Auf Bahndamm im Tessin

16. Dezember 2011 20:30; Akt: 16.12.2011 22:35 Print

Biologen finden illegalen Gentech-Raps

Die Freisetzung von genmanipuliertem Raps in die Umwelt ist in der Schweiz verboten. Dennoch konnten Experten gentechnisch veränderten Raps nachweisen, der diesen Sommer in Lugano gewachsen ist.

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Pflänzchen des Anstosses: Diese kleine Rapsplanze auf dem Bahndamm in Lugano stellte sich als gentechnisch verändert heraus. (Bild: 10vor10/SRF)

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Biologen habe haben auf einem Bahndamm im Tessin im Sommer Gentech-Raps entdeckt. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bestätigte am Freitag gegenüber der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens, dass eine solche Pflanze auf dem Bahnhof in Lugano gewachsen sei.

Die Freisetzung von genmanipuliertem Raps ist in der Schweiz verboten. Entdeckt wurden die Pflanzen im Rahmen eines neuen Monitoringsystems des BAFU. Dieses soll ermöglichen, die Existenz von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Umwelt frühzeitig zu erkennen.

Ausserhalb der Laboratorien

Ausser in Lugano seien Spuren von gentechnisch veränderten Pflanzen auch ausserhalb der Laboratorien der Universitäten Basel, Lausanne und Zürich nachgewiesen worden, informierte das BAFU.

Labors und Transportwege gelten als mögliche Quellen für die Verbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen und würden gemäss BAFU im Monitoring intensiv beobachtet. Nach heutigem Wissensstand sei durch die festgestellten Pflanzen, die sofort entfernt wurden, kein Schaden an Gesundheit, Umwelt oder Infrastruktur entstanden.

Die Umweltorganisationen Greenpeace und StopOGM.CH forderten in einem Communiqué, dass das BAFU rigorose Massnahmen umsetzen müsse, um eine weitere Verunreinigung zu stoppen. Unter anderem müssten die aktuellen Grenzwerte angepasst werden. Gerade Raps verbreite sich schnell, und seine Samen könnten noch nach Jahren keimen.

Die Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG) nannte die festgestellten Pflanzen ein «Alarmsignal». Sie forderte, die Sicherheitsmassnahmen bei Laboratorien betreffend Austrittspfade von gentechnisch veränderten Pflanzen und Saatgut neu zu evaluieren.

Freisetzen nur mit Bewilligung

Noch bis Ende November 2013 gilt in der Schweiz ein Moratorium für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Das heisst, dass solche Pflanzen nur versuchsweise und mit Bewilligung freigesetzt oder angebaut werden dürfen.

Auch der Austritt von gentechnisch veränderten Pflanzen aus Laboratorien oder Gewächshäusern ist möglichst zu minimieren. Es muss insbesondere verhindert werden, dass sich gentechnisch veränderte mit unveränderten Pflanzen kreuzen.

Das Monitoring wird durch das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt und andere Auftragnehmer durchgeführt. Proben werden systematisch erhoben und ausgewertet. Die Resultate sollen verlässliche Aussagen über die Verbreitung und Dichte von gentechnisch verändertem Ackerschmalwand, eine in der Forschung verwendete Pflanze, zulassen.

Proben ausserhalb des Labors entdeckt

Beim Aufbau des Monitoringsystems wurden im Jahr 2011 Proben von Ackerschmalwand bei Laboratorien der Universitäten Zürich, Basel, Lausanne und Freiburg genommen und analysiert. Diese Universitäten nahmen freiwillig an den Untersuchungen teil.

Dabei wurden in Basel, Lausanne und Zürich einzelne gentechnisch veränderte Pflanzen ausserhalb von Labors nachgewiesen. Die betroffenen Laboratorien wurden gemäss BAFU informiert und aufgefordert, alle möglichen Austrittswege zu analysieren und zusätzliche Sicherheitsmassnahmen zu evaluieren.

Ein weiteres Projekt im Rahmen des Monitorings dient der langfristigen Überwachung von gentechnisch veränderten Pflanzen entlang von Transportwegen.

Bei einer der Untersuchungen wurden beim Bahnhof Lugano gentechnisch veränderte Rapspflanzen gefunden. Der Kanton Tessin habe die Pflanzen gemäss der Freisetzungsverordnung entfernt und wird analysieren, woher sie stammen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 17.12.2011 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann man das verstehen?

