Poulet-Skandal

07. November 2018 10:39; Akt: 07.11.2018 10:51 Print

Bio Suisse spritzt Küken Gentech-Impfstoff

von Noah Zygmont - Der Bio-Dachverband lässt Gentech-Impfungen für Küken zu – entgegen den eigenen Richtlinien und ohne jegliche interne Kommunikation.

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Schweizer Bio-Küken bekommen einen gentechnisch veränderten Impfstoff gespritzt. Er soll vor Geflügelseuche und anderen hochansteckenden Viren schützen. Mit der Zulassung für diese Impfung verstösst der Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe Bio Suisse gegen seine eigenen Vorschriften. Für sie gehöre der Verzicht auf Impfstoffe zu den «Grundsätzen des Biolandbaus». Gemäss diesen Richtlinien müssten Medikamente und Impfstoffe gentechfrei gehalten werden. Der Vorstand von Bio Suisse und Präsident Urs Brändli werden jetzt von eigenen Mitarbeitern heftig kritisiert. «Wir befanden uns in einem extremen Dilemma. Wir haben gesehen, dass tausende Tiere gestorben sind. Deshalb haben wir uns dann fürs Tierwohl und für die Impfung entschieden», sagt Brändli. Er habe kein Recht gehabt, diesen Entscheid zu treffen. «Bio Suisse stellt die Glaubwürdigkeit des Labels ein Stück weit in Frage. Man wollte das unter dem Deckel halten», sagt Martina Munz, Präsidentin der Schweizer Allianz Gentechfrei. Präsident Brändli wehrt sich gegen Vorwürfe, die Konsumenten nicht informiert zu haben: «Knospenprodukte sind und bleiben gentechfrei.» Das gelte auch für die geimpften Hühner. Auch Bio-Poulets von Coop und Migros werden mit diesem Impfstoff behandelt. Die Migros verzichtete gegenüber der «Rundschau» auf eine Stellungnahme. Coop schreibt: «Unsere Produzenten halten sich an die Vorgaben der Bio Suisse und erfüllen damit weiterhin die strengsten Bio-Richtlinien der Schweiz.»

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Schweizer Bio-Küken kriegen einen gentechnisch veränderten Impfstoff gespritzt. Er soll vor Geflügelseuche, einem hochansteckenden Virus schützen. Mit der Zulassung für diese Impfung verstösst der Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe Bio Suisse gegen seine eigenen Vorschriften, wie Recherchen der SRF-Sendung «Rundschau» nun zeigen. Für sie gehöre der Verzicht auf Impfstoffe zu den «Grundsätzen des Biolandbaus». Gemäss diesen Richtlinien müssten Medikamente und Impfstoffe gentechfrei gehalten werden.

Der Vorstand von Bio Suisse und Präsident Urs Brändli werden jetzt von eigenen Mitarbeitern heftig kritisiert. «Wir befanden uns in einem extremen Dilemma. Wir haben gesehen, dass tausende Tiere gestorben sind. Deshalb haben wir uns dann fürs Tierwohl und für die Impfung entschieden», sagt Brändli. Leider gebe es in den Richtlinien keine Angaben zu Notfällen, aber: «Das war ein Notfall, wir mussten sofort handeln», wehrt sich Brändli zum kritischen Bericht der eigenen Kontrolleure. Die Geflügelseuche Gumboro habe sich immer schneller verbreitet, der ordentliche Kommunikationsweg habe nicht mehr eingehalten werden können.

«Bio Suisse stellt die Glaubwürdigkeit des Labels in Frage»

Laut dem Bericht hat der Vorstand den Entscheid «bewusst» nicht breit kommuniziert, weil es ein «heikles Thema» sei. Diese Informationspolitik hinterfragen auch die Bio-Suisse-Geschäftsprüfer. Die interne Geschäftsprüfungskommission (GPK) findet, dass der Vorstand damit seine Kompetenzen überschritten habe. Er habe kein Recht gehabt, diesen Entscheid zu treffen.

«Bio Suisse stellt die Glaubwürdigkeit des Labels ein Stück weit infrage. Man wollte das unter dem Deckel halten», sagt Martina Munz, Präsidentin der Schweizer Allianz Gentechfrei. Präsident Brändli wehrt sich gegen Vorwürfe, die Konsumenten nicht informiert zu haben: «Knospenprodukte sind und bleiben gentechfrei.» Das gelte auch für die geimpften Hühner.

