15. April 2005 12:02; Akt: 15.04.2005 12:08 Print

Bin Ladens Bruder blitzt vor Bundesgericht ab

Der Genfer Geschäftsmann Yeslam Binladin, Halbbruder von Osama Bin Laden, und zwei seiner Unternehmen sind mit einer Klage gegen die Autoren des Buchs «Die verbotene Wahrheit» vor Bundesgericht abgeblitzt.

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Die Kläger wollten das Buch verbieten lassen und forderten zudem als Genugtuung einen Millionenbetrag.

Das im November 2001 zuerst in französischer und später auch in deutscher und italienischer Sprache erschienene Buch «Die verbotene Wahrheit» befasst sich auf mehr als 300 Seiten mit den weltweiten Beziehungen des Terroristen Osama Bin Laden, dem unter anderem der Anschlag auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 zur Last gelegt wird. Auf rund 20 Seiten befasst sich das Buch auch mit dem Genfer Geschäftsmann und Halbbruder von Osama Bin Laden, Yeslam Binladin und seinen weltweit verzweigten Unternehmen.

Kurz nach Erscheinen des Buchs reichten Yeslam Binladin und zwei seiner Unternehmen bei der Genfer Justiz Klage ein. Sie verlangten, dass der Vertrieb des Buchs in der Schweiz verboten wird und forderten darüber hinaus eine Genugtuung von einer Million Franken wegen Persönlichkeitsverletzung sowie den Gewinn aus dem Buchverkauf. Der Genfer Geschäftsmann wirft den Autoren vor, das Buch erwecke den falschen Eindruck, mit seinem weit verzweigten Firmennetz habe er terroristische Akte finanziert und sei indirekt in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt.

Nach der Genfer Justiz hat jetzt auch das Bundesgericht die Klage abgewiesen. Laut dem am Freitag veröffentlichten Bundesgerichtsurteil durften die im Buch behandelten Hypothesen allfälliger finanzieller Verbindungen aufgeworfen werden. Yeslam Binladin war in der Schweiz kein Ungekannter. Bereits vor dem Anschlag vom 11. September 2001 waren er und seine geschäftlichen Aktivitäten Gegenstand von Presseberichten. Und seine Einbürgerung gab Anlass zu politischen Diskussionen. Angesichts des grossen öffentlichen Interesses, so das Fazit des Bundesgerichts, haben die Buchautoren die Persönlichkeitsrechte Yeslam Binladins beziehungsweise seiner Firmen nicht unnötig verletzt.


(ap)