    Seit Jahrtausenden versuchen wir Pflanzen und Tiere zur Perfektion zu führen. Wir kreuzen Weinreben, um den besten Wein zu bekommen, lassen nur die besten Bullen, auf unsere Kühe, um das beste Fleisch zu bekommen, Züchten Hunde, Katzen und alles andere. Wir verfüttern Medikamente und nur das beste Powerfutter, düngen, spritzen, sterilisieren. Aber bei Gen-Technik die im Grunde genau das macht, was wir schon immer taten, sind wir auf einmal tabuisiert, verbieten es und schreien auf? Ich verstehe das nicht!

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  • urs gregor am 17.12.2011 02:27 Report Diesen Beitrag melden

    ui bitte nicht banalisieren

    Die forschung wurde unter der bedingung das sowas niemals vorkommen darf, erlaubt. das ist sprichwörtlich nahe an einem GAU. macht mich neugierig, wieviele solche planzen berreits in der schweizer fauna rumstehen. nun nicht per zufall, mittlels screening erfasst wird.

  • Der Egon am 17.12.2011 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Das gibt's doch gar nicht. Das darf nach Verordnung des BAFU nur mit Bewilligung die Testzentren verlassen. Weiss der Raps das nicht?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sicher sicher? am 17.12.2011 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hersteller des Gentech-Raps feststellen

    und nach Verursacherprinzip bestrafen, sowie für alle Folgekosten verantwortlich machen.

  • Thomas am 17.12.2011 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann man das verstehen?

    Seit Jahrtausenden versuchen wir Pflanzen und Tiere zur Perfektion zu führen. Wir kreuzen Weinreben, um den besten Wein zu bekommen, lassen nur die besten Bullen, auf unsere Kühe, um das beste Fleisch zu bekommen, Züchten Hunde, Katzen und alles andere. Wir verfüttern Medikamente und nur das beste Powerfutter, düngen, spritzen, sterilisieren. Aber bei Gen-Technik die im Grunde genau das macht, was wir schon immer taten, sind wir auf einmal tabuisiert, verbieten es und schreien auf? Ich verstehe das nicht!

    • Daniel P. am 17.12.2011 12:57 Report Diesen Beitrag melden

      Viele Gründe

      Da gibt es mehrere Gründe bspw. Linzenzgebühren welche zu entrichten sind. Dann noch die gesundheitliche Gefahr. In Frankreich ist einmal ein ganzer Hof eingegangen, weil sie Gentech-Futter erhalten haben. Bis heute weiss niemand warum. Gründe gibt es viele..

    • interessierter am 17.12.2011 19:45 Report Diesen Beitrag melden

      unberechenbar

      du schreibst die antwort schon fast selber in bezug auf das kreuzen und züchten: seit jahrtausenden tun wir das und die menscheiht und seine umgebung hat sich damit zusammen entwickelt. bei züchten und kreuzen lässt man die genome auch als ganzes und nimmt nicht einzelne dna abschnitte und verpflantz sie total artfremd. zb ein fischgen in eine tomate verpflanzt. die frage ist löst die gentechnik irgendwelche probleme, und falls, ob sie wirklich entscheidende vorteile bringt. können und wollen wir diese nicht auch anders erreichen?

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  • Pragmatiker am 17.12.2011 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Hat die Greenpeace keine anderen Problem

    e? Wie wann das irgendjemandem schaden würde...

  • Reto am 17.12.2011 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ein grosser Witz

    Wie kann ein einfacher Bürger erkennen, ob eine genveränderte Pflanze Schaden anrichtet oder bedenkenlos konsumiert werden kann? Offensichtlich sind diese Pflanzen nach wie vor auch ein Streitpunkt der Experten. Das (noch weniger informierte) Volk wird dann aber eines Tages an der Urne entscheiden müssen, ob diese Pflanzen auch in der Schweiz zugelassen werden oder nicht. Eigentlich ist es ein Witz, da wir derart nahe an Deutschland bestimmt schon duzende solche Pflanzen unwissentlich verspeist haben. Das BAFU stellt nur eine Behörde da, die eigentlich gar nichts bewirken kann.

  • köbi444 am 17.12.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Alter Hut

    Bei Soya war das schon vor 15 Jahren der Fall. Zwei Jahre später sprach niemand mehr davon. Nun haben wir in vielen Soyaprodukte einen gewissen Anteil an Gen-Soya. Natürlich unter dem Grenzwert und dadurch nicht Deklarierpflichtig.