Der gentechnisch veränderte Impfstoff vermehre sich in den Ansätzen der Hühnerfedern, sagt die Tierärztin und Geflügelexpertin Karin Kreyenbühl. Bis zur Schlachtung lasse sich der Stoff nur in sehr geringen Mengen nachweisen. Nachdem sie gerupft worden seien, würden allfällige Spuren von gentechnisch verändertem Material beim Knochen zerfallen. Im fertigen Fleisch, das zum Verkauf steht, sollten sich daher keine Rückstände befinden.

Schweizer Detailhändler verkaufen «Impf-Poulet»

Auch Bio-Poulets von Coop und Migros werden mit diesem Impfstoff behandelt. Die Migros verzichtete gegenüber der «Rundschau» auf eine Stellungnahme. Coop schreibt: «Unsere Produzenten halten sich an die Vorgaben der Bio Suisse und erfüllen damit weiterhin die strengsten Bio-Richtlinien der Schweiz.»

Der Vorstand muss jetzt das umstrittene Geschäft an der Delegiertenversammlung von Bio Suisse am 14. November 2018 in Olten vorlegen, weil die befristete Zulassung von der GPK als unzulässig beurteilt wurde. Die Recherche der «Rundschau» wird heute Abend auf SRF 1 ausgestrahlt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lilu am 07.11.2018 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauens missbrauch!

    wir versuchen Lebensmittel möglichst regional, saisonal und Bio einzukaufen und dan hört man wieder sowas!?! Die Leute die sagen Bio gäbe es nicht haben mit diesem Skandal wieder mal recht!

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  • Hubert V. am 07.11.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Adieu Swiss-Bio-Poulet

    Werde nichts mehr kaufen. Mein Vertrauen in Bio ist dahin.

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  • Ehici am 07.11.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Indirekt Impfung

    Wie könnt Ihr noch vertrauen haben in diesem Staat Schweiz, das ist ja grob fahrlässig! So sind dann alle Pouletesser gleich indirekt geimpft oder besser vergiftet! Wie kann man nur so einer Regierung vertrauen, wer jetzt noch dass Gefühl hat das ich übertreibe dem ist nicht mehr zu helfen und somit wünsche ich denen einen guten Appetit. Den Erwachten einen wunderschönen Tag

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bauer am 07.11.2018 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Label an die Wand gefahren

    Ich bin von Bio Suisse masslos enttäucht. Führe mit meiner Familie einen mittelgrossen Betrieb. Aus ökologischen Gründen wollte ich auf nächstes Jahr meinen Betrieb auf Bio umstellen um nachhaltig hochwertige Nahrungsmittel produzieren zu können. Nun kommen solch erschütternde Tatsachen ans Licht!Ich wünsche den noch Bioproduzenten in der kommenden Zeit alles Gute. Ich und meine Famile werden in Zukunft sicherlich nicht diesem unglaubwürdigen Verein Bio Suisse beitreten!

  • Dominik am 07.11.2018 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beim Mensch ist es etwas anderes

    An alle die sich empören, verzichtet ihr etwa auf Impfungen und Medikamente? Warum dürfen dann wir Menschen die von euch genannten Gifte einnehmen und Tiere nicht?

  • Dominik am 07.11.2018 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tote Hühner

    Ich habe auf einem Biobetrieb mit Legehennen gearbeitet, und wir haben keine Tiere geimpft. Das Problem war das bei 2000 Legehennen, die im Stall, Auslauf und auf der 1 hektar grossen Weide trotzdem zuviele Bakterien und Viren vorhanden waren. Somit war es nicht selten der Fall das man ein totes Huhn gefunden hat. Deshalb bin ich der Meinung das es besser wäre sie zu Impfen

  • Roman am 07.11.2018 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Papnasen

    Es ist richtig, dass sofort gehandelt wurde und mit dieser Massnahme. Jedoch muss es dann auch korrekt deklariert werden als normales Fleich, ansonnsten ist es reine Gier und Etikettenschwindel. Gentech frei heisst frei. Kein Futter, Medi oder Tier. Braten hin oder her! Sonnst braucht es auch keine Länderherkunft, weil beim essen ist es auch gleich. Papnasen

  • michi am 07.11.2018 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Beweise suchen

    Oder man hat im Nachhinein einfach eine Ausrede gefunden. Aber von vorne herein ging es um wirtschaftliche Überlegungen