facharzt für Dermatologie und Lasermedizin in St. Gallen, warnt vor unseriösen Anbietern. «Die Hersteller wollen einfach ihre Laser verkaufen und schulen das Studio-Personal intern. Das reicht niemals aus.»

Die Wunden von der Tattoo-Entfernung bei Martina S. sind einigermassen gut verheilt – an den Beinen sind noch kleine Narben sichtbar. Sie wünscht sich nur eins: «Ich finde, dass nur sehr gute ausgebildete Ärzte solche Laser bedienen sollten und nicht Leute, die einen zweitägigen Kurs besucht haben.»

*Name der Redaktion bekannt

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sporty am 28.07.2015 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tattoos

    selber schuld....Tattoos sind für die Ewigkeit gedacht... Vorher besser überlegen was stechen.

  • Einfach so am 28.07.2015 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht ist besser als Nachsicht

    Wenn man ein Tattoo günstig loswerden will, locken preiswerte Anbieter. Da zu sparen lohnt sich nicht. Noch besser wäre sich vor dem Stechen des Tattoo's zu überlegen, wie man es in ein paar Jahren finden dürfte.

    einklappen einklappen
  • Tattooliebhaber am 28.07.2015 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tattoo

    Nächstes Mal besser ein Mal mehr überlegen, ob du dir ein Tattoo stechen lassen möchtest, dann bleibt dir die Schmerzprozedur erspart! :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau am 28.07.2015 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    nicht tätowieren! Das Leben ist zu lang, der Mensch ändert sich, aus einem Hippie ein Familienvater, aus einem Banker ein Sozialarbeiter, aus einem Sportmuffel ein Maraton-Läufer, aus einem Alles-Esser ein Veganer, aus einem Hausbesetzer ein Hausbesitzer...

  • Tomy am 28.07.2015 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst gar nicht tätowieren

    Dann hat man auch solche Luxusprobleme nicht. Wieso tätowiert jemand seinen gesunden Körper? Keine Ahnung, etwa gleich hirnlos wie Rauchen.

  • Arwen am 28.07.2015 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gemischtwarenladen

    In meiner Nähe hat ein neues Nagelstudio aufgemacht. Ich wollte dort versuchsweise meine Nägel machen lassen. Es handelte sich um eine Massenabfertigung ohne Gleichen, während meiner 60minütigen Anwesenheit haben 4 selbsternannte Naildesignerinnen an meinen Nägeln rumgebastelt, wovon mich keine verstanden hat. Am Ende der Tortur war für mich klar: einmal und nie wider, aber als ich dann beim Verlassen des Studios auch noch ein Schild sah, wonach dort auch Tattooentfernungen angeboten werden, war mein Motto nur noch "nichts wie weg hier!" Das kann es doch nicht sein!

  • M.D. am 28.07.2015 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Billig-Gutscheine

    Diese Dame hat sicher ein Groupon-Gutschein gekauft. So wie der Erfahrungsbericht geschrieben ist (kam vor, als wäre sie die erste Kundin) tönt das definitiv nach einem Angebot von diesem Portal!

  • Patrick S. am 28.07.2015 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Topadresse

    Ich habe meines in Basel am Klosterberg entfernen lassen. Unglaublich schnell und fast schmerzfrei. Sympathisches Personal. UND natürlich ohne Narben...